Der US-Internetkonzern Google kündigte kürzlich in Berlin an, in den kommenden Jahren eine Milliarde Euro in den Bau von zwei neuen Rechenzentren in Hanau und im Großraum Berlin investieren zu wollen. Ein erheblicher Teil dieses Investments soll dabei in die Produktion erneuerbarer Energie in Deutschland fließen, um die Rechenzentren mit grünem Strom versorgen zu können. Dazu hat Google mit Engie Deutschland eine Vereinbarung (PPA) über die Versorgung mit erneuerbarem Strom aus Solar- und Windenergie getroffen. Bei dem Vertrag handele es sich um einen „rund um die Uhr klimaneutralen Energieliefervertrag“ (24/7-Verfügbarkeit). Die Laufzeit beträgt drei Jahre. (Titelbild: Thinapob – stock.adobe.com)

Der Artikel, der am 31. August 2021 veröffentlicht wurde, ist im Zuge weiterer Recherchen ergänzt worden.

Die Investition von Google liegt am Schnittpunkt mehrerer Trends. Einer ist die wachsende Stromnachfrage der Industrie im Allgemeinen und der Internet- und Digitalisierungskonzerne im Besonderen. So ist der Strombedarf von Rechenzentren in Deutschland im Corona-Jahr 2020 um sieben Prozent auf 16 TWh gestiegen, wie eine Analyse des Berliner Borderstep Instituts für Innovation und Nachhaltigkeit zeigt.

Ein anderer Trend ist der Wunsch der Industrie, nachweislich grünen Strom zu beziehen. Internetgiganten wie Google oder Facebook stehen im Fokus einer in Klimafragen zunehmend sensibilisierten Gesellschaft. Und die Dringlichkeit des Wunsches, Nachhaltigkeit belegen zu können, wird mit Klagen gegen Konzerne aufgrund von Versäumnissen in Sachen Klimaschutz nicht geringer werden. Greenpeace und die Deutsche Umwelthilfe haben gerade die deutschen Autokonzerne BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen sowie das Öl- und Gasunternehmen Wintershall Dea ins Visier genommen. Die Umweltverbände stellen in ihren Anspruchsschreiben zu dem Rechtsverfahren fest, dass die aktuellen und geplanten Maßnahmen der vier Konzerne den Klimazielen von Paris widersprächen und damit rechtswidrig seien.

Ein dritter Trend, der für die Industrie eine wesentliche Rolle spielt, sind die Energie- und Stromkosten. Am dem Strombörsen war in den vergangenen 18 Monaten eine Achterbahnfahrt zu erleben. Im Zuge der Corona-Krise brachen die Notierungen im Großhandel im Verlauf des ersten Quartals völlig ein und erholten sich, bevor sie im Laufe des Jahres 2021 zu einem Höhenflug ansetzten. Für die Planbarkeit der Strombezugskosten ist das ein komplexes Umfeld.

Google setzt auf neue PV-Projekte und Post-EEG-Windparks

Investitionen in erneuerbare Energien spielen vor diesem Hintergrund eine zunehmend wichtige Rolle auch für die Industrie selbst. Als Instrumentarium zur Realisierung entsprechender Vorhaben eignen sich langfristige Stromabnahmeverträge, mit denen sich Unternehmen den Strom aus Erneuerbaren-Anlagen mit Herkunftsnachweis sichern können – und das zu planbaren Kosten. Im Falle von Google geht es um mehr als 140 MW Wind- und Solarstrom.

Die Versorgung stellt Engie Deutschland ab 2022 sicher. Der Strom kommt unter anderem aus einem neuen Photovoltaik-Projekt mit 39 MW, das 2023 in Betrieb gehen soll. Zudem sollen 22 Windparks in fünf Bundesländern nach dem Ende der EEG-Förderung weiterbetrieben werden, um im Rahmen dieses Abkommens CO2-freien Strom zu erzeugen und bleiben so für die grüne Energieerzeugung in Deutschland erhalten. Engie werde auch umfassende Energiemanagementdienste anbieten, einschließlich der Beschaffung von Restlieferungen, Bilanzkreismanagement, Netzmanagement und mehr, heißt es.  

Die Zusammenarbeit zwischen Engie und Google hat im Jahr 2019 mit der Unterzeichnung eines grünen PPA aus Offshore Windkraft mit fünf Jahren Laufzeit in Belgien begonnen. Es folgte die Vergabe eines ähnlichen Auftrags in den Niederlanden und nun dieses CO2-freie Engagement in Deutschland.

dena: Green PPAs wichtiger Pfeiler für die Energiewende

„Die Vereinbarung von Google und Engie zum Direktbezug (PPA) von erneuerbaren Energien unterstreicht die wachsende Bedeutung dieses Vertriebswegs. PPAs werden zu einem entscheidenden Pfeiler der Energiewende.“ Das sagte Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur (dena) anlässlich der Ankündigung von Google und Engie.

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Großabnehmer aus Industrie, Gewerbe und Dienstleistungen würden PPAs mehrheitlich als Möglichkeit betrachten, ihren Strombezug auf Basis erneuerbarer Energien langfristig gegen steigende Strompreise abzusichern und gleichzeitig die eigenen Prozesse und Aktivitäten zu dekarbonisieren, so Kuhlmann. Die von der dena initiierte Marktoffensive Erneuerbare Energien zielt darauf ab, das PPA-Geschäftsmodell zu stärken. „Daher freuen wir uns, dass neben Engie nun auch Google Teil der Marktoffensive Erneuerbare Energien wird, wie bereits rund 50 Unternehmen aus verschiedenen Branchen“, sagte Kuhlmann.

Verfügbarkeit von grünem Strom wird wichtiger Standortfaktor

„Innovativ für den deutschen PPA-Markt ist, dass Erzeugung und Verbrauch auf Stundenbasis gemessen werden.“

Weltweit wächst die Nachfrage zum Direktbezug von grünem Strom in der Wirtschaft. Die Verfügbarkeit von Strom aus erneuerbaren Energien wird so zum wichtigen Standortfaktor für Unternehmen und deren Wertschöpfung. Kuhlmann erklärte, dass in der kommenden Legislatur die Chance bestehe, diesem Geschäftsmodell auch in Deutschland über passende Rahmenbedingung mehr Rückenwind zu geben. Innovativ für den deutschen PPA-Markt sei, dass Erzeugung und Verbrauch auf Stundenbasis gemessen werden. Ähnliche Projekte bestünden bereits außerhalb Deutschlands.

Hintergründe zur dena-Marktoffensive finden Sie im PPA-Dossier oder im Beitrag:

„Marktoffensive Erneuerbare Energien“ will Corporate PPAs zum Durchbruch verhelfen

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