Die internationale Energiewende nimmt Fahrt auf. Es sind gleich mehrere Meldungen, die in den vergangenen Tagen aufhorchen ließen: Die Analysten von Bloomberg New Energy Finance (BNEF) haben die Investitionstätigkeit in den Bereichen erneuerbare Energien und grüne Technologien zusammengerechnet und festgestellt, dass das Investitionsvolumen 2017 auf 333,5 Mrd. US-Dollar gestiegen sind. Das Bemerkenswerte an diesem Anstieg zeigt eine weitere Studie: Die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien (Irena) hat die Kostenentwicklung der Erneuerbaren analysiert und ermittelt, dass sie sich noch immer in einer dramatischen Abwärtsbewegung befindet. Ein höheres Investitionsvolumen bedeutet mithin, dass real deutlich mehr „grüne“ Projekte umgesetzt wurden als noch im Vorjahr – und dass die Vorzeichen auf weiteres Wachstum stehen.

Den „Schwarzen Peter“ des „Kostentreibers“ geben die Erneuerbaren mithin ab – und das attestiert ihnen inzwischen sogar die Industrie. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat eine Studie veröffentlicht, in der explizit auf die wirtschaftlichen Chancen einer Energiewende hingewiesen wird. 100 Prozent Treibhausgaseinsparungen bis 2050 – das traut der BDI Deutschland nicht zu, aber 80 Prozent seien „volkswirtschaftlich vertretbar“.

Die Erzählung vom Kostentreiber Erneuerbare funktioniert nicht mehr… die Warnung vor dem “Blackout” bleibt

Bleibt die Frage nach der Integration von Strom aus erneuerbaren Energien in das Netz. Hier gilt es vielfältige Herausforderungen zu bewältigen, etwa die zunehmende Menge an Strom aus den volatil nutzbaren Quellen Wind und Sonne. Oder die zeitgleiche Aufladung von Elektroautos – heute noch kein Problem, aber vielleicht schon in 5 oder 10 Jahren, wie das Beratungshaus Oliver Wyman in einer jetzt präsentierten Studie zum „E-Mobilitäts-Blackout“ schreibt.

Unlösbar sind diese Herausforderungen nicht. Oliver Wyman etwa bietet selbst einen Lösungsansatz: das netzdienliche Aufladen, das bei ausreichender Akzeptanz unter den Elektroautofahrern dazu beitragen kann, einen sonst erforderlichen Netzausbau erheblich zu begrenzen. Und wie die Beispiele Bayernwerk und Westnetz zeigen, befinden sich die Verteilnetzbetreiber bereits auf dem Weg, um hier Flexibilität im Netzbetrieb zu schaffen.

Intelligentes Management von Batteriespeichern könnte eine wichtige Komponente des künftigen Energiesystems sein

Die Einbindung der Speicher von Elektroautos wäre zugleich ein Instrument, das die Flexibilität des gesamten Stromnetzes erhöhen kann. Mit wachsender Marktdurchdringung der Elektromobilität bieten sich auch hier Alternativen zu einem Netzausbau. Dieser ist aus Sicht des Übertragungsnetzbetreibers 50 Hertz der „derzeit wichtigste und volkswirtschaftlich effizienteste Weg für eine erfolgreiche Energiewende“, wie 50-Hertz-Chef Boris Schucht in einer Sonderveröffentlichung zur gerade in Berlin stattfindenden Handelsblatt-Tagung Energiewirtschaft 2018 schreibt. Zugleich weist Schucht auf die Grenzen der Akzeptanz des Netzausbaus hin. „Daher werden andere Ansätze wie Speicher und Power-to-Gas in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen“, so Schucht weiter.

Welche Rolle die traditionellen Biokraftstoffe in Zukunft spielen werden, darum geht es bei einem anderen Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe von EUWID Neue Energie. Das Europäische Parlament hat mit Blick auf die Reform der Erneuerbare-Energien-Richtlinie und der Energieeffizienz-Richtlinie Stellung bezogen und seine Position für die anstehenden Trilogverhandlungen festgezurrt. Den Einsatz klassischer Biokraftstoffe will das Parlament bis 2030 deutlich reduzieren. Aus Sicht der Biokraftstoffbranche eine falsche Weichenstellung. Mit den Beschlüssen spiele man lediglich der fossilen Kraftstoffbereitstellung in die Karten.

EUWID Neue Energie

EUWID Neue Energie 4/2018 erscheint am 24. Januar und umfasst 50 Nachrichten, Berichte, Analysen und Übersichten auf 28 Seiten. Kernfragen der redaktionellen Arbeit des Teams von EUWID Neue Energie sind:

  • Wie gelingt der Umbau der traditionellen Energiewirtschaft hin zu einem auf regenerativen Quellen basierenden Energiesystem der Zukunft?
  • Und wie können die Akteure am Markt den Umbauprozess für sich ökonomisch und gewinnbringend gestalten?

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