“Keine positive Fortbestehensprognose”: Solarworld stellt Insolvenzantrag

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Das einstige deutsche Flaggschiff der Solarwirtschaft, die Bonner Solarworld AG, stellt einen Insolvenzantrag. Das gab der Konzern am frühen Abend bekannt.

Der Vorstand sei nach umfassender Prüfung heute zu der Überzeugung gelangt, dass im Zuge des aktuellen Geschäftsverlaufs und der weiter voranschreitenden Preisverwerfungen keine positive Fortbestehensprognose mehr besteht, die Gesellschaft damit überschuldet ist und somit eine Insolvenzantragspflicht besteht. Für die Tochtergesellschaften der Solarworld AG werde vor diesem Hintergrund die jeweilige Insolvenzantragspflicht geprüft.

Fortgesetztes Überangebot am Markt für Photovoltaikmodule

Das Unternehmen hatte zuletzt versucht, das Ruder durch eine Schärfung des strategischen Profils noch herumzureißen. Bereits im Geschäftsbericht für 2016 war aber von einer “sehr hohen” Risikolage die Rede. Als akutes Problem stellt der Bericht den Preisdruck am Markt in den Fokus, der sich durch den Wettbewerb und die Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen in den Kernmärkten verschärfen könne. „Schlechtere Förder- und Finanzierungskonditionen für den Kauf von Solaranlagen könnten zu Nachfragerückgängen führen. Maßnahmen gegen Dumping könnten gelockert oder umgangen werden. Aufgrund des aktuellen Überangebots im Solarmarkt schätzen wir die Eintrittswahrscheinlichkeit dieses Risikos als hoch ein“, heißt es im Konzernbericht weiter.

EU ProSun: “Schwerer Schlag für die deutsche und europäische Solarindustrie”

Die Industrie-Vereinigung EU ProSun spricht in einer Stellungnahme zur Solarworld-Insolvenz von einem “schweren Schlag für die deutsche und europäische Solarindustrie”. Verantwortlich für den Niedergang der deutschen Solarbranche sieht der Verband die Billiglieferungen von Solartechnik aus Fernost. Seit nunmehr fünf Jahren beklage man in der EU “massives Dumping” chinesischer Solarhersteller. Über 100 Insolvenzen und Werksschließungen mussten wir in der europäischen Solarindustrie seien seitdem verzeichnet worden.

Auch die 2013 eingeführten Antidumpingmaßnahmen seien lange Zeit nur halbherzig kontrolliert worden, so dass kontinuierlich weiterer Schaden für die heimische Industrie entstanden sei. Ursache seien massive Überkapazitäten in China und staatlich finanziertes Preisdumping. “Chinesische Staatsbanken haben inzwischen einen dreistelligen Milliardenbetrag in eine Produktionskapazität gesteckt, mit der das Land alleine den weltweiten Bedarf 1,3 mal decken kann. In einer Marktwirtschaft wäre das irrational, im kurzfristigen Interesse Chinas, Dominanz über eine der wichtigsten Schlüsselindustrien zu gewinnen, aber offensichtlich erfolgreich”, sagt Milan Nitzschke, Präsident von EU ProSun.

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