Die Windenergiebranche befindet sich gerade in sehr unruhigem Fahrwasser. Die Senvion-Insolvenz stellt nur die Spitze des Eisbergs dar, der Verlust von Tausenden an Arbeitsplätzen droht, der Zubau der Windenergie an Land ist nahezu zum Erliegen gekommen. Und am Horizont wird mit dem Anbrechen der Post-EEG-Phase für Windenergieanlagen „der ersten Stunde“ die nächste Baustelle immer klarer erkennbar. Themen genug für den heutigen Windkraft-Gipfel, zu dem Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier eingeladen hat. Und für die Branchenleitmesse Husum Wind, die in der kommenden Woche ansteht.  

Die Husum Wind legt in diesem Jahr einen Schwerpunkt auch auf die Fragen der Post-EEG-Phase. Unter anderem veranstaltet die Agentur für Erneuerbare Energien AEE eine Fachkonferenz mit dem Titel „20 Jahre, und dann? Entscheidungsfahrplan für Betreiber – welche Option ist die beste für Ihren Windpark?“ Wie stark sich die Windbranche dem Thema Post-EEG bereits zugewendet hat, zeigt auch die Vielzahl von Dienstleistern, die beim Branchenevent ihre Lösungen für die Phase nach dem Ende der EEG-Förderung vorstellen.

Am 1. Januar 2021 fallen bundesweit mehr als 5.000 Windräder aus der EEG-Vergütung. „Für die Betreiber dieser Windenergieanlagen stellt sich bereits heute die Frage, wie es nach Ende der Garantievergütung weitergeht“, heißt es bei der MVV, die bereits seit einiger Zeit gemeinsam mit ihren Töchtern juwi und Windwärts vielschichtige Post-EEG-Services anbietet. Ein Schnellcheck am gemeinsamen Messestand auf der Husum Wind soll Betreibern eine erste Orientierung geben. Dabei geht es um die ganz grundsätzlichen Fragestellunge: Repowering, wirtschaftlicher Weiterbetrieb oder Rückbau.

Mehr als 5.000 Windkraftanlagen schon zu Beginn der Post-EEG-Phase betroffen

Auch die Unternehmen Auctoritec, morewind engineering solutions und Recase Regenerative Energien widmen sich in einer Kooperation der Bewertung und Prüfung des Weiterbetriebs – BPW. Die drei norddeutschen Unternehmen aus Sehestedt, Rostock und Busdorf bedienen ihre Kunden in unterschiedlichen Kompetenzbereichen im internationalen sowie deutschen Markt. Vor allem im Heimatmarkt werde eine Vielzahl von Windparks mit Anlagen, die bereits der Multi-Megawatt-Klasse zugeordnet werden können, in den kommenden Jahren die ursprüngliche Lebensdauerauslegung von 20 Jahren erreichen bzw. diese sogar überschreiten. „Viele dieser Altanlagen befinden sich noch in sehr gutem Zustand und haben bedingt durch geringere Windlasten und netzbedingte Abschaltungen erhebliches Weiterbetriebspotential“, heißt es seitens der Unternehmen.

Post-EEG-Spiel
Der spielerische Zugang zur Post-EEG-Phase im Windenergiebereich (Quelle: juwi AG / Illustration: Signum communication GmbH)

„Für die Bewertung und Prüfung über den Weiterbetrieb haben wir unsere Standards noch einmal gezielt angepasst und erweitert“, sagt Joachim Fröhlich, Geschäftsführer von Auctoritec. „Alle für den analytischen Teil von uns erhobenen Daten werden durch das auf Betriebsdatenanalysen spezialisierte Unternehmen Recase aufbereitet und zur Lastenrechnung an die Experten von morewind weitergeleitet“. Eine weitgehend standardisierte Herangehensweise und das Wissen um die speziellen „Knackpunkte“ der jeweiligen Aufgabe führe nicht zuletzt zu einem „besonders kostengünstigen Preis“ der Prüfung.

Software verarbeitet Geodaten sowie Wind-, Turbinen- und Finanzdaten zur Bewertung der Post-EEG-Optionen

Das Start-up Nefino aus Hannover stellt auf der Husum Wind eine Software vor, die berechnet, wie lange der Weiterbetrieb einer Windanlage wirtschaftlich ist, ob sich ein Repowering lohnt und wann der beste Zeitpunkt zur Stilllegung gekommen ist. Ein erster Windpark-Check soll künftig auf dem Portal wind-turbine.com möglich sein. In Kooperation mit Nefino werde es dort ein Tool geben, mit dem jede einzelne Windenergieanlage in Deutschland überprüft werden kann, heißt es seitens des Instituts für Integrierte Produktion Hannover (IPH) an der Leibniz Universität Hannover – Nefino ist eine Ausgründung der Universität. Die Nutzer erhalten den Angaben zufolge sofort eine Ersteinschätzung, was am jeweiligen Standort als Post-EEG-Option infrage käme: Weiterbetrieb, Repowering oder Stilllegung.

Nefino biete darüber hinaus eine detaillierte Analyse mit konkreten Handlungsempfehlungen. Die Grundlage liefert die Datenbasis der Nefino Location Intelligence Software. Umfangreiche Geodaten, Wind-, Turbinen- und Finanzdaten verarbeitet die Software in einem integrierten System aus Windressourcenbewertungen, Flächenpotenzialanalysen und Wirtschaftlichkeitsberechnung.

Husum Wind: Fokus auf dem deutschsprachigen Windenergie-Markt

So sei es beispielsweise möglich, anhand von Geo- und Raumplanungsdaten metergenauer Abstände zu Siedlungen und Straßen zu berechnen – um herauszufinden, an welchem Standort ein Neubau oder ein Repowering überhaupt erlaubt ist. Zudem kann die Software mithilfe von Windsimulationen zeigen, wie viel Energie sich an einem konkreten Standort erzeugen lässt. Die Wirtschaftlichkeitsberechnungen erlaubten eine Prüfung der Renditeerwartung der geplanten Anlage. „Zusätzlich kann die Location Intelligence Software von Nefino auch die exakte Lebenszyklusphase von einzelnen Windenergieanlagen und Windparks identifizieren“, heißt es weiter. Mit diesen Daten ließen sich beispielsweise für jede einzelne Anlage der erwartete Rückbauzeitpunkt ableiten und die voraussichtlichen Kosten für den Rückbau kalkulieren. „Von all diesen Informationen profitieren nicht nur Windpark-Betreiber, sondern auch Investoren, Banken sowie Abbruch- und Entsorgungsunternehmen.“

Weiteres aktuelles Topthema der Windbranche: PPA – Hintergründe und Details im EUWID-Dossier Geschäftsmodell Power Purchase Agreement (PPA): Potenzial zum Megatrend?

Die Husum Wind findet in der Zeit vom 10. bis 13. September statt und bildet die gesamte Wertschöpfungskette der On- und Offshorewirtschaft in den Bereichen Anlagenbau, Service, Planung, Finanzierung und Betrieb, Anlagenkomponenten und Roh-/Werkstoffe ab. Der Fokus der Messe liegt seit 2015 auf dem deutschsprachigen Kernmarkt, 83 Prozent der ausstellenden Unternehmen kommen aus Deutschland. (Nachweis für Beitragsbild: Husum Wind / Tim Riediger)

Hinweis: Dienstleistern im Post-EEG-Bereich bieten wir die Möglichkeit, ihre Produkte im Dossier „Was mache ich mit meiner EEG-Anlage nach dem Ende der Förderung?“ in einem gesondert gekennzeichneten (freien) Bereich vorzustellen. Sie erreichen damit exakt die Zielgruppe der EEG-Anlagenbetreiber auf einer Plattform mit Top-Ranking bei den Online-Suchmaschinen. Bei Interesse beraten wir Sie gerne, schicken Sie uns einfach eine Mail (uphilippeuwid.de) mit dem Betreff Post-EEG.

 

Post-EEG-Dossier (Update): Tool bewertet Strommarkterlöse / Neues an der Pinnwand

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