Geschäftsmodelle für Energieversorger: Kunden wünschen sich neue Produkte und Dienstleistungen

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Werden die Verbraucher gefragt, so stehen die Türen für neue Geschäftsmodelle auf dem Energiemarkt weit offen. Ein großer Teil der Stromkunden zeigt sich bereit, innovative Angebote der Energieversorger zu nutzen. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie „Die Zukunft der Energie: Was Verbraucher wirklich wollen“ der Unternehmensberatung Axxcon, für die im Februar 2017 insgesamt 1.000 Verbraucher befragt wurden. „Weitgehend unabhängig vom Alter zeigen die Kunden ein starkes Interesse an neuen Versorgungs-, Erzeugungs-, Einkaufs- und Preismodellen“, erklärte der Partner und Energieexperte bei Axxcon, Dieter Murr.

Noch beziehen die Kunden von ihrem Energieversorger vor allem Commodities (Strom, Gas, Wasser und Wärme), heißt es seitens Axxcon. Die Studie zeige jedoch, dass für Versorgungsunternehmen gute Chancen bestehen, ihre Angebotspalette zu erweitern. Wichtig dabei sei der ökologische Aspekt. Diesen berücksichtigten acht von zehn Stromkunden bei der Wahl ihres Stromanbieters. Etwa jeder Dritte beziehe bereits Ökostrom. Für die Eigenversorgung aus Sonnen- und Windenergie interessierten sich 27 Prozent der Befragten. Was die Versorgung über einen Nachbarschaftsverbund betrifft, könnten sich zwei Drittel der Befragten vorstellen, ihren Strom auf diese Weise unabhängig von einem Unternehmen zu erhalten.

Lediglich wenn sie selbst aktiv werden sollen, um eine Energiegemeinschaft zu gründen, die eine Photovoltaikanlage oder ein Blockheizkraftwerk betreibt, falle ihre Zustimmung zögerlicher aus. Hier sagten 40 Prozent der Befragten: „Nein, das ist mir zu kompliziert“. 24 Prozent erklärten: „Nur, wenn ich mich nicht selbst darum kümmern muss.“ 36 Prozent antworteten mit „ja“. Hier könnten Versorger bei der Organisation und Umsetzung helfen und im Contracting sogar ein längerfristiges Geschäft realisieren.

Versorger könnten bei Energiegemeinschaften oder Contracting helfen

Darüber hinaus könne sich mehr als jeder zweite der befragten Verbraucher seinen Stromanbieter als Einkaufsplattform vorstellen, auf der er – ähnlich wie bei großen Onlinehändlern – vielfältige Produkte und Dienstleistungen zum Thema Energie erwerben könne. Am ehesten würden die Kunden in diesem Fall Elektrogeräte als zusätzliche Produkte erwarten. Aber auch Photovoltaik- und Heizungsanlagen, Elektroautos sowie Smart-Home-Lösungen sähen vor allem die jüngeren Stromkunden im möglichen Portfolio der Versorgungsunternehmen.

Smart Home 80 Prozent der Kunden ein Begriff

80 Prozent der Kunden sei der Begriff Smart Home bekannt. Rund 60 Prozent wären grundsätzlich bereit, die Steuerung von Alarmanlage, Licht, Rollläden und Elektrogeräten über eine App von ihrem Energieversorger nutzen. Rund zwei Drittel der Befragten könnten sich vorstellen, auch Internet- und Telekommunikationsdienstleistungen von ihrem Stromanbieter zu beziehen. Aufgeschlossen seien die Kunden zudem für neue Abrechnungsmodelle wie eine Flatrate. 74 Prozent der Kunden fänden ein solches Angebot interessant. Die Zustimmung zu diesem Punkt steige mit der Haushaltsgröße.

Energieversorgungsbranche kennt Kundenbedarf zu wenig

„Die Energieversorgungsbranche kennt den Kundenbedarf zu wenig und ist unsicher, welches Angebot sie unterbreiten soll. Die Ergebnisse der Studie zeigen: die Türen der Kunden sind offen“, so der Senior Consultant und Energieexperte bei Axxcon, Hakan Yesilmen. Hinweise gäbe es viel mehr darauf, dass die Energieversorger lange im Energieverkauf verharren und damit bislang unter ihren Möglichkeiten geblieben seien. So würden laut der Studie zwar die meisten Verbraucher ihren Stromversorger ansprechen, wenn sie sich eine Photovoltaikanlage anschaffen wollen. Doch die Zahl liege lediglich bei 25 Prozent der Befragten und damit nur knapp vor der eigenen Internet-Recherche (23 Prozent). „Offensichtlich haben es die Stromversorger bisher verpasst, sich hier prominent zu positionieren“, erklärte Yesilmen. Ähnliches gelte für die Elektromobilität.

So liege die Verantwortung für den Aufbau eines flächendeckenden Ladenetzes aus Sicht der befragten Stromkunden mit 32 Prozent in erster Linie bei der öffentlichen Hand. Die Energieversorger folgten mit 28 Prozent an zweiter Stelle. Auch in diesem Geschäftsfeld sei also Luft nach oben. „Die Kunden sind bereit, veränderte Geschäftsmodelle anzunehmen. Nun ist es an den Unternehmen, die passenden Angebote zu entwickeln und neue Einnahmequellen zu erschließen“, so Murr. Da die Energieversorger mit ihrem bestehenden Geschäftsmodell zunehmend unter Druck gerieten, sei schnelles Handeln gefragt.

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