Mieterstrom: Polarstern kooperiert mit Energiegenossenschaften

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Die Reaktionen auf die Verabschiedung des Mieterstromgesetzes hatten es bereits deutlich gemacht: Vertreter der Bürgerenergie sahen nicht wirklich große Fortschritte bei dem für die Teilhabe an der Energiewende wichtigen Thema. Akteure aus der Energiewirtschaft dagegen betonten dagegen genau diese Fortschritte – und die Potenziale, die das Mieterstromgesetz für die Entwicklung des bislang stockenden Marktsegments bietet. Der Energieversorger Polarstern will jetzt das eigene energiewirtschaftliche Know-how mit dem Gestaltungswillen von Energiegenossenschaften zusammenbringen.

In einem Neubau mit 25 Mietwohnungen in Kirchheim bei München realisiert Polarstern zusammen mit der Bürgerenergiegenossenschaft eG (BENG) ein Mieterstromprojekt. Die auf dem Dach befindliche PV-Anlage hat eine Leistung von 58 Kilowatt Peak und deckt damit rund 40 Prozent des Strombedarfs der Mieter. Jeder Mieter kann sich frei für die Teilnahme an der Mieterstromversorgung entscheiden und auch, ob er selbst Mitglied bei der Genossenschaft werden und sich über BENG an der Anlage sowie an weiteren Projekten beteiligen will.

Endkunden-Stromversorgung: “Das auch noch zu übernehmen wäre nicht effizient”

„Wir kennen uns als Energiegenossenschaft aus mit dem Bauen, Betreiben und Finanzieren von PV-Anlagen, und darin, Mitglieder zu motivieren, mitzumachen”, sagt Katharina Habersbrunner, stellvertretende Vorsitzende der BENG. Auch die mittels eigener Anlagen erzeugte Energie an Gemeinden zu verkaufen, sei für viele Energiegenossenschaften ein bekanntes Terrain. Anders sehe es mit der Endkunden-Stromversorgung aus, wie sie von klassischen Energieversorger angeboten wird. “Das auch noch zu übernehmen wäre nicht effizient. Der administrative Aufwand hierfür, die rechtsichere Abwicklung und der kontinuierliche Erwerb des dafür erforderlichen Wissens sind zu zeitintensiv.“

Mieterstromgesetz
Über einen Zuschlag von 2,11 bis 3,7 ct/kWh – abhängig von der Größe der Photovoltaikanlage – sollen solare Mieterstrommodelle wirtschaftlich attraktiver werden. Das regelt das Mieterstromgesetz, das der Bundestag noch vor der Sommerpause verabschiedet hat. Nach Kalkulationen des Bundeswirtschaftsministeriums heben die Vergütungssätze die Projektrenditen in vielen Mieterstromkostellationen auf ein Niveau von “mindestens 5 bis 7 Prozent pro Jahr”. Bei hohen Grundversorgungstarifen könnten die Renditen für Mieterstrom aber auch deutlich höher ausfallen.

Florian Henle, Geschäftsführer des Ökoenergieversorgers Polarstern hält Energiegenossenschaften dennoch für “prädestiniert für Mieterstrom“. Die Genossenschaften investierten in die Anlagentechnik und gleichzeitig könnten die Genossen als Mieter oftmals direkt mit dem erzeugten Strom beliefert werden. „Mieterstrom überzeugt mit seinem mehrfachen Nutzen für die Mitglieder und die Mieter und für das Ziel der Genossenschaften, eine dezentrale, bürgernahe und ökologische Energiegewinnung zu fördern.“

Mieterstrom: “Energiemarktdetails können schnell zum Fallstrick werden”

Durch die geplante Direktförderung im Rahmen des Mieterstromgesetzes könne Mieterstrom wirtschaftliche Hürden überspringen. Für Energiegenossenschaften könnte sich hier ein zukunftsweisenden Geschäftsfeld ergeben, zumal frühere Geschäftsmodelle wie der Betrieb großer PV-Freiflächenanlagen heute komplexer geworden sind.  Mit Blick auf das Thema Mieterstrom seien auch Kooperationen mit Wohnungsbaugenossenschaften immer attraktiver. Das sieht auch Habersbrunner so. „Wir sehen Mieterstrom als wichtiges Geschäftsfeld von Energiegenossenschaften mit dem Ziel, die dezentrale Stromversorgung zu fördern und hier besonders das Potenzial in den Städten zu nutzen.“

Für den Energieversorger und “Mieterstrom-Dienstleister” sieht Henle an dieser Schnittstelle eine wichtige Rolle. Durch die Kooperation mit Mieterstrom-Dienstleistern könnten Energiegenossenschaft weiter ihre Kompetenz beim Betrieb von Solarstromanlagen ausspielen und “gleichzeitig ihr Handlungs- und Geschäftsfeld um die Stromversorgung von Mietern erweitern“, sagt Henle.

Rechtlich, technisch und energiewirtschaftlich seien bei der Mieterstromversorgung spezielle Energiemarktdetails zu beachten, die für Energiegenossenschaften “schnell zum Fallstrick werden können”, heißt es bei Polarstern. Der drohende Wegfall von Privilegien bei der Gewerbesteuer im Fall der Stromversorgung von Mietern sei nur ein Beispiel dafür. 

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