Die Offshore-Branche hat sich nach der zweiten Ausschreibungsrunde für Windenergie auf See für ein neues Fördersystem in Deutschland ausgesprochen. Denn wie die zweite Ausschreibungsrunde im April 2018 erneut bestätigte, sind Null-Cent-Gebote für Offshore-Windparks möglich. Dabei folgt die Arbeitsgemeinschaft Offshore-Windenergie (AGOW) einer Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), wonach Differenzverträge (Contracts for Differences) die beste Option für die Vergütung von erneuerbaren Energien seien.

Zwar hält die AGOW den zu beobachtenden rasanten Preisverfall im Offshore-Bereich für grundsätzlich gut. Schließlich beweise er, dass die Stromproduktion auf See langfristig kostengünstig sei. Die AGOW verweist jedoch darauf, dass diese Null Cent nach aktueller Rechtslage, dem Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG), maßgeblich sind. Dort heißt es in §22 Abs.1, dass der Höchstwert dem niedrigsten erfolgreichen Gebotswert zum Gebotstermin 1. April 2018 entspricht.

Null Cent nach aktueller Rechtslage Höchstpreis bei allen weiteren Ausschreibungen

Was nun fehle sei eine Möglichkeit zur Differenzierung der unterschiedlichen Gebote. Auch sei klar, dass Null Cent nicht bei jedem Windpark auskömmlich seien. Die AGOW spricht sich daher für die Einführung eine „two-sided Contract for Difference“ (CfD) aus, der heute bereits in ähnlicher Form in Großbritannien zum Einsatz bei Offshore-Projekten kommt.

Das DIW Berlin definiert den Differenzvertrag als einen langfristigen Stromabnahmevertrag zu einem in einer wettwerblichen Ausschreibung ermittelten Wert. Er würde im konkreten Fall zwischen einem Windprojektentwickler und einem dafür autorisierten Akteur (zum Beispiel einem Netzbetreiber) abgeschlossen werden. Liegt der künftige Marktwert des Stroms im Durchschnitt niedriger als der abgesicherte Wert, dann bekommt der Anlagebetreiber die Differenz ausgezahlt. Liegt der Strompreis aber höher, zahlt der Anlagenbetreiber die Differenz zurück. Die entstandenen Kosten oder Erlöse werden an alle Stromkunden weitergegeben.

Gleitende Marktprämie vs Differenzvertrag
Gleitende Marktprämie vs Differenzvertrag (Quelle: AGOW)

Die AGOW ergänzt, dass anders als beim Status quo in Deutschland diese Gebote auf den Projektkosten und nicht auf Preiserwartungen basieren. Neben dem positiven Effekt einer neuen Differenzierungsmöglichkeit, würden zudem die Risikoaufschläge bei den Geboten und damit die Stromgestehungskosten (LCOE) sinken.

„Mit CfDs kann das Erreichen politischer Ziele abgesichert werden“

Aus Sicht der Offshore-Windpark-Betreiber hat ein CfD-Mechanismus einige Vorteile. Denn wird das Risiko schwankender Strompreise minimiert, kann nach Ansicht der AGOW die Realisierungswahrscheinlichkeit der Projekte deutlich erhöht und damit das Erreichen politischer Ziele abgesichert werden. Durch eine lange Laufzeit und feste Vertragsbindung ohne Austrittsmöglichkeit entfalle zudem die Möglichkeit des „spekulativen Bietens“, bei dem unterschiedliche Erwartungen an die Strompreisentwicklung die Gebote in der Auktion verzerren.

Differenzverträge schaffen starken Anreiz, Offshore-Preise zu senken

Ferner handele es sich bei den CfDs um ein beihilfekonformes Instrument, bei dem die Stromgestehungskosten wettbewerblich und transparent im Rahmen einer Auktion ermittelt würden, so die AGOW. Bei einer solchen Auktion erhält derjenige Bieter den Zuschlag, der die geringsten Kosten aufweist. Der CfD schafft also nach Ansicht der AGOW einen starken Anreiz, die Preise für Offshore-Windenergie zu senken.

Schließlich könne mit einem CfD-Mechanismus auch das derzeitige Problem der fehlenden Differenzierungsmöglichkeit bei Auktionen behoben werden, da exakt gleiche Gebote nahezu ausgeschlossen seien. Es sei anzunehmen, dass die Entwickler ihre Gebote entsprechend der Stromgestehungskosten festlegen. Für eine höhere Rendite würden sie kein höheres Gebot abgeben, weil sie dann riskieren in der Auktion nicht berücksichtigt zu werden. Ein niedrigeres Gebot gehe zulasten der Projektrendite.

AGOW-Kriterien für die Einführung von Differenzgeschäften
Aus Sicht der AGOW sind folgende Kriterien bei der Einführung von Differenzgeschäften zur Förderung von Offshore-Windenergie wichtig:

1. Pro CfD: Die AGOW spricht für eine Umstellung der Vergütung auf ein zweiseitiges CfD-System aus. Der Bieter bietet dabei in einer Auktion nicht wie bisher auf einen Mindestpreis, sondern auf einen nach oben und unten festen Wert (EUR/MWh). Der Strom wird dabei wie bisher vom Anlagenbetreiber (oder einem beauftragten Direktvermarkter) direkt vermarktet. Wie auch im derzeitigen System handelt es sich dabei um ein wettbewerbliches Instrument, bei welchem der Zuschlag in Form einer Auktion transparent ermittelt wird.

2. Zweiseitig: Liegt der Marktpreis unterhalb des bezuschlagten Preises bekommt der Anlagenbetreiber die Differenz ausbezahlt. Steigt der Marktpreis zu einem Zeitpunkt innerhalb der Vertragslaufzeit jedoch über den vereinbarten Wert, werden die zusätzlichen Erlöse wieder in das System zurückgeführt. Bei hohen Strommarktpreisen zahlen die Betreiber in das System ein und können damit zur Entlastung des EEG-Kontos beitragen.

3. Dauer: Die AGOW spricht sich für eine lange Laufzeit aus. Das Ziel sollte eine langfristige Preisbindung sein, mindestens für den Finanzierungszeitraum des Windparks, im besten Fall für die Dauer der Betriebsgenehmigung.

4. Wechselwirkungen mit dem Strommarkt: Die AGOW ist sich eigenen Angaben zufolge bewusst, dass das Problem der fehlenden Refinanzierung am Strommarkt auch für andere Energiequellen ein Problem darstellt. Sie weist aber darauf hin, dass dies aufgrund der hohen Investitionssummen und der derzeitigen Null-Cent-Gebote für Offshore im besonderen Maße gilt. Bei der Einführung eines zweiseitigen CfD-Mechanismus muss daher sichergestellt werden, dass ein Rosinenpicken – d.h. ein Austritt aus dem CfD im Falle hoher Marktpreise – verhindert wird.

5. Anwendungsbereich: Die AGOW spricht sich ferner dafür aus, dass der Anwendungsbereich zunächst unverändert bleiben sollte. Diskutiert wird damit die Einführung eines CfD-Mechanismus auf Basis der sonstigen Regelungen im WindSeeG (Teilnahmevoraussetzungen und Eintrittsrecht etc.), diese blieben unverändert. Die Erweiterung des Anwendungsbereichs bspw. für den Netzanschluss zu einem späteren Zeitpunkt wird damit jedoch nicht ausgeschlossen.

Alternativen zum CfD bislang nicht vollkommen überzeugend

Zwar ist laut AGOW ein CfD nicht die einzige Option, die fehlende Differenzierungsmöglichkeit zu lösen. Allerdings seien mögliche Alternativen bislang nicht vollkommen überzeugend. Ein Wettbewerb über weiche Faktoren (ein sogenannter „Schönheitswettbewerb“) sei meist intransparent in der Bewertung, birge Rechtsunsicherheiten und signifikante Schwierigkeiten der nachträglichen Kontrolle. Auch die Möglichkeit negativer Gebote wurde diskutiert. Allerdings würde dabei das Risiko der Spekulation zunehmen und die Realisierungswahrscheinlichkeit abnehmen.  

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Bildnachweis: psdesign1 – stock.adobe.com      

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