Die Kosten der Energiewende könnten sich bis Ende der 2030er Jahre auf eine Billion Euro summieren. Fünf Jahre ist es her, dass der damalige Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) mit dieser Zahl die Gemüter erhitzte. Was sich genau hinter ihr verbirgt, wurde nie wirklich klar. Allerdings war sie geeignet, einer ohnehin aufgeheizten Debatte um die Finanzierung des Umbaus des Energiesystems zusätzliche Emotionalität zu verleihen.

Über die damaligen Motive Altmaiers wurde trefflich spekuliert, in jedem Fall wollte er wohl Werbung für das Konzept einer „Strompreisbremse“ machen, das er seinerzeit gemeinsam mit dem damaligen Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ausgebrütet hatte. Mühsam wehrte sich unter anderem die Erneuerbare-Energien-Branche und warf ein, dass es nicht zielführend sei, Investitionen aufzusummieren, ohne einen Vergleicht mit Alternativen vorzunehmen. Auch eine rein fossile Energieversorgung würde doch Investitionen erfordern – von den Folgekosten in Form von Umwelt- und Gesundheitsschäden ganz zu schweigen.

…allerdings wären auch ohne die Energiewende Investitionen in erheblichem Umfang erforderlich gewesen…

Nun hat die AfD im Bundestag eine Anfrage zu den Kosten der Energiewende gestellt. Und die Antwort der Bundesregierung, deren Mitglied Altmaier als geschäftsführender Finanzminister immer noch ist, überrascht dann schon einigermaßen. „Die Energiewende“, heißt es da, „transformiert und modernisiert die deutsche Energieversorgung grundlegend. Hierfür fließen Investitionen vor allem in den Ausbau der erneuerbaren Energien, die Steigerung der Energieeffizienz und den Ausbau der Stromnetze“, führt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf das Thema hin.

Soweit sind die Ausführungen unstrittig und lösen kein ausgeprägtes Erstaunen aus. „Allerdings wären auch ohne die Energiewende Investitionen in erheblichem Umfang erforderlich gewesen, z. B. für die Ertüchtigung von Netzen oder für den Neubau von Kraftwerken“, heißt es weiter. Und hier wird es interessant. Denn nun scheint es eben doch angesagt zu sein, Alternativen zu vergleichen. „Die Kosten der Energiewende lassen sich folglich nicht dadurch ermitteln, indem einzelne Kostenpositionen des heutigen Stromsystems bzw. des Strompreises (EEG-Umlage, Netzentgelte, etc.) summiert werden.“ (sic!) Eine gewisse Verwunderung lässt sich hier kaum mehr vermeiden. Ein solcher Summationsansatz werde im Übrigen „auch in der Wissenschaft kritisch gesehen“.

…einfaches Summieren von einzelnen Kostenpositionen erlaubt keine Bewertung der “Kosten der Energiewende”

Die „Kosten der Energiewende“, schreibt die Bundesregierung weiter – und man mag ihr nicht widersprechen – könnten „ausschließlich durch einen Vergleich zwischen einem Energiesystem mit Energiewende und einem Energiesystem ohne Energiewende ermittelt werden, d. h. indem die Frage gestellt wird, wie viel unsere Energieversorgung heute und in der Zukunft kosten würde, wenn es keine Energiewende gegeben hätte bzw. gäbe.“ Sofern sich aus einem solchen Vergleich Mehrkosten ergäben, müssten diese zudem noch mit den Folgekosten verglichen werden, die ohne Energiewende durch stärkere Umweltverschmutzung, Beeinträchtigungen der Gesundheit und langfristigen Folgen eines ungebremsten Klimawandels entstünden. „Nur so ist ein umfassender und damit belastbarer Kostenvergleich möglich und sinnvoll.“

Und was kostet sie nun, die Energiewende?

Was also kostet nun die Energiewende? Offenbar ist die Fragestellung auch heute noch so komplex, dass es keine einfachen Antworten gibt und schon gar nicht eine einsame Zahl: „Ein derart umfassender Kostenvergleich, der insbesondere auch die Vorteile einer sauberen Energieversorgung für Mensch und Natur genau erfasst, ist der Bundesregierung nicht bekannt.“

(Beitragsbild: M. Schuppich / stock.adobe.com)

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