Hamburg Energie erforscht Speicherpotenziale und vernetzt virtuellen Kraftwerkeverbund

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Im Rahmen des Sinteg-Projekts NEW 4.O – Norddeutsche Energiewende, einem länderübergreifenden Großprojekt zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein, soll in den kommenden vier Jahren gezeigt werden, wie die Gesamtregion mit 4,5 Mio. Einwohnern bereits 2035 zu 100 Prozent sicher und zuverlässig mit regenerativem Strom versorgt werden kann. Das berichtet der städtische Energieversorger Hamburg Energie, der in mehrere Teilprojekte NEW 4.0 involviert ist, das insgesamt 38 Projektpartner umfasst. Hamburg Energie befasst sich dabei mit der Frage, wie regenerativ erzeugter Strom zwischengespeichert werden kann. Zum anderen entwickelt der Versorger ein Steuerungssystem, das bestehende virtuelle Kraftwerke digital vernetzt. Damit sollen die Anforderungen von Erzeugung und Bedarfen künftig optimal auf einander abgestimmt und die erforderliche Systemstabilität erreicht werden. Um das Votatilitätsproblem bei der Nutzung erneuerbarer Energien anzugehen, untersucht Hamburg Energie in einem von drei Teilprojekten, wie regenerativ erzeugter Strom zu Wärme und bei Bedarf zurück in Strom verwandelt werden kann. Dabei werden Erkenntnisse genutzt, die im Förderprojekt „Future Energy Solution" gesammelt werden, und auf einen theoretischen Einsatz für das gesamte NEW 4.0-Gebiet übertragen. In einem weiteren Teilprojekt entwickelt Hamburg Energie ein Konzept für die Flexibilisierung der Elektrizitätsnachfrage mit Hilfe von Stromspeicherheizungen. Im dritten Teilprojekt untersucht der städtische Versorger ein digitales Steuerungssystem (IKT-Plattform), das es ermöglichen soll, bestehende virtuelle Kraftwerke zu bündeln. Ziel sei es, ein großes virtuelles Verbundkraftwerk zu entwickeln, das einen stabilen Betrieb von Energiesystemen ermögliche, die zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien setzen. Dazu seien Anwendungen und Datenströme mit verschiedensten Marktteilnehmern, wie z.B. Netzbetreibern, Speicherbetreibern, anderen Kraftwerksverbünden zu bündeln und mit dem Strommarkthandel abzugleichen. NEW 4.0 werde die Kernherausforderungen der Energiewende mit einer Doppelstrategie lösen, mit der Steigerung des Stromexports in andere Regionen durch effiziente Nutzung und Ausbau der Energieinfrastruktur sowie mit innovativen Netztechnologien in der Region, ferner durch die Erhöhung der energetischen Selbstverwertungsquote für regionale, regenerative Erzeugungspotenziale mit Hilfe konsequenter Sektorenkopplung. Das Projekt legt den Entwicklungspfad zu dem Ziel, die Region bereits 2025 zu 70 Prozent sicher und zuverlässig mit regenerativem Strom zu versorgen. Gleichzeitig soll regenerativ erzeugter Strom sukzessive für die Wärmeversorgung und für industrielle Prozesse, die bislang mit fossilen Energien wie Gas betrieben wurden, verwendet werden. Aus der „Stromwende" soll in Schleswig-Holstein und Hamburg eine Energiewende werden. Dabei kommen verschiedene Speicher, Technologien wie Power-to-Heat, Power-to-Gas und neue Systeme in industriellen Prozessen (Power-to-Product) zum Einsatz. Zudem soll die marktorientierte Integration mithilfe weiterentwickelter Marktregeln auf Basis einer regulatorischen „Experimentierklausel" erprobt werden. Die Ergebnisse zur Wirksamkeit eines zukünftigen Rechtsrahmens könnten wertvolle Erkenntnisse für die Bundespolitik zur Entwicklung des zukünftigen Marktdesigns liefern. NEW 4.0 ist Teil des Förderprogramms „Schaufenster intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende" (Sinteg) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Ziel ist es, in großflächigen "Schaufensterregionen" skalierbare Musterlösungen für eine umweltfreundliche, sichere und bezahlbare Energieversorgung bei hohen Anteilen erneuerbarer Energien zu entwickeln und zu demonstrieren. Im Zentrum stehen dabei die intelligente Vernetzung von Erzeugung und Verbrauch sowie der Einsatz innovativer Netztechnologien und -betriebskonzepte. Die gefundenen Lösungen sollen als Modell für eine breite Umsetzung dienen.

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