Der Plan für eine grüne Wasserstoffwirtschaft hört sich vielversprechend an: Aus erneuerbaren Energien wird speicherbares Gas erzeugt, das gegen die „Dunkelflaute“ helfen und zudem viele industrielle Prozesse dekarbonisieren kann. Und die Mengen, die nicht hierzulande hergestellt werden, können aus klimatisch bevorzugten Regionen importiert werden. Der Haken: Bis 2030 wird der gemäß der deutschen Wasserstoffstrategie erforderliche Bedarf nicht in relevantem Umfang aus Importen gedeckt werden können. (Quelle für Beitragsbild: Bildquelle: Thomas – stock.adobe.com)

EUWID Neue Energie 47.2021 widmet sich im Titelbereich zwei aktuellen Analysen zu den strategischen Rahmenbedingungen des Hochlaufs der Wasserstoffwirtschaft. Im Kern decken sich die Ergebnisse beider Papiere: Potenzielle Exportländer für grünen Wasserstoff können gar nicht so schnell liefern, wie dies erforderlich wäre.

Gleichzeitig lassen die Ausführungen in einem Kurzpapier des Bundeswirtschaftsministeriums zur Stromverbrauchsprognose im Jahr 2030 aufhorchen. Diese sieht zwar eine  Anhebung der früheren Bedarfsschätzung für 2030 auf 658 TWh vor (womit sich das BMWi noch immer deutlich unter den Erwartungen von Energiebranche und Wirtschaft bewegt), gleichzeitig wurde die Prognose zum heimischen Strombedarf für die Wasserstoffelektrolyse für das Jahr 2030 gegenüber der ersten Abschätzung reduziert. „Die geringere Produktion (und der geringere Stromverbrauch) im Szenario 1 ist hauptsächlich auf den im Szenario unterstellten niedrigeren Ausbaupfad der Windenergie zurückzuführen“, schreiben die Gutachter. 

Die Konsequenz, wenn man es mit dem Ausbau der Wasserstoffwirtschaft ernst meint, ist das Ausrufen einer „Dekade der Elektrifizierung“ mit einem kraftvollen Ausbau der Erneuerbaren hierzulande erforderlich. Ein solcher kraftvoller Ausbau erfordert erhebliche Investitionen, ist aber nicht „teuer“ im Sinne eines Opportunitätskostenkonzepts. Viel teurer ist das Verharren in konventionellen Erzeugungsstrukturen mit all ihren externen Effekten, die im Kampf gegen den Klimawandel katastrophale Folgen haben. Auf dem Weg zum dekarbonisierten Energiesystem gibt es aber natürlich trotzdem Möglichkeiten, das angepeilte Ziel zu höheren oder geringeren Kosten zu erreichen. Und höhere Kosten resultieren beispielsweise, wenn der Kampf um Akzeptanz Projektkosten in die Höhe schraubt.

Mit welchen Kosten die Betreiber von Biomassekraftwerken aktuell zu rechnen haben, wenn sie NawaRo-Holz einsetzen, zeigt unser jüngster Bericht zur Marktentwicklung in diesem Segment, den Sie in der aktuellen Ausgabe ebenfalls finden.

Zu den Topthemen der Vorwoche:

Stromvermarktung, COP 26 und nachhaltige Bioenergie: EUWID Neue Energie 46.2021 im Überblick

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