In Deutschland messen sowohl Abnehmer als auch Erzeuger PPAs zukünftig einen hohen Stellenwert bei. PV- und Windenergieprojekte stünden bei PPAs im Zentrum der derzeitigen Entwicklung, betonte Tibor Fischer, Leiter Erneuerbare Energien und Innovationen in der Energiewende bei der Deutschen Energie-Agentur (dena), im Rahmen des Arbeitskreises „Zukunftsenergien“, zu dem das Forum für Zukunftsenergien in der vergangenen Woche eingeladen hatte. Während die Anwenderseite stark an einer Standardisierung der Verträge interessiert ist, sind die genutzten Finanzierungsmodelle in aktuellen Projekten sehr unterschiedlich. (Titelbild: Nokhoog – stock.adobe.com)

Im Rahmen der Veranstaltung wurden bestehende Hemmnisse bezüglich Standardisierung und Finanzierung aufgezeigt und durch die Politik zu setzende Rahmenbedingungen zur Beförderung des Markthochlaufs definiert. Fischer stellte die Marktoffensive Erneuerbare Energien vor, die in verschiedenen Handlungsfeldern an der Steigerung der Attraktivität von PPAs arbeitet. Als Hemmnisse für den Hochlauf würden mangelnde Erfahrung, Vertragskomplexität, fehlende Markttransparenz, Finanzierungsrisiken und Unsicherheiten in Bezug auf zukünftige Rahmensetzungen genannt, so Fischer. Für einzelne Abnehmergruppen seien PPAs schon heute profitabel, für andere machen Abgaben, Umlagen und Kompensationen den Grünstromdirektbezug wirtschaftlich uninteressant. Mittlerweile ist die Anzahl der Mitglieder an der Initiative, die den gesamten Markt repräsentiere, auf über 40 gestiegen.

Tibor Fischer im EUWID-Interview: „Attraktivere Rahmensetzung durch Politik, um PPA-Marktentwicklung aus Nische zu holen“

Haizmann: „In Deutschland bisher kein Raum für PPAs“

Deutschland stehe derzeit vor einer Entscheidung bezüglich der Zukunft von PPAs, erklärte Jan Haizmann, Vorsitzender des Rechtsausschusses bei EFET Deutschland – Verband Deutscher Energiehändler. Zunächst jedoch sei die Chance, beim Auslaufen der EEG-Förderung stärker auf PPAs zu setzen, „vertagt“ worden. Bisher gebe es in Deutschland aufgrund der EEG-Förderung keinen Raum für die Nutzung von PPAs, betonte Haizmann.

Eine Möglichkeit zur Standardisierung und somit zur Senkung der Risiken biete der EFET-Rahmenvertrag für PPAs. Mit dem EFET-Rahmenvertrag würde eine europaweite Standardisierung der Verträge angestrebt werden, wobei gleichzeitig bestehende regionale Unterschiede berücksichtigt würden. Um PPAs in Deutschland zu größerem Erfolg zu verhelfen, forderte Haizmann u.a. die EEG-Weiterförderung für Alt-Projekte abzuschaffen, die freie Handelbarkeit von Grünstromzertifikaten und steuerliche Anreize für PPAs.

Klinger: „PPAs sind maximal individuell“

Wie schwer in einer Projektstruktur auf Basis eines PPA der Interessenausgleich zwischen den Beteiligten zu erreichen sei, erläuterte Inka Klinger, Global Head of Infrastructure bei der Hamburg Commercial Bank AG. Aufgrund dieses Umstands sei die Finanzierung von PPAs in den verschiedenen Märkten sehr unterschiedlich ausgestaltet. PPAs seien maximal individuell, sagte Klinger. Die Efet-Initiative, die Haizmann vorgestellt hat, sei gut. Sie könne die Marktteilnehmer momentan aber noch überfordern, so ihre Einschätzung.

Bei Projekten mit Einspeisevergütung liege die Eigenkapitalquote zwischen 20 und 30 Prozent. Bei PPA-Projekten seien die Eigenkapitalanteile deutlich höher, denn auch die Risiken seien höher, so Klinger weiter. Bei Absicherungsstrategien durch PPAs müsse bedacht werden, dass Eigen- und Fremdkapitalgeber oftmals gegensätzliche Strukturen verlangten. Hierbei müsse eine Basis gefunden werden, um eine geeignete Finanzierungsstruktur aufzubauen. Klinker stellte klar, dass Banken u.a. möglichst langfristige PPAs anstrebten und dabei PPA-Kontrahenten mit gutem Rating und möglichst geringer ökonomischer Abhängigkeit von konjunkturellen Zyklen bevorzugten.

Carlstaedt: Müssen bei PPA-Handel europäisch denken

Die Sicht eines Abnehmers zum Aufbau eines Portfolios stellte Birgit Carlstaedt, Leiterin Energiebeschaffungs- und Risikomanagement & Prokuristin bei der DB Energie GmbH, vor. PPAs seien das zentrale Instrument für den Ausbau des EE-Anteils im Strom-Mix der DB. Das Portfolio umfasse derzeit 13 PPA-Abschlüsse mit ca. 15 TWh aus Solar-, Wasser- und Windenergie. Dabei umfassten die Abschlüsse Laufzeiten von einem bis 30 Jahren, mit unterschiedlicher Preisgestaltung. Es werde ein möglichst durchmischtes Portfolio angestrebt, um Marktrisiken zu senken, sagte Carstaedt.

Grundsätzlich zeige man sich flexibel in der Verteilung der Preis- und Volumenrisiken mit entsprechendem Preiseffekt. Dazu gebe es ein eigens entwickeltes Bewertungsmodell für PPAs. Auch Carlstaedt bestätigte, dass die derzeitige Ausgestaltung des EEG den Abschluss von PPAs behindere. Eine Standardisierung bei PPAs müsse an den Verträgen, Marktplätzen, Produkt-Typen und Grünstrom-Eigenschaften ansetzen. Eine Standardisierung würde bedeuten, dass es Marktplätze gibt. Laut Carlstaedt hat die DB Energie „hochgradig Interesse daran“. Carlstaedt weiter: „Zudem müssen wir europäisch denken, wenn wir über PPA-Handel reden wollen.“ Sie verwies auf die Thematik der Cross-Border-PPA, denen jedoch die Grünstrom-Eigenschaften oft in Abrede gestellt würden.

Wie wichtig eine Plattformstrategie gerade auch im Zusammenhang mit dem Durchbruch von PPAs ist, darauf weist Bernd Weidmann, Geschäftsführer der Online Plattform wind-turbine.com hin. Weidmann sieht eine B2B-Plattformwelle „unaufhaltsam auf uns zurollen“ und warnt: „Wer keine Strategie hat, verliert den Kundenzugang.“ Lesen Sie mehr im Bericht: B2B-Plattformen und Power Purchase Agreements – zwei Megatrends treffen aufeinander.

Panel-Diskussion:
Vertreter der SPD und Grünen plädieren für Nutzung von EEG und PPA

In der anschließenden Diskussion mit Timon Gremmels, MdB (SPD), Florian Toncar, MdB (FDP) und Julia Verlinden, MdB (Bündnis 90/Die Grünen) unter Leitung von Uwe Miroslau, Senior Manager bei PwC Germany, ging es um die Bedeutung von PPAs in der Marktintegration von erneuerbaren Energien.

Gremmels unterstrich, dass das EEG die Entlassung der Erneuerbaren-Energien-Anlagen in den Markt im Blick habe. PPAs könnten hierfür ein weiterer Baustein sein. Sie seien derzeit insbesondere für EEG-Altanlagen und für Großunternehmen interessant. Er machte deutlich, dass sowohl PPAs als auch das EEG benötigt würden, um die Ausbauziele der erneuerbaren Energien zu erreichen. Grundsätzlich sprach sich Gremmels dafür aus, PPAs zukünftig auch für kleinere und mittlere Unternehmen attraktiv zu gestalten. Kurz vor der Sommerpause habe sich die Bundesregierung dazu entschlossen, die Nutzung von Solar-PPAs zukünftig durch eine Kommunalabgabe zu fördern. Des Weiteren erwarte er durch die Einführung der EU-Taxonomie eine Steigerung der Attraktivität von PPAs. Zusätzlich müsse über die bestehende Chancenungerechtigkeit zwischen EEG und PPA geredet werden, so Gremmels.

FDP-Vertreter spricht sich für „System nach dem EEG“ aus

Jetzt über ein System nach dem EEG nachzudenken, lautete die Forderung von Florian Toncar. PPAs böten sich hierfür insbesondere an, da sie ein akzeptiertes Vorgehen ermöglichten und sowohl für den Betreiber als auch für den Abnehmer Vorteile bestünden. Eine Umstellung des Förderregimes sei möglich, da sich die Erneuerbaren wirtschaftlich gut entwickelt hätten und dies durch einen wirksamen Emissionshandel zusätzlich unterstützt werde. Zudem sei das EEG nicht die volkswirtschaftlich kostengünstigste Lösung. Toncar verwies darauf, dass die Politik natürlich die regulatorischen Hürden für PPAs abbauen müsse, die Standardisierung jedoch auch privatwirtschaftlicher Initiative bedürfe. Auch er plädierte dafür, PPAs für alle Unternehmensgrößen zu ermöglichen. In diesem Kontext forderte Toncar eine kartellrechtliche Überprüfung über den Zugang zu Strom aus erneuerbaren Energien.

EUWID Neue Energie hat das EEG 2021 umfassend analysiert. Teil X beschäftigt sich mit der Bedeutung von PPAs neben dem EEG

Einen wichtigen Beitrag von PPAs für den Ausbau der Erneuerbaren konstatierte auch Julia Verlinden. Allerdings warnte sie davor, die Debatte zu verkürzen. Es würden alle Formen der Finanzierung benötigt, um die höheren Ausbauziele umsetzen zu können. Verlinden forderte, Unternehmen mit großem Grünstrombedarf die Beteiligung an den EEG-Ausschreibungen zu ermöglichen – dies wäre eine Möglichkeit, um Industriestrompreise zu erhalten und hätte zudem Vorteile für die Anlagenbauer bzw. -betreiber. Im Rahmen der Debatte um die EU-Taxonomie forderte Verlinden ein eindeutiges Siegel für nachhaltiges Investment, welches nicht durch Atomkraft oder Erdgas verwässert werde; dies sei auch für die Finanzmärkte wichtig.

„Verlängerung der EEG-Förderung stellt staatliche Überförderung dar“

Haizmann mahnte im Rahmen der Diskussion, dass es politischer Weichenstellungen bedürfe, um den PPAs eine Chance zu geben. Derzeit seien die Voraussetzungen für die PPA Nutzung nicht gegeben, da das EEG eine Bremswirkung habe. Laut Haizmann stellt die Verlängerung der EEG-Förderung für Altanlagen eine staatliche Überförderung dar. Sollte sie nicht beendet werden, brauche es den PPA nicht. Die Politik könne es nicht „laufen lassen“ – wenn die Wahl zwischen Markt oder „sicherem EEG“ bestehe, werde niemand den Markt wählen. Gremmels konterte, dass PPAs nicht gegen das EEG ausgespielt würden. Beides müsse aufeinander abgestimmt werden.

Wichtig erschien Tibor Fischer im Rahmen der Diskussion auch, dass der grüne Strom an dem Unternehmen interessiert sind, aufgrund des Doppelvermarktungsverbots nicht als Grünstrom gilt. Zudem wollen sich Unternehmen gegen steigende Strompreise absichern. Daher sei es schwer, PPAs und das EEG direkt miteinander zu vergleichen. Es seien „zwei Welten“, die sich gegenseitig beeinflussten. Laut Fischer bieten PPAs die Möglichkeit, neben dem EEG die EE-Ziele eher zu erreichen. Sie sollten mit Blick auf die Finanzierung außerhalb der Umlage nicht auf Altanlagen reduziert werden. Diese Relevanz für Neuanlagen könne man bei den europäischen Nachbarn klar sehen, so Fischer. Die Frage sei, welche Marktsegmente/Technologien welches Instrument benötigten.

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