In Österreich stehen viele Biomassekraftwerke vor dem Aus

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Symbolbild Biomassekraftwerk
Quelle: Österreichischer Biomasse-Verband/Spitz

In Österreich stehen aufgrund fehlender rechtlicher Rahmenbedingungen viele Holzkraftwerke vor dem Aus. Deshalb haben sich der Österreichische Biomasse-Verband, der Österreichische Bauernbund und über 300 Unternehmen zusammengetan und eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet. In der sogenannten „Welser Erklärung zur Holzenergie“ werden die sechs wichtigsten Argumente für die Holzenergie dargestellt, teilte der Biomasse-Verband mit.

Die österreichischen Biomasse-KWK-Bestandsanlagen verfügten bis 2017 über eine Engpassleistung von rund 300 MW. Um die Klimaziele zu erreichen, sollte das mögliche Potenzial von bis zu 450 MW genutzt werden. Durch das sukzessive Auslaufen des Ökostrom-Förderregimes werden aber laufend Anlagen vom Netz genommen. Alleine 2019 werden Werke mit einer Engpassleistung von annähernd 140 MW vom Tarifende betroffen sein, so der Biomasse-Verband. Wenn das passiert, würde bis 2020 nur ein kleiner Rest der heutigen Anlagen übrigbleiben.

„Welser Erklärung“ nennt die sechs wichtigsten Argumente für Holzenergie

Ein in der Erklärung aufgeführtes Argument für die Holzenergie ist, dass Holzenergie die wichtigste erneuerbare Energiequelle in Österreich ist. Den Anteil der Holzenergie an den erneuerbaren Energiequellen beziffert der Biomasse-Verband unter Bezug auf Zahlen von Statistik Austria auf 45 Prozent. Als zweites Argument geht die Erklärung auf die Klimaschutzwirkung von Holzenergie ein, die fossile Brennstoffe ersetzt.

Energetische Holznutzung ist ein integrativer Teil der nachhaltigen Waldbewirtschaftung

In der Erklärung heißt es zudem, dass die Holzenergie in Österreich in die nachhaltige Wald- und Holzwirtschaft des Landes integriert ist. Auf der gleichen Waldfläche entstehen dem Verband zufolge Holzsortimente für alle Verwendungsbereiche – vom höchstwertigen Furnier- und Sägerundholz über Industrieholzsortimente bis zu den Scheitholz- und Hackgutmengen als Koppelprodukte. Bei der Nadelholzernte fallen dem Verband zufolge 20 Prozent Energieholz an, bei Laubholz seien es 70 Prozent. Auch bei der Holzverarbeitung in der Sägeindustrie fallen bei jedem Verarbeitungsschritt Nebenprodukte in Form von Rinde, Kappholz, Hackgut und Spänen an, die zu rund 30 Prozent der energetischen Nutzung zugeführt werden können.

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Mehr Arbeitsplätze und weniger Kaufkraftabfluss

Als ökonomisches Argument führt die Erklärung an, dass Holzenergie die Wirtschaft stärkt und Arbeitsplätze in der Region sichert. Als Beispiel wird die Region Hartberg angeführt. Würde sie zu 100 Prozent mit fossiler Energie versorgt, würden 15,1 Mio. € Kaufkraft abfließen, neun Arbeitsplätze würden gewährleistet und der CO2-Ausstoß liege bei 58.500 Tonnen. Würde die Region Hardenberg hingegen zu 100 Prozent mit Holzenergie versorgt, würden nur 1,6 Mio. Kaufkraft abfließen, 61 Arbeitsplätze könnten entstehen und der CO2-Ausstoß liege nur bei 1.600 Tonnen.

Holzvorrat in Österreichischen Wäldern ist stark gestiegen

Als fünftes Argument führt die Erklärung an, dass Holzenergie Versorgungssicherheit schafft. In Österreich hat die Waldfläche seit den 60er Jahren um 300.000 ha zugenommen, der Holzvorrat ist um 350 Mio. Vorratsfestmeter auf nunmehr ca. 1,1 Mrd. Vorratsfestmeter angestiegen. In der EU28 ist die Waldfläche in den letzten 25 Jahren durchschnittlich um 500.000 ha pro Jahr gewachsen und auch der Holzvorrat deutlich gestiegen. Eine aktive Waldbewirtschaftung mit nachhaltiger Holznutzung trägt dazu bei, dass der Wald gepflegt und stabiler gegen negative Umwelteinflüsse wird.

Holzenergie ist ein wesentlicher Bestandteil der Bioökonomie

Das sechste Argument ist, dass Holzenergie ein wesentlicher Bestandteil der Bioökonomie ist. Diese könne mit intensivierter Forschung und Entwicklung ganz neue Optionen der Rohstoffverwertung eröffnen. Als Beispiel nennt die Erklärung die Weiterentwicklung der Zellstoffindustrie zu Bioraffinerien, die neben der Cellulose auch zunehmend neue Produkte aus Hemicellulose, Lignin und Harzen erzeugen kann. Dabei würden auch neue gasförmige und flüssige Holzbrennstoffe entstehen. In der Bioökonomie hätten sowohl optimal gesteuerte Verbrennungsprozesse in Kleinanlagen Platz, als auch komplexe großindustrielle Anlagen mit vielfältigen Produktportfolios.

Noch in diesem Jahr stehen wichtige politische Entscheidungen an

2018 stehen in Österreich wichtige Entscheidungen der Bundesregierung für die Weiterentwicklung des Energiesystems an. Nach Ansicht des Biomasse-Verbands müssen das Ökostrom- und das Energieeffizienzgesetz überarbeitet werden. Bundesnachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) habe zudem ein neues „Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz“ für dieses Jahr angekündigt.

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Österreichs neue Energiestrategie: Fortschritte und Nachbesserungsbedarf

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