Der Windanlagenbauer Nordex braucht Durchhaltevermögen. Bei der Vorlage des Jahresabschlusses 2017 stellte Konzernchef José Luis Blanco seinen Aktionären erst für 2020 Besserung in Aussicht. Wesentlich dafür sei eine Erholung des wichtigen deutschen Marktes, erklärte Nordex-Chef.

Aufträge für Bürgerwindparks, auf die fast das gesamte Volumen der letztjährigen Auktionen entfallen ist, erwartet der Konzern aufgrund der viereinhalbjährigen Realisierungsfrist erst deutlich in der Zukunft. 2018 werde ein „Übergangsjahr“ bleiben. Wegen des harten Preiskampfes werde erneut deutlich weniger Umsatz und Profitabilität erwartet. Ein Verlust sei ebenso möglich.

Paradigmenwechsel in der Förderung auch bei WEA-Herstellern deutlich spürbar

Die Windmärkte haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Wesentlicher Grund hierfür ist der Wechsel in den Fördermodellen: Wurden früher für die Windstromproduktion feste Einspeisetarife gewährt, müssen sich Betreiber nunmehr in Auktionen durchsetzen – eine Entwicklung, die keineswegs auf den deutschen Markt begrenzt ist. Jüngst hat auch Frankreich als einer der letzten großen Windmärkte den Fördermechanismus angepasst. Der Wechsel auf das wettbewerbliche Verfahren hat zugleich die Preise nach unten gedrückt mit der Konsequenz, dass der Wettbewerb unter den Herstellern zugenommen hat.

Der intensive Wettbewerb, ausgelöst maßgeblich durch den Systemwechsel von Einspeisetarifen hin zu Auktionsmärkten, hinterlässt Spuren.

Auch bei Nordex spiegelt sich diese Entwicklung wider. Das Konzernergebnis 2017 lag bei 0,3 Mio. € und damit nur knapp in der Gewinnzone. Im Vorjahr erzielte das Unternehmen ein Nettoergebnis von gut 95 Mio. €. Der Umsatz lag bei 3,08 Mrd. € und um 9,3 Prozent unter dem Vorjahreswert von 3,40 Mrd. €. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verringerte sich um 15,2 Prozent auf 242 Mio. €.

EBIT geht im Vergleich zum Vorjahr um drei Viertel zurück

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) lag im Berichtszeitraum bei 43,4 Mio. €, was einem Rückgang um 74,3 Prozent gegenüber dem Vorjahres-EBIT von 168,6 Mio. € entspricht. Nordex führt hier Einmalaufwendungen für das Kostensenkungsprogramm „45 by 18“ an, wobei sich die Abschreibungen aus der Kaufpreisallokation mit 61,0 Mio. € ergebnismindernd ausgewirkt haben.

Der Konzern geht davon aus, dass der rückläufige Trend sich zunächst auch in 2018 fortsetzen wird. So wird mit einem weiteren Rückgang des Umsatzes von rund 3,1 Mrd. € auf 2,4 bis 2,6 Mrd. € gerechnet. Für das deutsche Geschäft erwartet Nordex einen Umsatzrückgang von rund 600 Mio. €. Die operative Marge (Ebitda) des Konzerns dürfte von bereinigt derzeit 7,9 Prozent auf 4 bis 5 Prozent zurückgehen. Geplante Investitionen in Höhe von etwa 110 Mio. € sollen vor allem auf die Weiterentwicklung des Produktportfolios abzielen und dabei auf die nachhaltige Senkung der Stromgestehungskosten.

Nordex errichtet 2017 mehr als 900 Turbinen mit 2,7 GW Leistung

Im Jahr 2017 installierte die Nordex Group 932 Turbinen mit einer Leistung von 2,7 GW in 17 Ländern. Das Segment Service entwickelte sich mit einem Umsatzanstieg von 14 Prozent auf 310,8 Mio. € positiv und trug über zehn Prozent zum Gesamtumsatz bei. Insgesamt betreute Nordex zum Jahresende 6.858 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 16,4 GW über langjährige Serviceverträge.

Nordex akquirierte 2017 im Segment Projekte Neuaufträge in Höhe von 2,2 Mrd. € und lag damit 33 Prozent unter dem Vorjahreswert von 3,3 Mrd. €. Rund 90 Prozent der Aufträge kamen aus den internationalen Märkten. Zum Jahresende lag der Auftragsbestand des Konzerns insgesamt bei 3,7 Mrd. €, wovon 1,7 Mrd. € auf das Turbinengeschäft und 2,0 Mrd. € auf den Service entfielen.

COE-optimiertes Produktportfolio Schlüssel zum Erfolg

Im laufenden Jahr 2018 verspricht sich das Unternehmen durch die im Sommer 2017 eingeführten neuen Produkte Rückenwind für den Auftragseingang. Der Schlüssel zum Erfolg in Auktionsverfahren – und damit beim Ausbau des eigenen Marktanteils – liege darin, das Angebot mit den niedrigsten Stromgestehungskosten (COE) und dem besten After-sales-Service machen zu können. Nordex strebt bis Ende 2018 eine Senkung der Stromgestehungskosten um weitere 6 Prozent an. Dadurch ergebe sich seit 2015 eine Senkung um insgesamt 18 Prozent. Zusätzliche technische Verbesserungen im Produktportfolio der Gesellschaft seien dabei ein wesentlicher Treiber.

4-MW-Plattform Delta4000 als “aktuelles Spitzenprodukt”

Als aktuelles „Spitzenprodukt“ bezeichnet Blanco die neue 4-MW-Plattform Delta4000, die von Beginn an auf niedrige „Cost of Energy“ ausgelegt sei und bereits global vermarktet werde. Das gleiche gelte für die neuen Plattformen AW 132/3300 und AW 140/3300, die mit die höchsten Kapazitätsfaktoren im Markt aufwiesen.

Perspektivisch will sich Nordex unabhängiger vom deutschen Markt machen. Hierzu soll die weltweite Präsenz ausgebaut und der Umsatz in Wachstumsmärkten gesteigert. Ein hohes Potenzial sieht das Nordex-Management in Brasilien und Indien. Zudem soll das Servicegeschäft, das bislang nur geringfügig zu den Erlösen beiträgt, angekurbelt werden. Zugleich sollen die Kosten sinken, das laufende Sparprogramm soll den Planungen zufolge ab diesem Jahr 45 Mio. € an Kosten einsparen.

(Quelle für Beitragsbild: Ove Arscholl / Nordex)

Lesen Sie hier, welche Rahmenbedingungen für die Onshore-Wind-Ausschreibungsrunde im Mai 2018 gelten:

BNetzA startet 2. Onshore-Ausschreibung

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte Kommentar einfügen!
Bitte geben Sie Ihren Namen hier ein