KIT weiht Pilotanlage zur Produktion von synthetischem Benzin aus Stroh ein

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Bioliq-Anlage auf dem Gelände des KIT
Quelle: KIT

Eine Anlage zur Herstellung von Biokraftstoffen nach dem bioliq-Verfahren ist am Dienstag vergangener Woche in Eggenstein-Leopoldshafen vollständig in Betrieb gegangen. Damit läuft das Verfahren nach Angaben des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) erstmals über die gesamte Prozesskette. Das Pilotprojekt verwertet Reststoffe aus der Land- und Forstwirtschaft, etwa Stroh und Restholz, zu synthetischem Benzin. Eine Tonne Stroh produziere rund 100 Kilogramm Kraftstoff, der besonders motorenvertraglich sei, erklärte eine Sprecherin des KIT. Der Output beträgt rund eine Tonne Kraftstoff pro Tag.

Das Karlsruher bioliq-Verfahren ist speziell auf die Nutzung von relativ preisgünstiger, bisher weitgehend ungenutzter Restbiomasse ausgerichtet, die mehr Asche und Heteroatome als etwa rindenfreies Holz enthält und eine geringe Energiedichte aufweist. Aus der trockenen Biomasse sollen synthetische Kraftstoffe und chemische Grundprodukte hergestellt werden. Strom und Wärme dienen als Nebenprodukte zur Deckung des Prozessenergiebedarfs.

Um teure Transportwege einzusparen, kombiniert das Karlsruher Konzept die dezentrale Erzeugung des energiereichen bioliqSynCrude durch Schnellpyrolyse mit dessen zentraler Umwandlung zu Synthesegas und anschließender Veredlung im industriellen Maßstab zum gewünschten Endprodukt. Da die Energiedichte des bioliqSynCrude bezogen auf das Volumen von trockenem Stroh um mehr als eine Größenordnung höher ist, trägt die dezentrale Energieverdichtung zur Wirtschaftlichkeit des Verfahrens bei.

Nach der Inbetriebsetzung der kompletten Prozesskette geht das Projekt nun in eine Optimierungsphase, um die Schritte des Verfahrens und die daraus erhaltenen Produkte weiter zu verbessern. Das in der Pilotanlage hergestellte Benzin ist für Testzwecke bestimmt. Ein weiteres Ziel ist, neue Kraftstoffe und Kraftstoff-Komponenten zu entwickeln, die dabei helfen, die Energieeffizienz und die Emissionen heutiger und neuer Verbrennungsmotoren zu verbessern.

Das 64 Mio. € teure Projekt sei zur Hälfte durch Fördermittel finanziert worden. Das Bundesagrarministerium (BMEL) steuerte 27 Mio. € bei, das Forschungsministerium (MWK) von Baden-Württemberg und der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) jeweils eine Mio. €. Die Mittel des BMEL wurden über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), die Mittel des EFRE über das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft (MFW) Baden-Württemberg bereitgestellt. Von den verbleibenden Investitionskosten übernahmen das KIT und die Helmholtz-Gemeinschaft 24 Mio. € sowie die Industriepartner elf Mio. €.

Industriepartner sind für die Bauabschnitte I (Pyrolyse) und II (Gaserzeugung) die Firma Air Liquide Global E&C Solutions Germany GmbH, Frankfurt, für die Konditionier- und Lagereinrichtung des Biosyncrude die Firma MAT Mischanlagentechnik GmbH, Immenstadt-Seifen, für den Bauabschnitt IIIa (Heißgasreinigung) die Firma MUT Advanced Heating GmbH, Jena und für die Bauabschnitte IIIb+IV (Kraftstoffsynthese) die Firma Chemieanlagenbau Chemnitz GmbH. Die Industriepartner haben die bioliq-Pilotanlage projektiert, geliefert, montiert und in Betrieb genommen und werden sich auch an den weiteren Forschungs- und Entwicklungsarbeiten beteiligen.

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