Was der jetzt vorliegende Koalitionsvertrag wert ist, entscheidet die SPD-Basis. Erst Anfang März wird klar sein, ob es sich bei dem Papier um einen Entwurf für den politischen Rahmen der kommenden vier Jahr handelt oder ob das Verhandelte zur reinen Makulatur wird. Gleichwohl zeigt das Papier, wie sich die beiden größten Fraktionen im Deutschen Bundestag die nächsten vier Jahre vorstellen können.

Was die im endgültigen Koalitionsvertrag enthaltenen Beschlüsse für Energiepolitik und Energiewende bedeuten könnten, ist Gegenstand des Titelbereichs der jetzt erschienenen Ausgabe 7/2018 von EUWID Neue Energie. Die Reaktionen aus der Energiebranche zeigen, dass die Kritik am Koalitionsvertrag deutlich schärfer ausfällt als das Echo, das vom zugrundeliegenden Sondierungspapier zurückgeworfen wurde. So richtig anfreunden mag sich kaum jemand mit den Ausführungen.

Koalitionsvertrag: Energiebranche sieht große Defizite beim Thema Sektorkopplung

Gerade mit Blick auf die Sektorkopplung überwiegt die Enttäuschung. Nach Einschätzung des BSW-Solar ist die von Union und SPD angestrebte stärkere Nutzung von Ökostrom im Mobilitäts- und Wärmesektor (Sektorkopplung) ohne konsequente Entlastung der klimafreundlichen Eigen- und Direktversorgung von Umlagen und Abgaben „kaum realisierbar“. Auch der BEE betont, dass es einer Reform des Steuern-, Abgaben-, Umlagen- und Entgeltsystems im Energiebereich bedürfe, damit Strom, Wärme und Mobilität zu einem gekoppelten Energiesystem zusammenwachsen können.

10 x Energiewende im Koalitionsvertrag
In unserem Dossier “10 x Energiepolitik im Koalitionsvertrag” haben wir den Koalitionsvertrag systematisch ausgewertet und die Reaktionen aus den Energiebranchenbereichen gegenübergestellt. Das Dossier befasst sich mit den Themen Erneuerbare Energien, Bioenergie, Netzausbau, Bürgerenergie, Energiespeicher, Sektorkopplung, KWK, Energieefizienz, Gebäudesanierung und Energieforschung.

Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) wertet den Mangel an erforderlicher Ambition für die Wärmewende als „herbe Enttäuschung“. Ein Dorn im Auge der Erneuerbare-Energien-Branche ist vor allem, dass auch fossil befeuerte Heizungsanlagen staatlich gefördert werden sollen. Der BEE als Branchendachverband sieht darin eine „Rolle rückwärts“. Die Entscheidung widerspreche nicht nur den Wahlprogrammen von Union und SPD, sondern etabliere Technologien auf lange Zeit „und ist klimapolitisch kontraproduktiv“.

Zukunft Erdgas: “Künftige Bundesregierung strebt Elektrifizierung aller Sektoren an”

Der Heizungsindustrieverband BDH hingegen verweist darauf, dass „alle verfügbaren Effizienztechnologien“ benötigt würden, um den Sanierungsstau aufzulösen. Hierzu zählten neben Wärmepumpen auch Brennstoffzellenheizungen, Biomassekessel, hybride Systeme „und auch die hocheffiziente Brennwerttechnik“.

Trotz der Verankerung der Förderfähigkeit fossiler Heizungssysteme zeigt sich aber auch die Gasbranche unzufrieden mit dem Kapitel Energie des Koalitionsvertrags. „Zwar steht Technologieoffenheit in der Präambel, die konkreten Vereinbarungen machen aber deutlich, dass die künftige Bundesregierung eine Elektrifizierung aller Sektoren anstrebt“, heißt es von Seiten der Initiative Zukunft Erdgas.

Eine Einordnung des Koalitionsvertrags aus energiepolitischer Perspektive lesen Sie hier. Den Aussagen der Koalition zum Thema Elektromobilität und Verkehrswende sind 5 Fragen und Antworten gewidmet.

Zumindest die Bioenergiebranche kann dem Vertragswerk positive Perspektiven abgewinnen. Dass die Bioenergie explizit im Koalitionsvertrag Erwähnung findet, hatte nicht jeder erwartet. Die Branche zeigt sich erfreut, dass der Beitrag der Bioenergie zur Sektorkopplung anerkannt wird.

Bioenergiebranche: Nachbesserung im Design der Ausschreibungen erforderlich

Es sei “folgerichtig und notwendig”, dass Union und SPD den Bestand an Bioenergieanlagen im Zuge der EEG-Ausschreibungen weiterentwickeln wollen, heißt es von Seiten des Bundesverbands Bioenergie und weiterer Branchenverbände. Hierfür würden Nachbesserungen am Design der Ausschreibung benötigt.

Der Biogasrat+ begrüßt es, dass im Verkehrsbereich, einem der Hauptemittenten klimaschädlicher Gase, die Treibhausgas-Minderungsquote weiterentwickelt und die Biokraftstoffförderung unter Einsatz von Rest- und Abfallstoffen sowie auf pflanzlicher Basis vorangetrieben werden soll.

Wohin mit dem Strom in der Post-EEG-Zeit?

Hierzulande sind für die Bioenergieanlagenbetreiber eher der laufende Betrieb und die Post-EEG-Zeit die drängenden Themen. Wie Energiedienstleister zunehmend Angebote für die Zeit nach dem Auslaufen der EEG-Förderung schnüren, lesen Sie hier. Und wie sich die Märkte für die Biomasseversorgung von Anlagenbetreiber und Aufbereiter entwickeln, darüber informieren Sie die EUWID-Marktberichte für NawaRo-Holz und Sägerestholz als Basis für die Pelletproduktion.

EUWID Neue Energie

EUWID Neue Energie 7/2018 ist am 14. Februar erschienen und umfasst 57 Berichte, Analysen, Interviews und zahlreiche Tabellen und Graphiken auf 28 Seiten. Kernfragen der redaktionellen Arbeit des Teams von EUWID Neue Energie sind:

  • Wie gelingt der Umbau der traditionellen Energiewirtschaft hin zu einem auf regenerativen Quellen basierenden Energiesystem der Zukunft?
  • Und wie können die Akteure am Markt den Umbauprozess für sich ökonomisch und gewinnbringend gestalten?

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Was Sie in EUWID Neue Energie 7/2018 lesen sollten:

Am Markt für NawaRo-Holz wird gerade “soviel Holz wie möglich” gemacht:

EUWID-Marktbericht für NawaRo-Holz: Regenreicher Winter führt zu Verknappung des Hackschnitzelangebots

Der Koalitionsvertrag in der Exegese: Was steht drin und was sagt die Branche?

10 x Energiepolitik im Koalitionsvertrag: Von Bioenergie bis Sektorkopplung

Die Post-EEG-Zeit rückt näher – und der Wettbewerb um den Prosumenten nimmt zu

Kampf um den Prosumer in der Post-EEG-Zeit: Zahl der Lösungen am Markt wächst

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