Neuer führender Windenergie-Player firmiert als „Alterric“

Joint Venture von AWS und EWE an den Start gegangen

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Stefan Dohler (li), Vorstandsvorsitzenderder EWE AG, präsentiert gemeinsam mit Heiko Janssen (re), Vorstandsvorsitzender der Aloys Wobben Stiftung, die Marke Alterric. (Quelle: EWE/AWS)

Die Aloys Wobben Stiftung (AWS) und die EWE AG haben ihr Gemeinschaftsunternehmen für die Projektierung und den Betrieb von Onshore-Windenergieprojekten erfolgreich auf den Weg gebracht. Nach Zustimmung der Kartellbehörden trat am 26. März die im Dezember unterzeichnete Gesellschafter- und Investitionsvereinbarung in Kraft. AWS (Alleingesellschafterin des Auricher Windenergieanlagenherstellers Enercon) und EWE halten jeweils 50 Prozent der Anteile an der Alterric.

Ziel sei es, sich in den kommenden Jahren zu einem führenden Erzeuger von Grünstrom in Deutschland und Frankreich zu entwickeln, aber auch in weiteren Ländern der EU, um sich nicht komplett abhängig von der Politik in Deutschland zu machen, erklärte Heiko Janssen, Vorstandsvorsitzender der AWS heute im digitalen Pressegespräch. „Die Transformation des Energiesystems ist eine große Chance. Mit gebündelter Kraft wollen wir im Bereich Onshore Wind wachsen und uns darüber hinaus weitergehende Anwendungsmöglichkeiten für die Energiewende erschließen. Als starker innovativer Akteur im Erneuerbaren-Sektor werden wir einen ganzheitlichen Beitrag zu Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Schöpfungserhalt leisten“, so Janssen.

Investitionen von rund vier Mrd. € bis 2030 vorgesehen

Die Gesellschafter haben in ihr Joint Venture die Bestandswindparks und Onshore-Projekte von Enercon und EWE eingebracht. Alterric verfügt somit zum Start über mehr als 2.300 MW installierte Leistung im Bestand und eine Projektpipeline von mehr als 9.400 MW. Damit ist das Unternehmen Marktführer im Bereich Onshore Wind in Deutschland. Ziel sei es, mehr als 200 MW Zubau jährlich zu realisieren und den Bestand auf bis zu 5 GW in 2030 zu steigern. Bis zum Jahr 2030 seien Investitionen mit einem Gesamtvolumen von rund vier Mrd. € vorgesehen.

Sitz der Gesellschaft ist Aurich. Ein weiterer Hauptstandort ist Oldenburg. Alterric startet mit 200 Mitarbeitern (80 von EWE, 120 von Enercon). Ein weiterer rascher Ausbau sei vorgesehen, hieß es.

Restrukturierung von Enercon unabhängige Entscheidung

Neben der Erweiterung des eigenen Anlagenbestands in den Kernmärkten will Alterric auch Kundenprojekte entwickeln. Alterric agiert eigenständig und ist nicht in die Organisationsstrukturen der Muttergesellschaften eingebunden, betonte Janssen und erklärte, dass die Restrukturierung von Enercon eine unabhängige Entscheidung gewesen sei und nicht mit der Gründung des neuen Joint Ventures in Zusammenhang stehe. Das Joint Venture sei aus einer ganz anderen Idee heraus geboren. Etwa eine gewisse Größe zu bekommen, um in der Politik gehört zu werden, so Janssen.

Alterric verfolgt herstellerunabhängigen Ansatz

Für das Unternehmen wurde dementsprechend eine eigene Marke entwickelt, die sich bewusst vom Erscheinungsbild von AWS/Enercon und EWE unterscheidet. Bei der Realisierung seiner Projekte verfolgt Alterric einen herstellerunabhängigen Ansatz. Die gesamte Direktvermarktung werde zu Beginn Quadra Energy als Dienstleister managen. In Zukunft strebe das Joint Venture aber eine eigene Position in der Direktvermarktung an.

Die unternehmerische Führung liegt bei EWE, den Vorsitz des Aufsichtsrates stellt die Aloys Wobben Stiftung mit Heiko Janssen. In der jetzt beginnenden Startphase werden Jan-Knut Brune (Enercon) und Urban Keussen (EWE) übergangsweise als Geschäftsführer des Gemeinschaftsunternehmens fungieren. Ein weiterer Geschäftsführer werde noch gesucht, hieß es auf der digitalen Pressekonferenz.

„Hochhalten der Ausbau-Ziele allein bringt nichts“

Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der EWE, erklärte: „Dass mit AWS und EWE zwei Windenergie-Pioniere der ersten Stunde ein gemeinsames Unternehmen gründen, ist mehr als eine gute Idee oder eine sinnvolle unternehmerische Entscheidung: Es ist auch ein Signal des erneuten Aufbruchs und die Einladung an Politik und Gesellschaft, den Ausbau der Windenergie an Land in einem breiten Konsens aktiv zu stützen.“ Das EEG 2021 setze zwar gute erste Impulse – ein „Hochhalten der Ziele“ bringe aber nichts, so Dohler. „Wir brauchen konkrete Maßnahmen und ein Rahmenwerk.“ Dass es nach wie vor stockt mit dem Ausbau der Windenergie in Deutschland, liegt an einer Reihe von Hemmnissen. Dohler sprach etwa die lange Genehmigungsdauer von Projekten an, die schwierigen Verfahren beim Repowering, die unterschiedlichen Abstandsregelungen der einzelnen Bundesländer sowie den Umgang mit der Flugsicherung.     

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