Langfristige Stromlieferverträge (Power Purchase Agreements – PPAs) entwickeln sich in Deutschland im Zuge der bevorstehenden Post-EEG-Phase zunehmend zu einer Option für Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen. Dabei können PPAs gerade auch für Neuanlagen interessant sein und sind deshalb mehr als nur eine Post-EEG-Option. Was PPAs sind, welche Ausprägungen es gibt und worauf Anlagenbetreiber achten sollten, erfahren Sie in diesem Dossier. 

Das Dossier wird im Zuge unserer Recherchen fortlaufend aktualisiert.

Letzte Aktualisierung des Dossiers:
11. Januar 2019: Förderfreier Solarstrom – Marktchancen für deutsche Akteure in Spanien

 

Power Purchase Agreement (PPA) – Was ist das?

Quelle: ©momius – stock.adobe.com

Bei einem Power Purchase Agreement (PPA) handelt es sich um einen bilateralen langfristigen Stromliefervertrag, der zwischen einem Verkäufer (Anlagenbetreiber) und einem Käufer (Stromabnehmer – bspw. Energieversorger oder industrieller Großverbraucher) geschlossen wird. Der Vertrag regelt die Lieferung einer Strommenge zu einem festgelegten Preis oder einem gleichwertigen finanziellen Ausgleich. Welche unterschiedlichen Ausprägungen es von PPAs gibt, sehen Sie hier.

Warum gewinnen PPAs an Bedeutung?

Durch das nahende Auslaufen des 20-jährigen EEG-Förderzeitraums werden Power Purchase Agreements als neues Geschäftsmodell für zahlreiche „Altanlagen“ befördert. Allein im Bereich der Onshore-Windenergie fallen in den Jahren 2020 bis 2025 Windenergieanlagen mit einer Leistung von rund 16,3 GW aus der gesetzlichen Förderung.

Darüber hinaus suchen Projektentwickler und Investoren neue Stromvermarktungskonzepte außerhalb des klassischen gesetzlichen Förderrahmens des EEG. So zeigen die jüngsten Auktionsergebnisse für Windenergie an Land, dass die Vergütungen auf der Grundlage des gesetzlichen Förderregimes des EEG in nur kurzer Zeit erodiert sind. Dieser Preisverfall bedingt einen großen wirtschaftlichen Druck unter den Akteuren.

Vorteile von PPAs:

Neben einer vertraglichen Absicherung gegen steigende Strompreise treffen die Vertragsparteien typischerweise auch Vereinbarungen zur Übertragung von Herkunftsnachweisen für den Strom, den der Anlagenbetreiber erzeugt hat. Der Erwerb von Herkunftsnachweisen stellt als „grünes“ Marketinginstrument eine nicht unwesentliche Motivation der abnehmenden Unternehmen zum Abschluss von Power Purchase Agreements dar. 

Zudem bieten PPA-Modelle für Betreiber von EE-Anlagen insbesondere den Vorteil, dass eine Teilnahme an den Ausschreibungen für die Fördertarife nicht erforderlich ist und eine Vermarktung des Stroms auch ohne den Erhalt eines Zuschlags durch die Bundesnetzagentur möglich ist. Darauf haben Experten von Ashurst und Aurora Energy Research in einem gemeinsamen Interview mit EUWID hingewiesen.

EUWID-Interview:

„PPAs bieten im Vergleich zu anderen Post-EEG-Optionen derzeit die größten Potenziale“

Neben der hierdurch u.a. gewonnenen höheren Standortflexibilität – insbesondere von Off-Site und Finanz-PPAs – sind dabei auch die regulatorischen Risiken für die EE-Anlagenbetreiber deutlich geringer. Laut Ashurst fällt bspw. das mit einem Ausschreibungszuschlag verbundene Risiko möglicher Strafzahlungen (sog. Pönalen) bei verspäteter Anlagenrealisierung ebenso weg, wie die Verpflichtung, eine BImSchG-Genehmigung für Onshore-Windenergieanlagen schon vor dem – ungewissen – Erhalt eines Ausschreibungszuschlags einholen zu müssen und dann möglicherweise die Entwicklungskosten später abschreiben zu müssen.

PPA-Verträge haben zusätzlich den Vorteil, dass der Eintritt in den Energiemarkt erleichtert wird. Das Analysehaus Energy Brainpool sieht einen Nutzen sowohl für die Käufer als auch für die Verkäufer in der Diversifizierung der Strombeschaffung bzw. der Abnehmerstruktur. Dementsprechend reduziert sich bei mehreren Käufern oder Verkäufern das Kontrahentenausfallrisiko, falls eine andere Gegenpartei des Käufers oder Verkäufers ihren Verpflichtungen nicht nachkommt.

Herausforderungen bei PPAs:

Zu den zentralen rechtlichen Fallstricken beim Abschluss von Power Purchase Agreements zählen laut den Experten von Ashurst, Maximilian Uibeleisen und Simon Groneberg, die Volatilität und schwankende Marktpreise.

Volatilität: Eine besondere Herausforderung bei der Gestaltung von PPAs über den in EE-Anlagen erzeugten Strom besteht dabei darin, sowohl für den EE-Anlagenbetreiber als auch für den Abnehmer ausgewogene wirtschaftliche Regelungen für den Umgang mit der Volatilität der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu treffen. Diese Regelungen können je nach dem betreffenden Energieträger variieren und etwa bei der Solarenergie detaillierter geregelt sein als etwa bei der Offshore-Windenergie.

Schwankende Marktpreise: Sofern der EE-Anlagenbetreiber und der Abnehmer im PPA etwa einen Festpreis für den Strom (pro kWh) vereinbaren, ist – je nach PPA Modell – zu regeln, welche Partei im Fall einer Abweichung des Festpreises vom Spotmarktpreis das jeweilige Marktpreisrisiko zu tragen und gegebenenfalls zusätzliche Zahlungen an den anderen Vertragspartner zu leisten hat.

Marktentwicklung:

Im internationalen Kontext ist das Geschäftsmodell PPA – vor allem bei Windenergie- und Photovoltaikprojekten – bereits vollständig etabliert. Nennenswerte Beispiele finden sich etwa in Skandinavien, den USA oder auch in Großbritannien. Laut Experten von Rödl & Partner können Power Purchase Agreements langfristig auch für die Strombelieferung von „Power-to-X“-Anlagen, etwa zur Erzeugung von Wasserstoff oder treibhausgasneutralen synthetischen Kraftstoffen interessant sein.

Soft- und Hardwareunternehmen wie Google, Facebook und Microsoft haben auch in Europa bereits Power Purchase Agreements mit Erneuerbaren-Anlagen abgeschlossen. Diese Abschlüsse wurden auch in der deutschen Strombranche zur Kenntnis genommen. So ist das PPA keine Unbekannte mehr hierzulande und setzt sich als Finanzierungsmodell für Erneuerbaren-Projekte zunehmend durch.

Aktuell haben die Unternehmen MVV Energie und Statkraft vermeldet, dass sie Power Purchase Agreements im Rahmen von Post-EEG-Services als Geschäftsmodell etablieren möchten.

Der Asset Manager Luxcara und BayWa r.e. melden erfolgreiche Abschlüsse von PPA-Solarprojekten in Südspanien. Das besondere an dem von BayWa r.e. veräußerten Solarparks “Don Rodrigo” sei, dass „erstmals in Europa ohne jegliche Förderung zu Marktpreisen“ grüner Strom erzeugt werde.

Weitere Meldungen zum deutschen PPA-Markt lesen Sie hier:

Mehr zum internationalen PPA-Markt:

Die verschiedenen Ausprägungen von PPAs:

On-Site PPAs (auch Direktleitungs-PPA): Bei den On-Site PPAs werden die EE-Anlagen typischerweise direkt auf dem Grundstück des Abnehmers oder in dessen unmittelbarer Umgebung durch den EE-Anlagenbetreiber errichtet und betrieben. Die Energielieferung erfolgt über eine Direktleitung zum Abnehmer. Der Strom wird also ohne Inanspruchnahme des öffentlichen Stromnetzes zur Verfügung gestellt und die Bezahlung des Stroms erfolgt auf Grundlage des vertraglich vereinbarten Strompreises. Der Abnehmer wird in aller Regel einen ergänzenden EVU-Stromliefervertrag für Reststrombelieferungen abschließen. Hierbei handelt es sich praktisch gesehen häufig um die einfacheren Modelle, die man auch teilweise schon in der Praxis sieht.

Off-Site PPAs (auch Sleeved-PPA): Bei Off-Site PPAs erfolgt die Erzeugung vom Standort des Abnehmers unabhängig, d.h. der EE-Anlagenbetreiber errichtet und betreibt die EE-Anlage an einem für den jeweiligen Energieträger möglicherweise besonders geeigneten Standort und speist den dort erzeugten Strom in das Netz der allgemeinen Versorgung ein. Der physische Strombezug erfolgt somit über die Nutzung des öffentlichen Stromnetzes und nicht über eine private Direktleitung. Dem EE-Anlagenbetreiber steht es bei entsprechenden Erzeugungskapazitäten offen, mehrere Kunden mittels Off-Site PPAs zu beliefern. Rein physisch erhält der Abnehmer im Rahmen des Off-Site PPAs seinen Strom vollständig aus dem Netz, bilanziell erfolgt die Abrechnung der im PPA vereinbarten Strommenge hingegen durch den EE-Anlagenbetreiber.

Finanz PPAs (auch finanzielles bzw. synthetisches PPA): Bei den Finanz-PPAs sind unterschiedliche Vertragsarten möglich und im Einzelfall zu unterscheiden, allen voran der Contract for Difference (CfD) und Optionsgeschäfte. Die Gemeinsamkeit aller Finanz-PPAs ist, dass es sich um rein finanzielle Verträge zwischen dem EE-Anlagenbetreiber und dem Abnehmer handelt, die weder eine bilanzielle noch eine direkte physische Lieferung von Strom zum Gegenstand haben. Bei einem Contract for Difference wird z.B. typischerweise vereinbart, dass der Abnehmer die Differenz zum PPA-Festpreis zahlt, wenn der Marktpreis unterhalb des PPA-Festpreises liegt. Andersherum zahlt der Anlagenbetreiber die Differenz zum PPA-Festpreis an den Abnehmer, sofern der erzielte Marktpreis über dem PPA-Festpreis liegt. Der EE-Anlagenbetreiber erhält folglich unabhängig vom Marktpreis stets den vereinbarten PPA-Festpreis pro kWh und muss nur die Beträge auskehren, die über den Festpreis hinausgehen.
Quelle: Uibeleisen/Groneberg – Ashurst

 

Titelbildnachweis: ©nirutft – stock.adobe.com

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte Kommentar einfügen!
Bitte geben Sie Ihren Namen hier ein