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7 Thesen von Frank Zeeb (Alliander) zum digitalen Leadership in der Energiewirtschaft

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf die Berufswelt der Energiewirtschaft und was bedeutet sie für Führungskräfte? Heißt das, wir müssen anders führen? Frank Zeeb, der Vorstandsvorsitzende der Alliander AG, einem Serviceanbieter für das Management und die Steuerung dezentraler Energie-Infrastrukturen, hat sieben Thesen zum Digitalen Leadership in der Energiewirtschaft aufgestellt. Seiner Ansicht nach ist kein Trend so prägend und einschneidend wie die Digitalisierung.

1. Es braucht einen ganzheitlichen digitalen Wandel in Unternehmen – das hat weniger mit Technologie zu tun, als viel mehr mit Menschen

In der Energiebranche ist die Digitalisierung sogar gesetzlich vorgeschrieben, mit dem ‚Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende’. Und das hat gute Gründe. Die Energiewende soll schneller vorankommen und kosteneffizienter werden. Ob Versorger oder Netzbetreiber – alle müssen umdenken, um in der zukünftig immer digitaler werdenden Energiewelt mithalten und mitmischen zu können. Zunächst sollten wir versuchen genau zu verstehen, was die einzelnen Akteure der Energiebranche brauchen und in welche Richtung sie sich entwickeln. Das löst eine Kaskade an Neuerungen in der Branche aus.

Digitale und smarte Zähler, digitaler und automatisierter Energiehandel auch über Blockchain, smarte, digitalisierte und mit Sensoren ausgestattete Energienetze, digitale Speicher, Clouds für Energiespeicher und vieles mehr erobern gerade die Energiewirtschaft. Wir können gar nicht anders als uns hier um 180 Grad zu drehen und unsere traditionellen und analogen Geschäftsmodelle und Prozesse völlig neu zu denken. Diese Transformation braucht Führungskräfte, die beide Welten – die alte und die neue Energiewelt – verstehen.

Sie braucht eine Art Übersetzer oder Mediator, der die neuen Lösungen und Ideen der Start-ups und Acelleratoren sowie die Bedürfnisse der Kommunen und Stadtwerke zusammenbringen kann. Hier sind Menschen gefragt, die Erfahrung mit Visionen koppeln und ihre Mitarbeiter dazu befähigen können, die Richtung der Energiewirtschaft mitzugestalten.

2. Culture first – starre Hierarchien, Herrschaftswissen und Command-and-Control sind überholt

Bisher war unser Verständnis von organisierter Arbeit vor allem geprägt durch Hierarchien, zeitlich und räumliche fixierten Kooperationen, die Steuerung über finanzielle Kennzahlen, und die Organisation als quasi ‘heilige’ Einheit. Und ganz nach internationalem Ruf hat die deutsche Qualität und Perfektion der Produkte eine oberste Priorität für Unternehmen. Hohe Investitionen in Technik und Ingenieurwesen sind üblich.

Durch Deutschlands gute wirtschaftliche Lage hat es in der Vergangenheit keine Notwendigkeit gegeben, ein Umdenken zu fördern. Im Zeitalter der Digitalisierung wird die Orientierung an diesen Prinzipien aber aufgebrochen. Volatilität, Komplexität und auch immer mehr Unsicherheiten bestimmen die heutige und zukünftige digitale Arbeitswelt. Da sind starre Hierarchien, Herrschaftswissen und allzu strenge Befehls- und Kontrollvorschriften hinderlich für den Erfolg.

Nicht Fehlervermeidung, sondern Ausprobieren sollten ein wichtiges Credo darstellen

Hier sehe ich die Herausforderungen, die wir als Leader angehen müssen vor allem darin, wie wir vom ‘Ich’ zum ‘Wir’ kommen; weg von der „Vorgabe“ hin zur „Eigenverantwortung“, von der „Kontrolle“ zum „Vertrauen“, von der „Motivierung“ zur „Förderung der Motivation“.  Wir müssen Menschen innerhalb von Organisationen gut vernetzen und den Austausch zwischen Mitarbeitern aller Unternehmensebenen fördern. Neben der Implementierung von digitalen Kommunikationslösungen, helfen flache Hierarchien und Teamgeist dabei, die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft gemeinsam zu bewältigen.

Es geht darum, nicht auf Sicherheit und Altbewährtes zu setzen, sondern auch mal ein Risiko einzugehen. Damit einhergehend sollte nicht Fehlervermeidung, sondern Ausprobieren ein wichtiges Credo darstellen. Binnenorientierung sollte zugunsten von Außenorientierung aufgegeben werden. Was heißt das für unsere Unternehmen? Als Leader im digitalen Zeitalter liegen die Herausforderungen, die wir zu bewältigen haben, weniger im Management neuer Technologien als vielmehr im Umgang mit Menschen. Ein Kulturwandel in den Unternehmen ist grundlegend für die Digitalisierung.

3. Unternehmen müssen sich öffnen – neue Formen der Zusammenarbeit intern wie extern sind notwendig

Manchmal bedeutet es auch, dass Unternehmen völlig neu ausgerichtet werden müssen, so wie wir es als Alliander in Heinsberg getan haben. Als neu entflochtener Netzbetreiber haben wir unsere Kunden und ihre Bedürfnisse völlig neu entdeckt. Wir haben uns genau angeschaut, was für sie wichtig ist und in Zukunft wichtiger wird. Auf dieser Basis haben wir unsere Strategie, aber auch unser Produktportfolio weiterentwickelt und bieten seitdem verstärkt individuelle, digitale Systemdienstleistungen für kommunale Partner an. Leadership in Zeiten der Digitalisierung für Alliander heißt, gemeinsam mit den Kunden oder Partnern neue Lösungen für zukunftsfähige und effiziente Kommunen zu entwickeln.

Unternehmen müssen auch in die Kunden investieren

Einerseits müssen Unternehmen in die Rekrutierung von Partnern und gut ausgebildeten Mitarbeitern investieren, aber andererseits auch in die Kunden, denen sie finanziell mitunter etwas entgegenkommen sollten. Das Resultat dieses “Bottom-Up”-Ansatzes sind zufriedene Kunden und ein zukunftsfähiges Unternehmen.

Bei Alliander gehört die so genannte Bottom-Up-Philosophie quasi zur DNA. Wir tätigen Investitionen in digitale Lösungen nur dann, wenn sie mit den Zielen der lokalen Energiewende übereinstimmen. Wir entwickeln und investieren in Plattformen für die Vernetzung und den Dialog von Menschen, Bürgern und Unternehmen. Unser Smart City-Ansatz ist hauptsächlich aus einer gesellschaftlichen Komponente herausgetrieben, in der der Mensch im Mittelpunkt steht. Darüber hinaus sind wir offen für neue Lösungen und unterstützen Start-ups mit neuen Ideen und Geschäftsmodellen, z.B. als Unterstützer des A2 Accelerators in Berlin Adlershof.

4. In einer digitalisierten Welt gewinnt nicht der, der produziert, sondern der, der verbindet

Bei aller Digitalisierung dürfen wir aber das große Ganze nicht aus dem Blick verlieren. Denn die neue Welt fordert andere Kompetenzen und Denkmuster von uns. In der Energiewirtschaft gewinnt z.B. zukünftig nicht mehr der, der produziert, sondern der, der verbindet. Die neuen Geschäftsmodelle liegen im Bereich der Infrastruktur – sogenannte Plattformen. Sie basieren auf Technologien, die kommunizieren, integrieren und in Echtzeit eigenständig Prozesse steuern.

Doch leider finden wir in Deutschland mit Blick auf die Digitalisierung eine widersprüchliche Einstellung vor: Die gute wirtschaftliche Lage – wir sind Exportweltmeister – und volle Auftragsbücher sowie hohe Gehälter lassen uns verharren. Genau hier müssen wir ansetzen und Menschen in Führungspositionen holen, die alte Muster aufbrechen und Unternehmen in das Zeitalter der Digitalisierung segeln können, ohne dabei in Gefahr zu raten, zu kentern.

5. „Operation am offenen Herzen“: Leadership heißt, neue Komplexitäten in das laufende System einbauen zu können

Bei der fortlaufenden Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen im Unternehmen sind Führungskräfte gefragt, die sich nicht nur als Manager, sondern als Leader verstehen. Für Letzteres reicht es nicht aus, sich ausschließlich mit den Prozessen des Unternehmens zu befassen, nur zu organisieren oder verwalten. Leader denken weiter, sind Visionäre. In Sachen Digitalisierung müssen wir genau das sein. Wenn wir uns diesem Trend verwehren, sind wir mit Sicherheit nicht mehr lange im Geschäft.

Natürlich soll nicht jeder ein Mark Zuckerberg oder ein Elon Musk werden. Aber, wenn drei – aus meiner Sicht – wichtige Punkte berücksichtigt werden, ist schon viel gewonnen: (i) als Führungskraft im Kopf und im Handeln offen für neue Lösungen, Herangehensweisen und Partnerschaften zu sein, (ii) digitale Vordenker und Digital Natives ins Unternehmen zu holen, (iii) dort ein Forum zu bieten und so auch alle anderen Mitarbeiter in Sachen Digitalisierung zu fördern und mitzunehmen.

6. Führungskräfte haben andere Rollen: sie verbinden Technik und Mensch sowie die “alte“ und „neue” Unternehmenswelt

Digitales Leadership fängt für mich lange vor der technischen Umsetzung an. Was heißt das konkret? Zunächst muss man die Bedürfnisse und Herausforderungen seiner Kunden verstehen. Nehmen wir die Energiebranche: Bei den unzähligen Trends und Innovationen auf dem Markt ist es wichtig, zuallererst in einen Dialog mit unseren Kunden, den Kommunen und Stadtwerken, zu treten. Wir müssen vollständig verstehen, was sie brauchen, um sie dann entsprechend beraten zu können. Erst wenn Kundenorientierung und das digitale Mindset stimmen, was für mich eng verknüpft ist, können wir anfangen, Produkte zu entwickeln, digitale Tools und Lösungen, die ihnen einen wirklichen Mehrwert bieten. Und dazu braucht man innovative und motivierte Mitarbeiter, die offen sind für neue Technologien.

Leider ist das mit dem Umschalten auf Digitalisierung aber nicht so einfach. Die Zeitschrift für kommunale Wirtschaft (ZfK) berichtete vor einigen Wochen über eine Umfrage der Unternehmensberatung BWA Akademie. Sie habe gezeigt: 89 Prozent der deutschen Führungskräfte seien der Digitalisierung nicht gewachsen. Sie gaben an, beim Thema Digitalisierung teilweise an ihre Grenzen zu stoßen oder völlig überfordert zu sein, während nur 11 Prozent sich auf der Höhe der Zeit fühlen. Diese Zahlen sind alarmierend. Und genau hier docken wir an, indem wir die Bedürfnisse der entsprechenden Stakeholder auf kommunaler und lokaler Ebene zunächst verstehen und dann passende sowie flexible Lösungen anbieten.

7. Kundenorientierung ist wichtiger als Ordnung

Die Zeiten, in denen der Vertriebler der einzige externe Kontakt zum Kunden ist, sind vorbei. Die Kommunikation mit und das Verständnis für die Bedürfnisse des Kunden müssen bei allen Mitarbeitern vorhanden sein. Wie kann das gelingen? Indem Unternehmen den schnellen und regelmäßigen Austausch zwischen Mitarbeitern ermöglichen, Hierarchien flach halten und Mitarbeiter motivieren, mitzudenken.

Nur mit einem proaktiven und gut vernetzten Team fühlt sich der Kunde verstanden und ist zufrieden. Je mehr man in die Digitalisierung des eigenen Unternehmens, Mitarbeiter und Kooperationen investiert, umso mehr profitiert auch der Kunde davon.

Mehrheit der Stadtwerke sieht die Digitalisierung inzwischen als Chance, nicht als Bedrohung

Quelle Beitragsbild: Alliander

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