Update

16. November 2021: Das Thema PPA bleibt auch gegen Ende des Jahres 2021 hochdynamisch. Die jüngsten Deals melden Ørsted und Statkraft, wobei die Projekte das Spektrum von Wind-PPAs zeigen. Während es bei Statkraft um ein kleines Post-EEG-Portfolio über einen kurzen Zeitraum geht, ist das Ørsted/BASF-Projekt auf 25 Jahre ausgelegt und betrifft die Offshore-Windenergie. Im internationalen Bereich macht ein PPA-Modell von Axpo auf sich aufmerksam.

Die Diskussion um die PPA-Rahmenbedingungen nimmt mit einem Positionspapier der Marktoffensive Erneuerbare Energien weiter Fahrt auf. Und ebenfalls Teil der jüngsten Aktualisierung des Dossiers sind die Preisdaten im PPA-Bereich.

Bei Power Purchase Agreements (PPAs) handelt es sich um ein noch junges Vermarktungsinstrument für erneuerbare Energien in Deutschland. Diese langfristigen Stromlieferverträge entwickeln sich in Deutschland im Zuge der Post-EEG-Phase zunehmend zu einer Option für Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen. Dabei kann PPA gerade auch für Neuanlagen interessant sein und ist deshalb mehr als nur eine Post-EEG-Option.

Mit diesem Dossier widmet sich EUWID dem Trendthema Power Purchase Agreement und informiert fortlaufend über die aktuellen Entwicklungen am Markt. Das Dossier bildet im Report & Dossier-Angebot von EUWID Neue Energie eine Einheit mit dem seit Dezember 2020 verfügbaren zweiten Report „PPA und die neue Architektur der Energiewende

Wegweiser durch das PPA-Dossier
Quelle: ©momius – stock.adobe.com

Power Purchase Agreement (PPA) – Was ist das?

Bei einem Power Purchase Agreement (PPA) handelt es sich um einen bilateralen langfristigen Stromliefervertrag, der zwischen einem Verkäufer (Anlagenbetreiber) und einem Käufer (Stromabnehmer – bspw. Energieversorger oder industrieller Großverbraucher) geschlossen wird. Der Vertrag regelt die Lieferung einer Strommenge zu einem festgelegten Preis oder einem gleichwertigen finanziellen Ausgleich.

Warum gewinnt PPA an Bedeutung?

Durch das nahende Auslaufen des 20-jährigen EEG-Förderzeitraums werden Power Purchase Agreements als neues Geschäftsmodell für zahlreiche „Altanlagen“ befördert. Allein im Bereich der Onshore-Windenergie fallen in den Jahren 2020 bis 2025 Windenergieanlagen mit einer Leistung von rund 16,3 GW aus der gesetzlichen Förderung.

Darüber hinaus suchen Projektentwickler und Investoren neue Stromvermarktungskonzepte außerhalb des klassischen gesetzlichen Förderrahmens des EEG. Die Preise für Wind- und Solarstrom sind mittlerweile so günstig, dass es unter geeigneten Bedingungen nicht auf Fördermittel ankommt. Hinzu kommen die Unwägbarkeiten bei der Teilnahme an den EEG-Ausschreibungen, insbesondere das Zuschlags- und das Preisrisiko.

Vorteile von PPA

Neben einer vertraglichen Absicherung gegen steigende Strompreise treffen die Vertragsparteien typischerweise auch Vereinbarungen zur Übertragung von Herkunftsnachweisen für den Strom, den der Anlagenbetreiber erzeugt hat. Der Erwerb von Herkunftsnachweisen stellt als „grünes“ Marketinginstrument eine nicht unwesentliche Motivation der abnehmenden Unternehmen zum Abschluss von Power Purchase Agreements dar. 

Zudem bieten PPA-Modelle für Betreiber von EE-Anlagen insbesondere den Vorteil, dass eine Teilnahme an den Ausschreibungen für die Fördertarife nicht erforderlich ist und eine Vermarktung des Stroms auch ohne den Erhalt eines Zuschlags durch die Bundesnetzagentur möglich ist. Darauf haben Experten von Ashurst und Aurora Energy Research in einem gemeinsamen Interview mit EUWID hingewiesen.

EUWID-Interview:

„PPAs bieten im Vergleich zu anderen Post-EEG-Optionen derzeit die größten Potenziale“

Neben der hierdurch u.a. gewonnenen höheren Standortflexibilität – insbesondere von Off-Site und Finanz-PPAs – sind dabei auch die regulatorischen Risiken für die EE-Anlagenbetreiber deutlich geringer. Laut Ashurst fällt bspw. das mit einem Ausschreibungszuschlag verbundene Risiko möglicher Strafzahlungen (sog. Pönalen) bei verspäteter Anlagenrealisierung ebenso weg, wie die Verpflichtung, eine BImSchG-Genehmigung für Onshore-Windenergieanlagen schon vor dem – ungewissen – Erhalt eines Ausschreibungszuschlags einholen zu müssen und dann möglicherweise die Entwicklungskosten später abschreiben zu müssen.

PPA-Verträge haben zusätzlich den Vorteil, dass der Eintritt in den Energiemarkt erleichtert wird. Das Analysehaus Energy Brainpool sieht einen Nutzen sowohl für die Käufer als auch für die Verkäufer in der Diversifizierung der Strombeschaffung bzw. der Abnehmerstruktur. Dementsprechend reduziert sich bei mehreren Käufern oder Verkäufern das Kontrahentenausfallrisiko, falls eine andere Gegenpartei des Käufers oder Verkäufers ihren Verpflichtungen nicht nachkommt.

Herausforderungen bei PPAs

Zu den zentralen rechtlichen Fallstricken beim Abschluss von Power Purchase Agreements zählen laut den Experten von Ashurst, Maximilian Uibeleisen und Simon Groneberg, die Volatilität und schwankende Marktpreise.

Volatilität: Eine besondere Herausforderung bei der PPA-Gestaltung über den in EE-Anlagen erzeugten Strom besteht dabei darin, sowohl für den EE-Anlagenbetreiber als auch für den Abnehmer ausgewogene wirtschaftliche Regelungen für den Umgang mit der Volatilität der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu treffen. Diese Regelungen können je nach dem betreffenden Energieträger variieren und etwa bei der Solarenergie detaillierter geregelt sein als etwa bei der Offshore-Windenergie.

Schwankende Marktpreise: Sofern der EE-Anlagenbetreiber und der Abnehmer im PPA etwa einen Festpreis für den Strom (pro kWh) vereinbaren, ist – je nach PPA Modell – zu regeln, welche Partei im Fall einer Abweichung des Festpreises vom Spotmarktpreis das jeweilige Marktpreisrisiko zu tragen und gegebenenfalls zusätzliche Zahlungen an den anderen Vertragspartner zu leisten hat. Inwiefern negative Strompreise Einfluss auf die PPA-Vermarktung haben, zeigt eine Analyse des Beratungsunternehmens enervis.

Langfristige Perspektive: Die langfristige Struktur von PPA-Verträgen ist als solche eine Herausforderung für den Abschluss. Im gegenwärtigen rechtlichen Rahmen gibt es Schranken für langfristige Verträge im Zusammenhang mit dem AGB-Recht, auch auf Vermarktungsseite sehen etwa die Strombörsen einen Bedarf für langfristige Vertragsinstitutionen. Bezogen auf jeden einzelnen Abschluss stellt sich die Frage nach der wirtschaftlich optimalen Laufzeit der PPA-Konstrukte. Sie ist Dreh- und Angelpunkt eines jeden Power Purchase Agreements. Im Schnitt werden PPA-Verträge für eine Laufzeit von 10 bis 15 Jahren geschlossen. Im Hinblick auf den deutschen Markt können sich aber auch deutlich kürzere Zeiträume zwischen 3 und 5 Jahren ergeben. Gerade wenn sie als Post-EEG-Lösung Anwendung finden. 

Marktentwicklung

Im internationalen Kontext ist das Geschäftsmodell PPA – vor allem bei Windenergie- und Photovoltaikprojekten – bereits vollständig etabliert. Nennenswerte Beispiele finden sich etwa in Skandinavien, den USA oder auch in Großbritannien. Laut Experten von Rödl & Partner können Power Purchase Agreements langfristig auch für die Strombelieferung von „Power-to-X“-Anlagen, etwa zur Erzeugung von Wasserstoff oder treibhausgasneutralen synthetischen Kraftstoffen interessant sein.

Soft- und Hardwareunternehmen wie Google, Facebook und Microsoft haben auch in Europa bereits Power Purchase Agreements mit Erneuerbaren-Anlagen abgeschlossen. Diese Abschlüsse wurden auch in der deutschen Strombranche zur Kenntnis genommen. So ist das PPA keine Unbekannte mehr hierzulande und setzt sich als Finanzierungsmodell für Erneuerbaren-Projekte zunehmend durch.

Als besonders kapitalstarker Player sehen sich mittlerweile auch die großen Ölkonzerne im PPA-Markt um. Wir haben uns mit Björn Broda von juwi darüber unterhalten, wie der Einstieg von Ölmultis den PPA-Markt beeinflussen kann.

EUWID-Interview:
„Derzeit kein Grund, den Rahmen für PPAs regulatorisch zu stabilisieren“ 

 

Globales Marktvolumen

Weltweit wurden 2018 13,4 GW im Rahmen von langfristigen Stromabnahmeverträgen registriert, wie eine Analyse von BloombergNEF zeigt. Bis Ende des Jahres 2019 ist das Volumen an Corporate PPA-Projekten sogar auf rund 19,5 GW gestiegen – ein Anstieg um mehr als 40 Prozent gegenüber 2018 (die Halbjahreszahlen für 2019 finden Sie hier). Im Zuge der Corona-Pandemie sah es zunächst so aus, als könnte es 2020 erstmals seit 2016 zu einer Stagnation des Corporate-PPA-Marktes kommen. Das legten die im August 2020 von BloomebergNEF kommunizierten Zahlen zum ersten Halbjahr nahe.

Dies hat sich jedoch nicht bestätigt, wie der Ende Januar 2021 vorgelegte Corporate Energy Market Outlook H1.2021 der BNEF zeigt. Tatsächlich ist das weltweite Corporate PPA-Volumen im Jahr 2020 um 18 Prozent auf 23,7 GW gestiegen. Laut Kyle Harrison, BNEF Senior Associate und Hauptautor des aktuellen Corporate Energy Market Outlooks, zeigt das Wachstum des Beschaffungsmarktes für grüne Energie unter den schwierigen Bedingungen im Jahr 2020, wie hoch der Stellenwert von Nachhaltigkeit auf der Agenda vieler Unternehmen ist. 

Internationale Projekte & Deals

Europäischer Markt gewinnt an Gewicht

In Europa waren Power Purchase Agreements zunächst ein Thema vor allem in den skandinavischen Staaten. So lag das PPA-Volumen in Schweden bereits Ende 2017 bei knapp 1,5 GW. Auch in Norwegen und Großbritannien hat PPA für „neue“ Erneuerbare eine längere Tradition. Inzwischen hat die PPA-Welle aber auch die südlicheren Gefilde erreicht und spielt etwa seit 2019 in Märkten wie Spanien und Frankreich eine wichtige Rolle. Die Chronologie der jüngeren Vergangenheit haben wir im Zuge der Berichterstattung in EUWID Neue Energie nachstehend zusammengestellt.

Die jüngsten Entwicklungen – 2021:

Die Europäische Kommission hat Mitte Juli ihr „Fit for 55“-Paket vorgestellt. Mit den Vorschlägen sollen die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden. In den Regelungen zur Erzeugung erneuerbarer Energien spricht sich die EU-Kommission für eine Stärkung von Power Purchase Agreements aus. Der PPA-Markt sei noch immer auf eine kleine Zahl von Mitgliedstaaten und Großunternehmen beschränkt, da in weiten Teilen des Unionsmarktes weiterhin erhebliche administrative, technische und finanzielle Hindernisse existierten, so die Kommission. Welche Optionen in Betracht gezogen werden, können Sie im oben verlinkten Beitrag nachlesen.

Ein „weiterhin hohes und berechtigtes Interesse an förderfreien Erneuerbare-Energien-Projekten und Power Purchase Agreements (PPA)“ attestieren die Analysten von enervis in ihrem aktuellen Marktbericht „Status quo: market parity of PV and onshore wind in Europe“. Der Markt werde sich nach der Covid-19-Delle erholen. Mehr noch: Weitere europäische Märkte würden attraktiv für PPA-Projekte, so enervis. Einige hätten das Potenzial Marktparität zu erreichen – trotz pandemiebedingt temporär gesunkener Marktwerte in 2020.

Ein Volumen von 4 Gigawatt an Solarprojekten in Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland will ein neues Joint Venture realisieren und dabei auf PPA setzen. Der Markt werde enger und Investoren müssten sich ihr Kapital heute früher im Entwicklungsprozess einsetzen und sich neuen Technologien wie Batterien und Wasserstoff zuwenden, wie die JV-Partner im Februar 2021 mitteilten.

Deutscher Markt immer dynamischer

Power Purchase Agreements haben inzwischen aber auch den deutschen Markt erreicht. Von kleineren Deals bis hin zu echten Schwergewichten (Corporate PPAs). So streben große Konzerne wie die Deutsche Bahn, Bosch, Daimler oder VW an, ihren Energiebedarf zunehmend aus regenerativen Energien zu decken. PPA-Modelle bieten hierbei den Vorteil, dass keine Teilnahme an Ausschreibungen für Fördertarife erforderlich ist. Laut dem Energiekonzern RWE führt das zu mehr Standortflexibilität, so dass neue Projekte schneller realisiert werden können. Nachfolgend die Chronologie unserer Berichterstattung über Abschlüsse in Deutschland.

Trends für die weitere Entwicklung am deutschen Markt

Das Beratungsunternehmen enervis hat in einer Referenzstudie die PV-Finanzierung aus Strommarkterlösen analysiert (April 2019). Enervis prognostizierte deutliche Zuwächse von großen Freiflächen-PV-Anlagen, die allein durch Strommarkterlöse finanziert werden und keine Förderung aus dem EEG mehr erhalten. Energiekontor ging sogar davon aus, dass sich der Energieerzeugungsmarkt durch PPAs „dramatisch verändern“ wird (April 2019).

Mit der ersten breit angelegten Marktbefragung zu Corporate Green PPAs ist es der dena gelungen, ein umfassendes Meinungsbild für Deutschland zu bekommen. Ergebnis des dena-Marktmonitors 2030: PPAs sind mehr als ein Hype – nahezu alle Marktakteure sehen PPAs als wichtiges zukünftiges Marktmodell für erneuerbare Energien. Die Umfrage hat aber auch Hindernisse identifiziert, die aus Branchensicht die Entwicklung eines PPA-Marktes erschweren (August 2019). In ihrer jüngsten Analyse zu Corporate Green PPAs arbeitet die dena etwa heraus, dass die Strompreiskompensation aus Sicht der energieintensiven Industrie der entscheidende Faktor ist, wenn der Bezug von grünem Strom über PPAs wirtschaftlich sein soll (Februar 2020).

Marktoffensive Erneuerbare Energien

Im Jahr 2021 könnten sich Corporate PPAs vollständig im Markt etablieren. Die dena, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und die Klimaschutz-Unternehmen haben die Marktoffensive Erneuerbare Energien Ende 2020 ins Leben gerufen. Erklärtes Ziel ist der Aufbau einer zentralen Plattform zur Informationsbeschaffung, Matchmaking und Entwicklung von PPAs. Wie das aus Sicht der dena gelingen kann, darüber haben wir mit Tibor Fischer, Leiter Erneuerbare Energien und Innovationen in der Energiewende bei der dena gesprochen.

EUWID-Interview:
„Attraktivere Rahmensetzung durch Politik, um
PPA-Marktentwicklung aus Nische zu holen“

Nach einer Informationsphase ist die Marktoffensive Erneuerbare Energien Ende Januar 2021 offiziell an den Start gegangen. Unter dem Motto „Wir erneuern Märkte“ soll die Marktoffensive Impulse für die Entwicklung eines nachfragegetriebenen Marktes für langfristige direkte Stromlieferverträge auf Basis erneuerbarer Energien in Deutschland setzen. Die Mitglieder versprechen sich eine „große Dynamisierung des Geschäftsmodells PPA“ durch die Marktoffensive, heißt es bei der dena.

Den EEG-Entschließungsantrag hat die Initiative zum Anlass genommen, einen Appell an die Politik zu richten: Es müsse ein gutes Investitionsklima geschaffen werden (März 2021). Der marktbasierte Ausbau sei ein wesentliches Gestaltungselement einer langfristig  tragfähigen Finanzierungsmöglichkeit, insofern sollten PPAs gezielt gestärkt und die Vorgaben des EEG-Entschließungsantrags schnell umgesetzt werden.

Daniel Hölder und Daniel Parsons von BayWa r.e. erläutern im EUWID-Fachbeitrag von Februar 2021, wie sich PPAs als Teil einer zukunftsfähigen Beschaffungsstrategie in Deutschland und Europa etablieren.

Fachbeitrag:
Power Purchase Agreements ebnen den Weg für die Zukunft der erneuerbaren Energien 

Perspektiven für die Post-EEG-Phase

Ob die Regelungen im EEG 2021 den PPA Markt nun beflügeln oder eher doch behindern, bleibt noch abzuwarten. Dass PPAs als Brückenlösung wichtig sind, damit Erzeugungskapazitäten nicht wegbrechen, zeigt jedenfalls die im September 2020 von Nefino vorgestellte Analyse zum Aufkommen von Windenergieanlagen in Deutschland ohne Repoweringpotenzial. Demnach benötigen 23 Prozent aller deutschen Windenergieanlagen eine neue Vermarktungsform für den erzeugten Strom bis zum Jahr 2025 – anderenfalls müssten sie stillgelegt werden. Auftraggeber der Studie ist die Schweizer Stromproduzentin und Energiedienstleisterin Alpiq.

Der Bundesverband Windenergie (BWE) sieht keinen Grund zur Besorgnis. Die EEG-Übergangsregeln seien kein Hemmnis für Power Purchase Agreements, so BWE-Geschäftsführer Wolfram Axthelm (Oktober 2020). Positiv bewertet Greenpeace Energy die Möglichkeit, Post-EEG-Projekte über PPAs zu finanzieren. Die Energiegenossenschaft habe auf diese Weise ihren Windenergie-Anteil am Strommix erhöht (Oktober 2020). 

Welche Räume der Entwurf des Erneuerbare-Energien-Gesetz (Status quo November 2020) für Power Purchase Agreements definiert, haben wir in dem Bericht „Post-EEG und die EEG-Novelle: Welche Rolle spielen PPAs für ausgeförderte Anlagen?“ zusammengefasst.
Update (Januar 2021): EEG-Analyse Teil X – PPA: Entschließungsantrag betont wachsende Bedeutung neben dem EEG.

Neues PPA Hedging-Produkt

Die Energiehändler ane.energy und EDF Trading haben zusammen ein virtuelles Power Purchase Agreement (PPA) entwickelt. Mit diesem Hedging-Produkt sollen die wesentlichen Risiken aus Ü20-Windkraftverträgen abgesichert werden können. Im Zentrum steht die Frage, wie sich langfristig die Marktwerte von bundesweiten Onshore-Windenergieanlagen etwa durch den Zubau weiterer Anlagen entwickeln. Wir haben mit dem Geschäftsführer von ane.energy, Ralf Höper, über das neue Produkt und dessen Handel auf dem OTC-Markt gesprochen


EUWID-Interview:
„Teile und herrsche“ – das Paradigma der PPA-Zukunft

 

Grenzen von PPA im Anwendungsbereich Post-EEG

Zwar komme mit dem Auslaufen der EEG-Förderung für ältere Anlagen Bewegung in den deutschen PPA-Markt, meinen Energiemarktanalysten von Aurora Energy Research in einer Studie (Juni 2019). Das in Deutschland vorhandene Potenzial sei aber noch weitgehend ungenutzt. Dabei könnte hierzulande ein gewerblicher Strombedarf mit einem Marktvolumen von 2 Mrd. € über PPAs gedeckt werden.  Ein interessantes Tool für die Bewertung von Post-EEG-Windkraftanlagen könnte der PPA-Atlas sein, den das Beratungsunternehmen enervis auf der Husum Wind 2019 vorgestellt hat.

Dass langfristige Stromverträge Perspektiven für Post-EEG-Anlagen bieten, meinen auch Analysten vom DIW Berlin (September 2019). Dem Papier zufolge können PPAs öffentliche Vergütungsmechanismen für Neuanlagen aber keineswegs ersetzen, da sie zu erheblichen Mehrkosten führten.

Im Rahmen einer Prüfung, ob PPA als mögliche Post-EEG-Alternative in Betracht kommt, lohnt sich auch der Blick auf die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Post-EEG-Strategien. Mehr dazu im Artikel „Sieben Post-EEG-Strategien im Überblick: Pro und Contra von PPA, Regionalstrom, Eigenverbrauch & Co.“ (Oktober 2019)

Die Themen PPA, Post-EEG und Herkunftsnachweise (HKN) sind in Teilen eng miteinander verwoben. In unserem Dossier „Was mache ich mit meiner EEG-Anlage nach dem Ende der Förderung?“ findet sich eine spannende Analyse des Umweltbundesamtes (UBA), die zeigt, warum PPAs eine entscheidende Rolle im HKN-Markt spielen und warum eine Weiterentwicklung des HKN-Systems auch mit Blick auf die Post-EEG-Phase sinnvoll sein könnte. Interessant ist dabei auch die Frage, wie sich die Preise für Herkunftsnachweise in Zukunft entwickeln.

Diskussion um Rahmenbedingungen für PPA in Deutschland

Die Rahmenbedingungen für PPAs geraten mit dem Markthochlauf verstärkt in den Fokus. Als sich die EU-Kommission Mitte Oktober 2021 mit der Frage befasste, was gegen die akut gestiegenen Energiepreise getan werden kann, rückte auch das Thema PPA in den Fokus. Stichworte sind hier die Bündelung der Nachfrage, Standardvertragsklauseln oder die Beseitigung administrativer Hemmnisse. Zuvor hatte auch der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) ganz konkrete Vorschläge für die Förderung von PPA gemacht, um den PV-Ausbau in Deutschland zu stärken. Ende Oktober legte die Marktoffensive Erneuerbare Energien mit einem Positionspapier nach.

Sascha Schröder, Head of Origination Central Europe bei Statkraft, wies bereits im EUWID-Interview von 2018 auf den Umstand hin, dass das Auslaufen von Fördersystemen und „Grid Parity“ als Markttreiber wesentlich sei: „Wenn Projekte in einem Markt unabhängig von Förderungen gebaut werden können, werden diese gebaut werden“, so Schröder (Februar 2019).

Sascha Schröder

EUWID-Interview:
8 Fragen an Statkraft zum Thema PPA: Auslaufen von Fördersystemen als Markttreiber 

Inwiefern die Umstellung von der gleitenden Marktprämie auf eine wettbewerbliche Investitionsförderung zur Stärkung von PPAs in Deutschland beitragen könnte, zeigt die vom Ökoenergie-Anbieter LichtBlick in Auftrag gegebene Studie „Ökostrom 2025“ (April 2019). Sie beleuchtet wie mit Hilfe von PPAs ein Markt für einen nachfragebasierten Ausbau erneuerbarer Energien entstehen kann.

Die Think Tanks Agora Energiewende und Agora Verkehrswende haben im Mai 2019 ein Eckpunktepapier für das Klimaschutzgesetz vorgelegt, in dem sie auch eine Beziehung zwischen einem „zukunftssicheren EEG“ und Power Purchase Agreements aufzeigen. Diese geht unter anderem aus dem für 2030 erklärten Ziel hervor, Erneuerbaren-Projekte marktbasiert zu refinanzieren. Auch auf der Euroforum-Tagung „Post-EEG Vermarktung 2.0“ im November 2019 in Hamburg ging es unter anderem um die Beziehung von PPA und EEG. Tenor: Eine Modifikation des Marktprämiensystems im EEG ist erforderlich, um Power Purchase Agreements für Neuanlagen attraktiver zu machen.  

Welche Standards für einen PPA-Markthochlauf in Deutschland benötigt werden und ob das EEG derzeit überhaupt Raum für PPAs lässt, wurde im Rahmen des Arbeitskreises „Zukunftsenergien” Ende Juni 2021 kontrovers diskutiert. Zu dem digitalen Event hatte das Forum für Zukunftsenergien eingeladen. Es wurden bestehende Hemmnisse bezüglich Standardisierung und Finanzierung aufgezeigt und durch die Politik zu setzenden Rahmenbedingungen zur Beförderung des Markthochlaufs definiert. Mehr dazu in dem Beitrag: „Königsweg der Standardisierung wäre liquide Plattform für PPAs“.

PPAs erfolgreich abschließen

Wenn Sie bis hierhin gelesen haben, dann haben Sie bereits eine Menge über das Marktinstrument Power Purchase Agreement und die Entwicklung im Markt erfahren. Vielleicht ist es genau das was Sie suchen – doch es fehlen Ihnen konkrete Hilfestellungen, um von der Idee bis zur Umsetzung zu gelangen. In diesem Abschnitt wollen wir Ihnen einige Hilfsmittel an die Hand geben, um dem erfolgreichen Abschluss Ihres PPAs ein Stück näher zu kommen.

Schlüssel für ein nachfragegetriebenes Geschäftsmodell ist nicht zuletzt die Preisentwicklung. Im Rahmen einer Kooperation mit dem PPA-Dienstleister Pexapark wertet EUWID wöchentlich die Preisentwicklungen in Deutschland und der EU aus.

Prüfschema für Anlagenbetreiber

Bei der Abwägung, ob sich ein PPA-Vermarktungsmodell lohnt, sind aus Betreibersicht viele Aspekte zu beachten. Dazu haben wir mit den Experten Kai Imolauer und RA Joachim Held von Rödl & Partner gesprochen. Ergebnis ist ein praxisorientiertes Prüfschema, das Anlagenbetreiber bei der Entscheidungsfindung unterstützen kann.

Das Prüfschema beinhaltet sechs Punkte, die es in Bezug zur Anlage bzw. Wirtschaftlichkeit zu bedenken gibt. Die vertragsrechtlichen Anforderungen haben Held und Imolauer in einer Checklist zusammengefasst. Auch wenn die vertragsrechtliche Ausgestaltung eines PPA sehr stark von den individuellen Anforderungen geprägt ist, kann die Checklist im Sinne eines Mindestregelungsumfangs abgearbeitet werden. 

Fair-Value eines PPA

Ein weiterer wesentlicher Aspekt beim Abschluss eines Power Purchase Agreements ist der Fair-Value – der für alle Seiten gerechte Preis. In einem Fachbeitrag für EUWID Neue Energie zeigt Carlos Perez Linkenheil von Energy Brainpool, wie dieser Fair-Value in drei Schritten ermittelt werden kann. Dabei zeigt sich: In Schritt 1 muss ein Maß gefunden werden, mit dem sich der tatsächliche Wert des Solar- oder Windstroms unter gegebenen Marktbedingungen abbilden lässt. In einem zweiten Schritt muss wiederum analysiert werden, wie sich jene Marktgegebenheiten in der Zukunft entwickeln werden. In einem letzten Schritt müssen die Risiken bewertet werden, die mit einem PPA einhergehen und zukünftig bestimmt werden.


Fachbeitrag:
In drei Schritten zum Fair-Value eines (Photovoltaik-) PPA

Wie Unsicherheiten als Teil eines systematischen Spiels quantifiziert und ein „optimales“ PPA bestimmt werden kann, hat uns Luca Pedretti, COO und Co-Founder von Pexapark, an einem Rechenbeispiel aufgezeigt. Im EUWID-Interview erklärte Pedretti, warum Risiken nie verschwinden, sondern lediglich transformiert werden.


EUWID-Interview:
PPA-Markt nicht wegen Preislevel attraktiv – der Risikoappetit macht’s
 

Worauf Finanzierer achten

Was bei der Gestaltung eines PPA aus Finanzierersicht zu beachten ist, darüber hat Inka Klinger von der Hamburg Commercial Bank auf einer Branchenveranstaltung in Berlin gesprochen. Wie die HCB mit Mengen-, Preis- sowie Ausfall-/Leistungsrisiken umgeht, lesen Sie hier. Zu beachten sind bei der Kalkulation von PPA-Verträgen auch Kannibalisierungseffekte. Wie sich das im September 2019 von der Bundesregierung verabschiedete Klimaschutzprogramm 2030 auf entsprechende Kannibalisierungseffekte auswirkt, haben Experten des Beratungshauses enervis analysiert.

Ein Standardvertrag

Die Umweltbank hat ein Konzept für die standardisierte Finanzierung von PPA-Projekten in Deutschland entwickelt und bietet damit erstmals eine EEG-unabhängige Projektfinanzierung an. Hintergrund sei die steigende Nachfrage von industriellen Stromkunden und -händlern nach wirklich grünem Strom. Erste Anlagen wurden bereits mit dem Finanzierungsprodukt errichtet. Doch vorher galt es drei zentrale Herausforderungen zu meistern, wie Thomas Benz, stellvertretender Leiter der Abteilung Energie und Infrastruktur bei der UmweltBank, in einem Fachbeitrag für EUWID Neue Energie erläutert:

Fachbeitrag:
PPAs: „Schnittpunkt von Wirtschaftlichkeit und freier Vermarktung gerade erst erreicht“

Eine konträre Meinung zum Thema Standardvertrag hat Lars Haavik, Director of Power Markets bei Aquila, im Studien-Update „Corporate PPA – Green electricity for corporates“ der Hamburg Commercial Bank (HCOB) aus dem Februar 2021 vertreten. Haavik hält eine Standardisierung von PPA-Verträgen für zunehmend schwieriger, da immer neue Offtaker in Erscheinung treten und Lösungen auf die konkrete Situation und den konkreten Abnehmer zugeschnitten sein müssten. Ein klassisches Dilemma also? Wir haben bei Inka Klinger, Global Head of Infrastructure bei der HCOB, nochmals nachgefragt. Mehr dazu im Beitrag „Das Dilemma mit Power Purchase Agreements: Warum sich ein Standard (noch) nicht durchsetzt“. Warum das Fehlen eines standardisierten Prozesses – insbesondere für kleinere Unternehmen – noch immer als Markthindernis gilt und warum der Aufbau von Plattformen ein Ansatz sein könnte, lesen Sie ebenfalls in dem Beitrag.

PPA-Marktplätze und Plattformen

Wie wichtig eine Plattformstrategie gerade auch im Zusammenhang mit dem Durchbruch von PPAs ist, darauf weist Bernd Weidmann, Geschäftsführer der Online Plattform wind-turbine.com hin. Weidmann sieht eine B2B-Plattformwelle „unaufhaltsam auf uns zurollen“ und warnt: „Wer keine Strategie hat, verliert den Kundenzugang.“ Lesen Sie mehr im Bericht: B2B-Plattformen und Power Purchase Agreements – zwei Megatrends treffen aufeinander.

Ein neues Dienstleistungsangebot hat das Unternehmen enPortal Ende Januar 2021 vorgestellt: Auf einem digitalen PPA-Marktplatz können sich Anlagenbetreiber mit 650 Energielieferanten vernetzen. Hier könne der gesamte Ausschreibungsprozess rund um Power Purchase Agreements standardisiert vollzogen werden. Einen ersten Abschluss auf der Plattform meldeten die Unternehmen Holcim und Getec im August 2021. 

Der Energiekonzern innogy SE stellt nun Teile seines Portfolios an erneuerbaren Energien – rund 770 MW – auf der digitalen Plattform Instatrust von DNV GL zur Verfügung. Instatrust ist als Marktplatz für Power Purchase Agreements konzipiert und verwendet den Angaben zufolge eine Bewertungsmethode, die es potenziellen Abnehmern ermöglicht, Projekte in einem Online-Ausschreibungs-Tool zu prüfen, um Wind- und Solaranlagen einfach zu beschaffen.

Analysen, Standarddokumentationen und Best-Practice-Beispiele für Käufer und Verkäufer bietet auch der PPA-Marktplatz des US-amerikanischen Unternehmens LevelTen Energy. Das Plattform-Angebot wurde erweitert und verfügt seit Herbst 2019 über Projekte in ganz Europa.

Preisentwicklung in Deutschland und der EU

PPA-Preistrends und Deals (powered by Pexapark)

Das Schweizer Unternehmen Pexapark bietet umfassende Beratungs- und Unterstützungsleistungen rund um die Bewertung und Strukturierung von Power Purchase Agreements (PPA) an. In Kooperation mit dem PPA-Dienstleister finden Sie an dieser Stelle die aktuellen Preisentwicklungen für Deutschland und der EU. Die wöchentliche Auswertung erfolgt auf Basis der tagesaktuellen Berechnungen von Pexapark. Hier finden Sie auch eine Übersicht der aktuellsten Deals aus dem PexaQuote PPA Tracker: Kalenderwoche 45.

Um die Preistransparenz im PPA-Markt zu erhöhen, haben die European Energy Exchange (EEX) und Pexapark eine Kooperation vereinbart. „Unsere Kooperation adressiert zwei Barrieren für das Wachstum erneuerbarer PPA, das ist zum einen Preistransparenz und zum anderen Risikomanagement. Wir wollen es den Marktteilnehmern erleichtern, ihre langfristigen Risiken mit Marktinstrumenten im börslichen Großhandel, insbesondere durch EEX-Futures, abzusichern“, erklärt Tobias Paulun, Chief Strategy Officer der EEX. Im Juli 2021 gab die EEX bekannt, dass man ab September neue 10-Jahres-Futures am Markt anbietet – auch dies ein Schritt, der marktliche Lösungen rund um PPAs unterstützt. Einen erster Abschluss mit entsprechenden Langfristfutures meldete die EEX dann Anfang Oktober 2021.

Für den neuen EUWID-Report PPA 2021 hat Energy Brainpool-Experte Carlos Perez Linkenheil die PPA-Preisentwicklung in 2020 skizziert.

Mit den Preisspannen für Corporate PPAs in Europa hat sich BloombergNEF (BNEF) in einer neuen Erhebung befasst. Die Umfrage „1H 2020 European Corporate PPA Price Survey“ kommt zu dem Ergebnis, dass es eine sehr große Bandbreite von bis zu 30 €/MWh gibt.

Covid-19-Special

Die Corona-Pandemie hat die Weltwirtschaft mit voller Wucht getroffen und sorgt für große Unsicherheit. Die Auswirkungen sind noch nicht vollständig abzusehen. Wir haben Experten um eine Einschätzung gebeten: Wie stabil ist der PPA-Markt in Zeiten der allumfassenden Corona-Krise?

Für eine juristische Bewertung der Krise mit Blick auf den PPA-Markt haben wir mit Maximilian Uibeleisen und Simon Groneberg von der in Frankfurt am Main ansässigen Rechtsanwaltskanzlei Ashurst LLP gesprochen. Warum die gegenwärtigen Force Majeure Regelungen und Corona-bedingten Preisvolatilitäten einerseits als Hemmnis für den Abschluss künftiger PPAs angesehen werden können, warum es sich nach Einschätzung von Uibeleisen und Groneberg bei PPAs aber trotz der Corona-Krise um ein tragfähiges Geschäftsmodell handelt, lesen Sie im Interview “Corona: Ein Fall höherer Gewalt unter Power Purchase Agreements?”

Die Analysten von enervis sehen vielschichtige Folgen der Corona-Pandemie auf die Energiewirtschaft zukommen. Zwar dürften laut enervis einzelne PPA-Verträge nun in Frage stehen. Trotzdem sei derzeit (noch) nicht von einer nachhaltigen Schwächung des PPA-Marktes in DE durch COVID-19 auszugehen.

Kurz und prägnant: Die Rubrik PPA Kompakt

Mit „PPA Kompakt“ informiert EUWID Neue Energie über weitere aktuelle nationale und internationale PPA-Abschlüsse. Letzter Beitrag: aream verkauft Solarstrom aus Bayern an RWE (22. Oktober 2021)

Beitragsbild: ©nirutft – stock.adobe.com

2 KOMMENTARE

  1. Sehr geehrter Herr Dr. Gaertner,

    vielen Dank für Ihre Anfrage. Diese lässt sich leider nicht pauschal beantworten. Tendenziell sind es eher größere Anlagen, für die PPAs geschlossen werden. Der erfolgreiche Abschluss ist für kleine Projekte aber keineswegs unmöglich. Das Unternehmen Max Solar hat bspw. zwei kleinere Anlagen mit 1,5 MW und 4,3 MW mittels PPA realisieren können.

    Beste Grüße
    Daniela Pantua

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