Das Grüner Strom-Label will sein Fördersystem für Post-EEG-Anlagen öffnen. Das könnte die Perspektiven für die Fortführung des Anlagenbetriebs für Investoren, deren EEG-Erzeuger das Ende der Förderung erreichen, verbessern. Das Grüner Strom-Label und seine Trägerverbände haben jetzt ein Positionspapier veröffentlicht, das die Eckpunkte eines entsprechenden Fördermodells festlegt. Eine Konkretisierung der Kriterien soll bis Ende des Jahres erfolgen, so dass das Instrument zum Start der Post-EEG-Phase im kommenden Jahr zur Anwendung kommen könnte.

Viele Ökostromprodukte am deutschen Markt basieren auf Herkunftsnachweisen, die meist aus dem Ausland importiert werden. Die Förderung der Energiewende in Deutschland ist auf diesem Weg bestenfalls indirekt möglich. Ökostromprodukte, die nach dem Grüner Strom-Label zertifiziert sind, müssen dagegen einen Teil ihrer Einnahmen in den Ausbau erneuerbarer Energie investieren. Bei Privatkunden sind es mindestens 0,5 ct/kWh. Studien belegten, dass solche direkten Investitionen besser als andere Modelle dafür sorgen, dass Verbraucher mit ihrer Kaufentscheidung für Ökostrom einen Zusatznutzen bewirken, heißt es seitens des Grüner Strom-Labels. Das Label sei das einzige Ökostromlabel, das ein Modell mit direkten, substanziellen Investitionen durchgehend garantiert.

Förderung bislang weitgehend auf Neuanlagen beschränkt

Bislang sehen die Regularien des Labels vor, dass die Fördergelder – bis auf wenige Ausnahmen – nur für neue Projekte verwendet werden, deren Realisierung und Betrieb durch die Fördergelder ermöglicht und unterstützt wird. Die Trägerverbände des Grüner Strom Labels – unter anderem NABU, BUND, Deutscher Naturschutz-Ring und Eurosolar – haben im Sommer 2019 beschlossen, dass zukünftig auch bereits existierende Erneuerbare-Energien-Anlagen gefördert werden können.

Für Anlagenbetreiber wäre die Umsetzung entsprechender privater Förderinstrumente eine gute Nachricht. Mit Beginn des Jahres 2021 steht eine wachsende Zahl an EEG-Anlagen aus den Bereichen Wind, Biomasse und Photovoltaik ohne Vergütung da. Nicht für alle Post-EEG-Anlagen komme ein Repowering – d.h. der Abbau der Altanlage und Neubau einer größeren/moderneren Anlage am selben Standort – in Frage, heißt es beim Grüner Strom Label. Zugleich würden aber auch nicht alle Post-EEG- Anlagen wirtschaftlich weiter betrieben werden können. „Es besteht somit die Gefahr, dass Ökokraftwerke abgebaut werden, die noch jahrelang sauberen Strom liefern und für das Gelingen der Energiewende einen wichtigen Beitrag leisten könnten.“

Überförderungen und Fehlanreize sollen ausgeschlossen werden

Das Grüner Strom-Label will es den Labelnehmern nunmehr ermöglichen, Fördergelder für ökonomisch und „ökologisch sinnvolle“ Post-EEG-Anlagen einzusetzen. Ob eine Post-EEG-Anlage förderfähig ist, soll anhand verschiedener Kriterien geprüft werden, z.B. in Bezug auf Anlagenart, Größe, Standort, erzeugte Energiemenge, Wirtschaftlichkeit oder Einfluss auf die Umwelt. Damit sollen Überförderungen und Fehlanreize ausgeschlossen werden. Die Entscheidung, ob eine Anlage förderfähig ist, erfolgt in Einzelfallprüfung durch den Grüner Strom Label e.V.

Die konkrete Förderung einer Post-EEG-Anlage könne auf verschiedene Art und Weise erfolgen. In Betracht kommt die Förderung des Strombezugs aus Post-EEG-Anlagen, „falls der Strompreis begründbar und angemessen über dem Marktpreis liegt“, wobei hier eine jährliche Neubewertung erfolgt. Auch der Kauf von Post-EEG-Anlagen ist den Eckpunkten zufolge eine Option: Hier würde ein Zuschuss in Höhe eines „angemessenen Anteils der Investitionskosten“ gezahlt.

Optionen: Förderung von Strombezug, Anlagenerwerb oder  Weiterbetriebsinvestitionen

Auch Maßnahmen, die für den Weiterbetrieb notwendig oder förderlich sind wie Reparaturen, Effizienzverbesserungen, Umrüstung auf Eigenverbrauch, Standsicherungsgutachten, Rechtskosten, wären den Eckpunkten zufolge förderfähig. Repowering-Maßnahmen werden allerdings nicht gefördert; „diese erfordern in der Regel ein neues Standort-Genehmigungsverfahren.“

Die Energieanbieter werden dazu aufgerufen, Ökostrom aus geförderten Post-EEG-Anlagen an ihre Ökostromkunden zu liefern. Auf diesem Weg sollen glaubwürdige Produkte und regionale Kreisläufe gefördert werden: Die Kunden ermöglichen durch den Kauf von zertifiziertem Grünstrom den Weiterbetrieb guter Ökoenergieanlagen in Deutschland und erhalten dann zukünftig ihren zertifizierten Grünstrom aus genau diesen Anlagen.

Unabhängig davon, ob eine Post-EEG-Anlage im Rahmen der Zertifizierung gefördert wird oder nicht will das Label die Energieanbieter dazu ermuntern, zukünftig Ökostrom aus Post-EEG-Anlagen an die Kunden ihrer zertifizierten Produkte zu liefern. „Wenn eine Stromherkunft aus konkreten, regionalen Anlagen verknüpft ist mit einer zertifizierten Förderung neuer regionaler Projekte, wird Ökostrom zu einem besonders glaubwürdigen Produkt mit echtem Mehrwert für den Umwelt- und Klimaschutz.“ (Nachweis für Beitragsbild: EUWID)

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