Das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) hatte Bedenken angemeldet, auch das Fraunhofer FIT findet die Idee nicht wirklich überzeugend – und nun meldet sich der Fachverband Holzenergie (FVH) zu Wort: Alle drei sprechen sich gegen die Umrüstung von Kohlekraftwerken auf Biomasse aus. „Die Verbrennung von Holz sollte so effizient, nachhaltig und zielgerichtet wie möglich erfolgen — das ist weder mit Co-Firing noch mit einer Umrüstung alter Kohlekraftwerke vereinbar“, heißt es von Seiten des FVH.

Der FVH sieht den nachwachsenden Rohstoff Holz sehr wohl als tragende Säule der Energiewende. Aber: „Co-Firing hat mit moderner, nachhaltiger Holzenergie nichts zu tun“, betont der neue FVH-Geschäftsführer Wolf-Dietrich Kindt. Es ständen „veraltete, zentrale Kraftwerke gegenüber effizienten, dezentralen Anlagen, unflexible Energieversorgung gegenüber flexibler, lange Transportwege gegenüber kurzen“, sagt Kindt. „Wir begrüßen einen Zuwachs der Holzenergie, doch dieser sollte effizient und nachhaltig erfolgen.“

Die positiven Klimaschutzwirkungen der Holzenergie würden bei der Umrüstung von Kohlekraftwerken auf Holz unter anderem durch Zunahme der Transportwege und dadurch steigende Verkehrsemissionen konterkariert. Der Wirkungsgrad der zentralen Großkraftwerke sei zudem deutlich schlechter als der von dezentralen kleinen und mittleren Holz(heiz-)kraftwerken. „Nur knapp die Hälfte des eingesetzten Holzes kann bei neuen Großkraftanlagen in nutzbringende Energie umgewandelt werden, bei kleinen Heizkraftwerken sind es fast 90 Prozent“, heißt es beim FVH.

Ein weiteres Problem für die Umrüstung von Kohlekraftwerken auf Biomasse sei die nicht sichergestellte nationale und nachhaltige Holzversorgung. „Wir haben nicht ausreichend Ressourcen, um den riesigen Bedarf der umgerüsteten Kohlekraftwerke im Gigawattbereich regional zu decken“, sagt Kindt. Derzeit wird Holzenergie aus Altholz, Rest- und Nebenprodukten der heimischen Forstwirtschaft und Landschaftspflege sowie der Sägeindustrie gewonnen. Für die Umrüstung von Kohlekraftwerken auf Biomasse wären zukünftig aber auch zusätzliche Biomasse-Importe notwendig.

Bei Biomasse-Importen strenge Nachhaltigkeitsstandards erforderlich

Zwingend notwendig wären dann global geltende strenge Nachhaltigkeitsstandards, um Holzpellets, Hackschnitzel und Co aus dem Ausland entsprechend zu zertifizieren, betont der Verband. Werden grüne Gase wie Biomethan oder Wasserstoff, Strom oder auch Holz importiert, müsse die Nachhaltigkeit der Bezugsquellen gewährleistet sein. Auch ohne den enormen Biomasse-Bedarf umgerüsteter Kohlekraftwerke könne „vermutlich der Import von Biomasse nicht vermieden werden“, um das nationale Ziel für Treibhausgasneutralität bis 2045 sowie die Ziele der EU für den Ausbau erneuerbarer Energien im nächsten Jahrzehnt zu erreichen.

„Deutschland kann und sollte sich als stark in den internationalen Warenaustausch eingebundene Industrienation nicht gegen einen freien Warenverkehr stellen“, heißt es beim FVH. Die hohen europäischen und nationalen Nachhaltigkeitsanforderungen müssten aber beim Import von Biomasse sichergestellt werden.

Wettbewerbsnachteile für bestehende dezentrale Holzheizkraftwerke vermeiden

Aus Sicht des FVH ist der Ansatz der Holznutzung in Kohlekraftwerken auch anderweitig problematisch: Mögliche staatliche Förderungsmaßen zur Umrüstung von Kohlekraftkraftwerken auf Biomasse würden die Wettbewerbsfähigkeit von bestehenden dezentralen Holzheizkraftwerken gefährden. „Die bestehenden Holzheizkraftwerke wurden durch die EEG-Förderung aufgebaut und nun teilweise ohne Förderung weiterbetrieben. Es gilt diese dezentralen und effizienten Holzheizkraftwerke zu erhalten“, heißt es beim FVH. (Quelle für Beitragsbild: EUWID)

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