Meereswärme versorgt Kälte- und Wärmenetz in Marseille

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Über ein Kälte- und Wärmenetz in Marseille, das mit Meereswärme versorgt wird, berichtet die Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland in einer aktuellen Mitteilung. Nach zweijähriger Bauzeit wurde bereits im Oktober 2016 die Kälteanlage Thassalia im Hafen von Marseille in Betrieb genommen, heißt es. Ziel sei eine Kälte-/Wärme-Anlage, die die Meereswärme zur Versorgung eines Kälte- und Wärmenetzes im Stadtteil Euroméditerranée nutzt.

Aus sieben m Tiefe wird das Meerwasser zur Versorgung von Platten-Wärmetauschern über sechs Pumpen mit einem Gesamtdurchfluss von 3.600 m³/h hochgepumpt. Durch zwei Rohre fließt 60°C warmes Süßwasser und durch zwei weitere 5°C kaltes Süßwasser in einem geschlossenen Kreislauf mit einer maximalen Durchlaufgeschwindigkeit von 2.280 m³/h für Kaltwasser und 1050 m³/h für Warmwasser. Bei ihrem Durchfluss durch die Anlage tauschen das Süß- und das Salzwasser Wärme aus, ohne sich zu vermischen. Über den Platten-Wärmetauscher wird dem Kaltwasser Wärme entzogen und an das Warmwasser abgegeben, wodurch das kalte Wasser noch kälter und das warme Wasser noch wärmer wird. Dank der Thermopumpen kommt es zu diesem Temperaturaustausch zwischen dem Kalt- und dem Warmwassernetz. Diese technische Lösung soll eine Durchströmung des Meereswassers in den Thermopumpen verhindern.

Regelmäßige Überwachung des Meereswassers

Die Temperatur des Meereswassers beträgt im Winter durchschnittlich 14°C und im Sommer 22°C, heißt es. Die wieder ins Meer zurückgeführte Temperatur liege nie über 30 Grad und der Temperaturunterschied zwischen dem eingespeisten Meerwasser und dem wieder zurückgeführten Wasser übersteige nie 5°C. Eine biologische Überwachung des Meereswassers werde regelmäßig durchgeführt. Für die Erzeugung von 19 MW Kälte und 19 MW Wärme werden 70 Prozent durch die Energie des Meereswassers, fünf Prozent durch Gas und 25 Prozent durch Stromversorgung abgedeckt.

Gesamtbudget von 35 Mio. €

Das Gesamtbudget des Projektes des Versorgers Engie beträgt den Angaben zufolge 35 Mio. € und stammt vor allem von Privatinvestoren. Die französische Agentur für Umweltschutz und Energie (Ademe), die Europäische Union (Programm Feder), die Region Provence-Alpes-Côte-d’Azur, das Departement Bouches-du-Rhône, die Stadt Marseille und der französische Staat unterstützen das Projekt finanziell in Höhe von sieben Mio. €. Bis 2019 werde eine weitere Thermopumpe installiert und das Süßwassernetz erweitert, um Wohnungen und Büros mit einer Fläche von 500.000 m² zu beheizen und zu klimatisieren.

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