Öko-Institut beantwortet Fragen zur Elektromobilität

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Karosserie eines Elektroautos mit Blick auf den Akku mit Elektrotankstelle
Quelle: Fotolia/Patrick P. Palej

Da die Rohstoffversorgung der Elektromobilität von Politik, Öffentlichkeit und Industrie kontrovers diskutiert wird, hat das Öko-Institut die drei dringlichsten Fragen zum Thema beantwortet. Zudem gibt das Öko-Institut Empfehlungen, wie noch bestehende Probleme mit der Rohstoffversorgung verbessern lassen. Dabei steht insbesondere das Recycling im Fokus.

1. „Kobalt, Lithium & Co. – führt die steigende Anzahl von Elektrofahrzeugen zu Engpässen bei diesen oder anderen Rohstoffen?“

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Die Rohstoffe Lithium, Kobalt, Nickel, Grafit und Platin sind für ein schnelles weltweites Wachstum der Elektromobilität ausreichend vorhanden. Zwar wird nach Berechnungen des Öko-Instituts der Bedarf an Lithium für die Elektromobilität im Jahr 2030 die heutige Minenproduktion um gut das Vierfache übertreffen. Die weltweiten Vorkommen für Lithium und die weiteren Rohstoffe übersteigen jedoch den prognostizierten Bedarf jeweils deutlich. Allerdings könnte es zeitweise zu Verknappungen, vor allem bei Lithium und Kobalt, kommen. Diese sind jedoch als vorrübergehend anzusehen und beeinträchtigen nicht langfristig die globale Marktentwicklung der Elektromobilität.

Gegen temporäre Verknappungen empfiehlt das Öko-Institut ein konsequentes und effizientes Recycling. Dafür sollte die EU-Batterierichtlinie speziell für Antriebsbatterien der Elektromobilität weiterentwickelt und darin rohstoffspezifische Recyclingraten für Lithium, Kobalt, Nickel und Grafit festgeschrieben werden. Zusätzlich sollte ein weltweites Rücknahme- und Recyclingsystem für Lithium-Ionen-Batterien aufgebaut werden. Eine Forschungsoffensive zu Batterietechnologien sollte sich darauf konzentrieren, weniger und andere Materialien in Batterien zu nutzen, um so besonders kritische Rohstoffe mittelfristig zu ersetzen (Substitution).

2. „Werden die Preise für die Rohstoffe zur Produktion von Batterien für Elektrofahrzeuge explodieren?“

Bildquelle: Stockfotos-MG-Fotolia

Weitere Preissteigerungen für einzelne Rohstoffe – insbesondere für Lithium und Kobalt – seien nicht auszuschließen. Doch nach Ansicht des Öko-Instituts werden steigende Rohstoffpreise die Entwicklung der Elektromobilität insgesamt nicht ausbremsen.

Nach Ansicht des Öko-Instituts muss die Batterietechnologie aus Kostengesichtspunkten weiter optimiert werden. So werde bei der nächsten Generation Nickel-Mangan-Kobalt-Zellen bereits der Gehalt des relativ teuren Kobalts reduziert sein. Auch zeige das Beispiel Seltene Erden, dass extremen Preissteigerungen auf verschiedenen Ebenen entgegengewirkt werden kann. Dazu bedürfe es technologischer Innovationen ebenso wie den Eintritt neuer Förderländer in den Markt und eine möglichst breite Streuung von rohstofffördernden Unternehmen. Auch der Ausbau der Recyclingstrukturen senke den Bedarf an Primärrohstoffen und wirkt preisdämpfend.

3. „Führt die Förderung zusätzlich benötigter Rohstoffe zu negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt?“

Quelle: Fotolia/Bastian Linder

Die Förderung von Rohstoffen für die Elektromobilität sei – wie die Förderung vieler anderer Rohstoffe für andere Verwendungszwecke auch – mit Umwelt- und Sozialproblemen verbunden. Dazu gehören dem Öko-Institut zufolge insbesondere ein oft sehr hoher Energiebedarf, das Entstehen saurer Grubenwässer, Wasserkonflikte zwischen Bergbauunternehmen und indigenen Völkern sowie nicht vertretbare Arbeitsbedingungen in Minen. Besonders problematisch sei zurzeit die Kobaltförderung im Kleinbergbau in der Demokratischen Republik Kongo einzuschätzen.

Das Öko-Institut fordert, die Umwelt- und Sozialbedingungen bei der Förderung von Rohstoffen für die Elektromobilität zu verbessern. Dazu gehöre eine (globale) Industrieallianz für nachhaltiges Lithium ebenso wie verpflichtende unternehmerische Sorgfaltspflichten (Due Dilligence) für Kobalt. Auch die Stärkung der internationalen Kooperation zum nachhaltigen Bergbau könne dazu beitragen, die langfristige Rohstoffversorgung zu sichern. Nicht zuletzt könne das umfassende Recycling Umwelt- und Sozialprobleme über die gesamte Wertschöpfungskette von Lithium-Ionen-Batterien vermindern.

Weitergehende Informationen finden sich in dem Synthesepapier „Strategien für die nachhaltige Rohstoffversorgung der Elektromobilität“ sowie in dem Elektromobilität-Faktencheck.

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