Nordex-Bilanz: Anzeichen für Stabilisierung?

110

Nach Vorlage der Halbjahreszahlen des Windanlagenherstellers Nordex war die Erleichterung zunächst groß und Anleger feierten die Zahlen. Im Februar hatte der Konzern die Anleger noch mit einer Gewinnwarnung geschockt.

Dennoch ist die Bilanz von Nordex kritisch zu betrachten. Der Konzern verdiente im Vergleich zum Vorjahr weniger, Auftragseingang und Ebitda-Marge sanken, der Umsatz stieg nur minimal. Analysten bezweifeln, dass das die Trendwende sein könnte. Im zweiten Halbjahr müssten mehr denn je die Auftragseingänge im Fokus stehen. Diese müssten deutlich schneller und stärker zunehmen, so die Einschätzung verschiedener Analysten.

Insgesamt hat der Windturbinenbauer Nordex mit seiner Halbjahresbilanz positiv überrascht. Analysten hatten weniger erwartet. Der operative Gewinn (Ebitda) sank demnach im ersten Halbjahr zwar um 14 Prozent auf 117,5 Mio. €. Experten hatten jedoch mit einem noch niedrigeren Wert gerechnet. „Nach einem verhaltenen Start in das Jahr 2017 hat unser Geschäft im zweiten Quartal wieder Fahrt aufgenommen“, schrieb Nordex-Chef José Luis Blanco in einem Aktionärsbrief.

Umsatz steigt leicht auf 1,5 Mrd. €

Der Umsatz der Hamburger stieg zwar um 1,2 Prozent an – auf rund 1,5 Mrd. €. Gleichzeitig brach das Volumen an neuen Aufträgen aber um 32 Prozent ein. Zum Halbjahr hat Nordex nur noch neue Projekte im Wert von 905 Mio. € verbuchen können. Insbesondere der Auftragseingang im margenträchtigen Service-Bereich sackte um fast 60 Prozent ab. Konnte Nordex im ersten Halbjahr 2016 noch neue Serviceaufträge im Umfang von 239 Mio. € verbuchen, waren es im Zeitraum von Januar bis Ende Juni nur noch 98 Mio. €.

Trotz überraschender Ebitda-, Umsatz- und Auftragszahlen brach der Nettogewinn um 55,7 Prozent auf 22,6 Mio. € ein. Das ist ein Minus von 55,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In idiesem Zusammenhang kündigte Blanco an, die Kosten zu senken. Die Gefahr eines Stellenabbaus sei gegeben. Man sei bereits mit Arbeitnehmervertretern in Verhandlungen, sagte der seit Februar amtierende Chef.

Prognose für Gesamtjahr 2017 bestätigt

Trotz des gemischten Halbjahresberichts erwartet Nordex-Chef José Luis Blanco, „dass die Nachfrage für unsere Anlagen im zweiten Halbjahr weiter steigt und wir ein gutes Jahresendgeschäft verzeichnen werden“. Er bestätigte die Prognose seines Konzerns. So soll der Umsatz für das Gesamtjahr 2017 in einer Bandbreite von 3,1 bis 3,3 Mio. € liegen und die Gewinnspanne vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) bei bis zu 8,2 Prozent.

Die Vorstellung eines neuen Produkts mit geringeren Stromgestehungskosten werten Analysten als positives Signal. Das Produkt solle im Spätsommer offiziell vorgestellt werden und befände sich “auf Augenhöhe mit den führenden Anbietern”, so Blanco. Die Serienproduktion beginne im Jahr 2019. Der Artikel sei schon von einigen Kunden in die Planung aufgenommen worden.

Das Geschäftsumfeld des Konzerns bleibt weiter schwierig. Der chinesische Staat subventioniert heimische Firmen, was auf die Preise drückt. Der große US-Markt unter Präsident Donald Trump bleibt unsicher.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte Kommentar einfügen!
Bitte geben Sie Ihren Namen hier ein