KIT will synthetische Kraftstoffe mit Partnern marktfähig machen

484
Symbolbild Biofuel reseach
Quelle: Fotolia/Dmytro Sukharevskyi

Die Markteinführung von synthetischen Kraftstoffen für den Flug- und Seeverkehr, die aus dem Treibhausgas CO2 und erneuerbarem Strom hergestellt werden sollen, wird in dem neuen Verbundprojekt „PowerFuel“ vorbereitet. Beteiligt sind daran das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das KIT-Spin-Off Ineratec sowie weitere Partner aus Wirtschaft und Forschung.

„Wir brauchen dringend CO2-freie Mobilität“, sagte Professor Roland Dittmeyer, Leiter des Instituts für Mikroverfahrenstechnik (IMVT) des KIT. In Deutschland stammt rund ein Fünftel der klimaschädlichen Emissionen aus dem Verkehr. Abhilfe schaffen könnten Elektroantriebe – sofern sie mit CO2-freiem Strom gespeist würden. Das Problem: In der Luftfahrt oder im Seeverkehr ist Elektromobilität nur bedingt tauglich.

Geplant ist nach Angaben des KIT die Gewinnung von CO2 aus der Umgebungsluft mit einer Direct-Air-Capture-Anlage der Firma Climeworks. Die Elektrolyse-Technologie, mit der durch Strom aus Wasser der benötigte Wasserstoff erzeugt wird, stammt von Siemens. Wasserstoff und CO2 werden dann am KIT in einer von Ineratec entwickelten Pilotanlage in Synthesegas umgewandelt. „Aus letzterem wird im Reaktor flüssiger Kraftstoff erzeugt“, sagt Ineratec-Geschäftsführer Tim Böltken.

Wirtschaftliche Herstellung des nahezu klimaneutralen Treibstoffes möglich

Durch dieses Power-to-Liquid-Verfahren lässt sich nach Angaben des KIT nahezu klimaneutraler Treibstoff wirtschaftlich herstellen. Die Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen unterliegt naturbedingten Schwankungen. Durch den Einsatz der kompakten chemischen Reaktoren von Ineratec direkt vor Ort soll auf diese Schwankungen optimal reagiert werden und Strom, der bisher ungenutzt blieb in flüssigen Kraftstoffen gespeichert werden.

„Zudem haben unsere synthetischen Kraftstoffe im Vergleich zu konventionellem Benzin, Diesel oder Kerosin sogar bessere Verbrennungseigenschaften“, sagt Böltken. Die Qualität der synthetischen Treibstoffe sowie der Einsatz in verschiedenen Verkehrssektoren werden vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Firma Aviation Fuel Projects Consulting untersucht und beurteilt. In der Pilotphase soll die Anlage 200 bis 300 Liter Kraftstoff am Tag produzieren.

Energiesystemanalysen des gesamten Anlagenverbunds werden durchgeführt

Parallel zum Betrieb des Anlagenverbunds führen Siemens, Bauhaus Luftfahrt und die TU Hamburg Energiesystemanalysen des gesamten Anlagenverbunds durch, die durch Simulationen basierend auf Strommarktmodellen unterstützt werden. Zusätzlich soll analysiert werden, wie der synthetisch erzeugte Kraftstoff in Verkehr gebracht werden kann.

Das Projekt wird vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert.

Lesen Sie dazu auch:

Energiedienst, Ineratec und Audi planen Power-to-Liquid-Anlage

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte Kommentar einfügen!
Bitte geben Sie Ihren Namen hier ein