Der Markt für „grünen“ Strom stagniert. Das zeigt die aktuelle Ökostromumfrage der Zeitschrift „Energie & Management“ (E&M) unter führenden deutschen Anbietern. Für die meisten Haushalte hierzulande sei Ökostrom nach wie vor keine Selbstverständlichkeit. „Ökostrom ist für viele der Regionalversorger und Stadtwerke überhaupt kein Wachstumsfeld“, sagt Robert Werner, Geschäftsführer des Hamburg Instituts (HI), das die E&M-Erhebung betreut hat.

Die Auswertung zeige, dass für dieses Jahr eine knappe Mehrheit der befragten Unternehmen mit gleichbleibenden Kundenzahlen rechnet, heißt es. Ein Viertel geht von sinkenden, das verbleibende Viertel von steigenden Kundenzahlen aus. Die Anbieter, die von einem Wachstum ausgehen, rechnen jedoch im Schnitt nur mit einem Kundenzuwachs in Höhe von 2,4 Prozent. „Wachstum sieht anders aus“, kommentiert Werner die Zahlen.

„In der Wahrnehmung der Bundesbürger als wichtiges politisches Handlungsfeld ist die Energiewende in den vergangenen zwei Jahren drastisch abgestürzt“, meint Werner. Ökostrom als Bekenntnis zur persönlichen Energiewende habe zuletzt einen schwereren Stand gehabt.

Lichtblick versorgt die meisten Haushalte mit Ökostrom

Abgesehen von einzelnen Anbietern komme der deutsche Ökostrommarkt seit vier Jahren nicht richtig voran. Lichtblick versorgt nach der E&M-Umfrage bundesweit die meisten Haushalte mit Ökostrom. Zu den nächst größeren Unternehmen zählen Eprimo, Entega, Lekker Energie und Naturstrom.

Für bessere Geschäfte setzt die deutliche Mehrheit (77 Prozent) der befragten Unternehmen auf eine Änderung der Stromkennzeichnung. Danach soll nur noch die wirklich real beschafften Ökostrommengen auf den Kundenrechnungen ausgewiesen werden. Derzeit können alle Stromanbieter den EEG-Anteil an der Stromerzeugung als grüne Komponente angeben. Mit dieser Regelung kann eine Reihe von Anbietern aber grüner auftreten als sie in Wirklichkeit sind.

Henle: „Kein echter Trend zu mehr qualitativ hochwertigen Ökostromangeboten erkennbar“

Auch der Ökostromanbieter Polarstern kritisiert die Entwicklung am deutschen Ökostrommarkt. Eine Analyse der auf Vergleichsportalen angebotenen Stromtarife durch den Ökoenergieversorger habe gezeigt, dass immer weniger Ökostromtarife überhaupt zertifiziert seien. Allein im Vergleich zum Vorjahr habe der Anteil zertifizierter Ökostromtarife um zehn Prozent abgenommen. „Damit tragen 40 Prozent der Ökostromangebote gar kein Gütesiegel, nicht einmal ein klassisches TÜV-Gütesiegel“, sagt Polarstern-Geschäftsführer Florian Henle.

Die strengeren und im Ökostrommarkt als am stärksten eingestuften Gütesiegel, das Grüner Strom Label und das ok-power-Siegel, tragen laut Polarstern lediglich 13 Prozent aller Ökostromangebote. Damit sei ihr Anteil verglichen zum Vorjahr relativ stabil geblieben. „20 Jahre nach der Liberalisierung des Strommarktes und den ersten bundesweiten Ökostromangeboten ist leider kein echter Trend zu mehr qualitativ hochwertigen Ökostromangeboten erkennbar“, sagt Henle. Zwar steige die Zahl an grünen Stromtarifen, doch das Wachstum gehe an der Qualität vorbei. „Der Markt wächst an der falschen Stelle.“

Umkämpfter Energiemarkt: Was machen Stadtwerke und Regionalversorger?

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte Kommentar einfügen!
Bitte geben Sie Ihren Namen hier ein