Langfristige Stromlieferverträge (Power Purchase Agreements – PPAs) entwickeln sich in Deutschland im Zuge der bevorstehenden Post-EEG-Phase zunehmend zu einer Option für Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen. Dabei kann PPA gerade auch für Neuanlagen interessant sein und ist deshalb mehr als nur eine Post-EEG-Option.

Report & Dossier PPA
Report & Dossier PPA

Mit diesem Dossier widmet sich EUWID dem Trendthema Power Purchase Agreement und informiert fortlaufend über die aktuellen Entwicklungen am Markt. „PPA statt EEG? Ein Vermarktungsmodell wechselt auf die Überholspur“ lautet der Titel des Leittextes aus dem neuen EUWID Report, der gemeinsam mit dem vorliegenden Dossier das neue Report & Dossier-Angebot zum Thema Power Purchase Agreements bildet.

Letzte Aktualisierung des Dossiers:
31. März 2020: PPA-Preistrends und Deals (KW 13)

Quelle: ©momius – stock.adobe.com

Power Purchase Agreement (PPA) – Was ist das?

Bei einem Power Purchase Agreement (PPA) handelt es sich um einen bilateralen langfristigen Stromliefervertrag, der zwischen einem Verkäufer (Anlagenbetreiber) und einem Käufer (Stromabnehmer – bspw. Energieversorger oder industrieller Großverbraucher) geschlossen wird. Der Vertrag regelt die Lieferung einer Strommenge zu einem festgelegten Preis oder einem gleichwertigen finanziellen Ausgleich.

Warum gewinnt PPA an Bedeutung?

Durch das nahende Auslaufen des 20-jährigen EEG-Förderzeitraums werden Power Purchase Agreements als neues Geschäftsmodell für zahlreiche „Altanlagen“ befördert. Allein im Bereich der Onshore-Windenergie fallen in den Jahren 2020 bis 2025 Windenergieanlagen mit einer Leistung von rund 16,3 GW aus der gesetzlichen Förderung.

Darüber hinaus suchen Projektentwickler und Investoren neue Stromvermarktungskonzepte außerhalb des klassischen gesetzlichen Förderrahmens des EEG. So zeigen die jüngsten Auktionsergebnisse für Windenergie an Land, dass die Vergütungen auf der Grundlage des gesetzlichen Förderregimes des EEG in nur kurzer Zeit erodiert sind. Dieser Preisverfall bedingt einen großen wirtschaftlichen Druck unter den Akteuren.

Vorteile von PPA

Neben einer vertraglichen Absicherung gegen steigende Strompreise treffen die Vertragsparteien typischerweise auch Vereinbarungen zur Übertragung von Herkunftsnachweisen für den Strom, den der Anlagenbetreiber erzeugt hat. Der Erwerb von Herkunftsnachweisen stellt als „grünes“ Marketinginstrument eine nicht unwesentliche Motivation der abnehmenden Unternehmen zum Abschluss von Power Purchase Agreements dar. 

Geschäftsmodell Power Purchase Agreement (PPA):
Report + Dossier im Einzelverkauf
Welche Chancen bringt PPA für die Erneuerbaren-Branche?
Power Purchase Agreements – PPAs – sind derzeit in aller Munde. EUWID bietet zum Trendthema ein neues Infopaket an. Die Inhalte des EUWID-Dossiers zu Power Purchase Agreements können ab sofort ohne Abo-Verpflichtung im Einzelverkauf erworben werden. Das entsprechende Paket besteht aus dem digitalen Vollzugriff auf alle Berichte (und spätere Aktualisierungen) im Dossier für einen Zeitraum von einem Jahr und der Printausgabe des EUWID-Reports „Power Purchase Agreements“. Weitere Informationen zum PPA-Paket finden Sie hier.

Zudem bieten PPA-Modelle für Betreiber von EE-Anlagen insbesondere den Vorteil, dass eine Teilnahme an den Ausschreibungen für die Fördertarife nicht erforderlich ist und eine Vermarktung des Stroms auch ohne den Erhalt eines Zuschlags durch die Bundesnetzagentur möglich ist. Darauf haben Experten von Ashurst und Aurora Energy Research in einem gemeinsamen Interview mit EUWID hingewiesen.

EUWID-Interview:

„PPAs bieten im Vergleich zu anderen Post-EEG-Optionen derzeit die größten Potenziale“

Neben der hierdurch u.a. gewonnenen höheren Standortflexibilität – insbesondere von Off-Site und Finanz-PPAs – sind dabei auch die regulatorischen Risiken für die EE-Anlagenbetreiber deutlich geringer. Laut Ashurst fällt bspw. das mit einem Ausschreibungszuschlag verbundene Risiko möglicher Strafzahlungen (sog. Pönalen) bei verspäteter Anlagenrealisierung ebenso weg, wie die Verpflichtung, eine BImSchG-Genehmigung für Onshore-Windenergieanlagen schon vor dem – ungewissen – Erhalt eines Ausschreibungszuschlags einholen zu müssen und dann möglicherweise die Entwicklungskosten später abschreiben zu müssen.

PPA-Verträge haben zusätzlich den Vorteil, dass der Eintritt in den Energiemarkt erleichtert wird. Das Analysehaus Energy Brainpool sieht einen Nutzen sowohl für die Käufer als auch für die Verkäufer in der Diversifizierung der Strombeschaffung bzw. der Abnehmerstruktur. Dementsprechend reduziert sich bei mehreren Käufern oder Verkäufern das Kontrahentenausfallrisiko, falls eine andere Gegenpartei des Käufers oder Verkäufers ihren Verpflichtungen nicht nachkommt.

Herausforderungen bei PPAs

Zu den zentralen rechtlichen Fallstricken beim Abschluss von Power Purchase Agreements zählen laut den Experten von Ashurst, Maximilian Uibeleisen und Simon Groneberg, die Volatilität und schwankende Marktpreise.

Volatilität: Eine besondere Herausforderung bei der PPA-Gestaltung über den in EE-Anlagen erzeugten Strom besteht dabei darin, sowohl für den EE-Anlagenbetreiber als auch für den Abnehmer ausgewogene wirtschaftliche Regelungen für den Umgang mit der Volatilität der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu treffen. Diese Regelungen können je nach dem betreffenden Energieträger variieren und etwa bei der Solarenergie detaillierter geregelt sein als etwa bei der Offshore-Windenergie.

Schwankende Marktpreise: Sofern der EE-Anlagenbetreiber und der Abnehmer im PPA etwa einen Festpreis für den Strom (pro kWh) vereinbaren, ist – je nach PPA Modell – zu regeln, welche Partei im Fall einer Abweichung des Festpreises vom Spotmarktpreis das jeweilige Marktpreisrisiko zu tragen und gegebenenfalls zusätzliche Zahlungen an den anderen Vertragspartner zu leisten hat. Inwiefern negative Strompreise Einfluss auf die PPA-Vermarktung haben, zeigt eine Analyse des Beratungsunternehmens enervis.

Langfristige Perspektive: Die langfristige Struktur von PPA-Verträgen ist als solche eine Herausforderung für den Abschluss. Im gegenwärtigen rechtlichen Rahmen gibt es Schranken für langfristige Verträge im Zusammenhang mit dem AGB-Recht, auch auf Vermarktungsseite sehen etwa die Strombörsen einen Bedarf für langfristige Vertragsinstitutionen. Bezogen auf jeden einzelnen Abschluss stellt sich die Frage nach der wirtschaftlich optimalen Laufzeit der PPA-Konstrukte. Sie ist Dreh- und Angelpunkt eines jeden Power Purchase Agreements. Im Schnitt werden PPA-Verträge für eine Laufzeit von 10 bis 15 Jahren geschlossen. Im Hinblick auf den deutschen Markt können sich aber auch deutlich kürzere Zeiträume zwischen 3 und 5 Jahren ergeben. Gerade wenn sie als Post-EEG-Lösung Anwendung finden. 

PPA in der Praxis: Von der Idee zur Umsetzung

Bei der Abwägung, ob sich ein PPA-Vermarktungsmodell lohnt, sind aus Betreibersicht viele Aspekte zu beachten. Dazu haben wir mit den Experten Kai Imolauer und RA Joachim Held von Rödl & Partner gesprochen. Ergebnis ist ein praxisorientiertes Prüfschema, das Anlagenbetreiber bei der Entscheidungsfindung unterstützen kann.

Das Prüfschema beinhaltet sechs Punkte, die es in Bezug zur Anlage bzw. Wirtschaftlichkeit zu bedenken gibt. Die vertragsrechtlichen Anforderungen haben Held und Imolauer in einer Checklist zusammengefasst. Auch wenn die vertragsrechtliche Ausgestaltung eines PPA sehr stark von den individuellen Anforderungen geprägt ist, kann die Checklist im Sinne eines Mindestregelungsumfangs abgearbeitet werden.

 

 

 

Ein weiterer wesentlicher Aspekt beim Abschluss eines Power Purchase Agreements ist der Fair-Value – der für alle Seiten gerechte Preis. In einem Fachbeitrag für EUWID Neue Energie zeigt Carlos Perez Linkenheil von Energy Brainpool, wie dieser Fair-Value in drei Schritten ermittelt werden kann. Dabei zeigt sich: In Schritt 1 muss ein Maß gefunden werden, mit dem sich der tatsächliche Wert des Solar- oder Windstroms unter gegebenen Marktbedingungen abbilden lässt. In einem zweiten Schritt muss wiederum analysiert werden, wie sich jene Marktgegebenheiten in der Zukunft entwickeln werden. In einem letzten Schritt müssen die Risiken bewertet werden, die mit einem PPA einhergehen und zukünftig bestimmt werden.

Was bei der Gestaltung eines PPA aus Finanzierersicht zu beachten ist, darüber hat Inka Klinger von der Hamburg Commercial Bank auf einer Branchenveranstaltung in Berlin gesprochen. Wie die HCB mit Mengen-, Preis- sowie Ausfall-/Leistungsrisiken umgeht, lesen Sie hier. Zu beachten sind bei der Kalkulation von PPA-Verträgen auch Kannibalisierungseffekte. Wie sich das im September 2019 von der Bundesregierung verabschiedete Klimaschutzprogramm 2030 auf entsprechende Kannibalisierungseffekte auswirkt, haben Experten des Beratungshauses enervis analysiert.

Die Umweltbank hat ein Konzept für die standardisierte Finanzierung von PPA-Projekten in Deutschland entwickelt und bietet damit erstmals eine EEG-unabhängige Projektfinanzierung an. Hintergrund sei die steigende Nachfrage von industriellen Stromkunden und -händlern nach wirklich grünem Strom. Erste Anlagen wurden bereits mit dem Finanzierungsprodukt errichtet. Doch vorher galt es drei zentrale Herausforderungen zu meistern, wie Thomas Benz, stellvertretender Leiter der Abteilung Energie und Infrastruktur bei der UmweltBank, in einem Fachbeitrag für EUWID Neue Energie erläutert: Analysen, Standarddokumentationen und Best-Practice-Beispiele für Käufer und Verkäufer bietet auch der PPA-Marktplatz des US-amerikanischen Unternehmens LevelTen Energy. Das Plattform-Angebot wurde erweitert und verfügt seit Herbst 2019 über Projekte in ganz Europa.

Mit dem Wachstum des Marktes gewinnen auch Plattformen und Dienstleister an Bedeutung, die beide Marktseiten miteinander verbinden. Der Energiekonzern innogy SE stellt nun Teile seines Portfolios an erneuerbaren Energien – rund 770 MW – auf der digitalen Plattform Instatrust von DNV GL zur Verfügung. Instatrust ist als Marktplatz für Power Purchase Agreements konzipiert und verwendet den Angaben zufolge eine Bewertungsmethode, die es potenziellen Abnehmern ermöglicht, Projekte in einem Online-Ausschreibungs-Tool zu prüfen, um Wind- und Solaranlagen einfach zu beschaffen.

 

Pexapark-COO und Co-Founder Luca Pedretti (Bildquelle: Pexapark)

Das Schweizer Unternehmen Pexapark bietet umfassende Beratungs- und Unterstützungsleistungen rund um die Bewertung und Strukturierung von Power Purchase Agreements (PPA) an. Warum Risiken nie verschwinden, sondern lediglich transformiert werden, erklärt Luca Pedretti, COO und Co-Founder von Pexapark im Interview. An einem Rechenbeispiel für EUWID Neue Energie simuliert Pedretti, wie Unsicherheiten als Teil eines systematischen Spiels quantifiziert und ein „optimales“ PPA bestimmt werden kann.

 

PPA-Preistrends und Deals (powered by Pexapark)

Der Abwärtstrend bei den europäischen Märkten für erneuerbare Energien hat sich in der Kalenderwoche 13 deutlich verlangsamt. So war lediglich ein moderater Rückgang um 0,3 Prozent auf 33,35 €/MWh (-0,11 €) zu verzeichnen. Der Index PEXA Skandinavien wies mit einem Rückgang um 5,2 Prozent auf 21,31 €/MWh (-1,18 €) die größte Veränderung auf (Stand: 27. März 2020).

Marktentwicklung

Im internationalen Kontext ist das Geschäftsmodell PPA – vor allem bei Windenergie- und Photovoltaikprojekten – bereits vollständig etabliert. Nennenswerte Beispiele finden sich etwa in Skandinavien, den USA oder auch in Großbritannien. Laut Experten von Rödl & Partner können Power Purchase Agreements langfristig auch für die Strombelieferung von „Power-to-X“-Anlagen, etwa zur Erzeugung von Wasserstoff oder treibhausgasneutralen synthetischen Kraftstoffen interessant sein.

Soft- und Hardwareunternehmen wie Google, Facebook und Microsoft haben auch in Europa bereits Power Purchase Agreements mit Erneuerbaren-Anlagen abgeschlossen. Diese Abschlüsse wurden auch in der deutschen Strombranche zur Kenntnis genommen. So ist das PPA keine Unbekannte mehr hierzulande und setzt sich als Finanzierungsmodell für Erneuerbaren-Projekte zunehmend durch.

Globales PPA-Volumen wächst – europäischer Anteil nimmt deutlich zu

Einer aktuellen Analyse von enervis zufolge hat sich die Pipeline an europäischen Corporate- und Utility-PPA-Projekten 2019 deutlich vergrößert (vgl. auch die Zahlen zur Marktentwicklung des europäischen Windenergieverbandes WindEurope für das Jahr 2018) . Weltweit wurden 2018 13,4 GW im Rahmen von langfristigen Stromabnahmeverträgen registriert, wie eine Analyse von BloombergNEF zeigt. Bis Ende des Jahres 2019 ist das Volumen an Corporate PPA-Projekten sogar auf rund 19,5 GW gestiegen – ein Anstieg um mehr als 40 Prozent gegenüber 2018 (die Halbjahreszaheln für 2019 finden Sie hier).

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Solarparkgelände Don Rodrigo (Bildnachweis: BayWa r.e.)

Der Asset Manager Luxcara und BayWa r.e. melden erfolgreiche Abschlüsse von PPA-Solarprojekten in Südspanien. Das besondere an dem von BayWa r.e. veräußerten Solarparks „Don Rodrigo“ sei, dass „erstmals in Europa ohne jegliche Förderung zu Marktpreisen“ grüner Strom erzeugt werde. Nur etwas mehr als ein halbes Jahr später kündigt BayWa r.e. den Bau von „Don Rodrigo 2“ an und gibt hierfür den Abschluss eines PPAs mit Statkraft bekannt. Auch für Statkraft ist der spanische Markt hochattrakiv. Im Januar 2019 vermeldete der norwegische Staatskonzern einen Megadeal mit Fortia Energie.

Im Februar wurde der bislang weltweit größte PPA-Vertrag im Solarsektor zwischen dem spanischen Energieversorger Audax Renovables und dem irischen Unternehmen Welink Investment Holdings geschlossen. Das Projekt betrifft PV-Anlagen in Spanien und Portugal mit einer Gesamtleistung von 708 MWp. Das bis dato größte PPA am spanischen Markt haben Audax und Statkraft Mitte 2019 unterzeichnet.

Auch der französische PPA-Markt nimmt zunehmend an Fahrt auf. Mitte 2019 meldete der Bahnbetreiber SNCF den Abschluss eines Corporate PPA über den Bezug von Strom aus drei Solarparks mit einer Leistung von 143 MW. Es soll nur der Anfang sein, schon in den nächsten Jahren will die Gruppe ein Vielfaches der Größenordnung des ersten PPA kontrahieren.

Anfang November teilten die deutschen Energieriesen E.ON und RWE Renewables mit, dass sie sich auf ein PPA über den Kauf der Stromproduktion aus mehr als 20 britischen Windparks geeinigt haben. Dabei kauft E.ON jährlich rund drei TWh Strom aus Windparks in Großbritannien, die RWE betreibt.

Für den Wind- und Solarparkbetreiber Encavis wird der Einstieg in das Geschäft mit Power Purchase Agreements (PPA) im Geschäftsjahr 2020 einen starken Einfluss auf die Unternehmensentwicklung haben. Das teilte der Vorstand bei Vorlage des Geschäftsberichts 2019 mit. Perspektivisch will Encavis PPA ausbauen und hat dabei neben Spanien – mit seinen Großprojekten Talayuela (300 MW) und Cabrera (200 MW) – auch Italien, Deutschland und Dänemark im Blick.

Deutscher Markt entwickelt sich immer dynamischer

Power Purchase Agreements haben inzwischen aber auch den deutschen Markt erreicht. Ende 2018 meldete Statkraft den Abschluss eines ersten Wind-PPAs in Deutschland. Weitere PPAs im Bereich Windenergie folgten, insbesondere für Post-EEG-Anlagen. Im September 2019 machte die Deutsche Bahn ein erstes Offshore-Wind-PPA öffentlich: Strom aus dem Offshore-Windpark Nordsee Ost soll dazu beitragen, dass die Bahn ihre Ökostromziele erreicht. Im Oktober startete die DB Energie eine europaweite Ausschreibung, mit der sich der Energieversorger der Deutschen Bahn auf die Suche nach Vertragspartnern für den Abschluss von Green PPAs macht. Die abgefragte Leistung beläuft sich auf insgesamt 500 GWh.

Die Windenergie hat den Anfang gemacht, spannend wird der PPA-Markt aber auch und besonders für den Bereich der Solarstromerzeugung. Anfang 2019 kam von EnBW und Energiekontor die Information, dass sich die Unternehmen auf ein PPA im Bereich der Photovoltaik geeinigt haben – auch das eine Premiere für den deutschen Markt. Ein weiteres PV-Projekt ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Östlich von Stralsund baut BayWa r.e. ihren ersten förderfreien 8,8-MW-Solarpark, der bereits im September 2019 in Betrieb genommen werden soll. Nach Einschätzung des norwegischen Solarkonzerns REC könnte das Jahr 2020 erstmals Solar-PPAs im größeren Stil bringen.

Im August 2019 kündigten die THEE und CEE Group PV-Freiflächen-Projekte mit einer Gesamtkapazität von 500 MW an. Diese sollen schrittweise ab dem Jahr 2020 umgesetzt werden. Darüber hinaus haben Centrica Energy Trading und Enovos Deutschland im August den Abschluss eines PPA für eine 4-MW-Solaranlage bekannt gegeben. Im Oktober erreichte uns die Meldung des baden-württembergischen Solarparkentwicklers hep, dass das Unternehmen zwei PPAs für Projekte in den USA mit dem Energieversorger Duke Energy unterzeichnet hat. Die Projekte in North und South Carolina sollen eine kombinierte Kapazität von 8,7 MW haben.

Nun bringen auch Genossenschaften das Thema PPA voran. Anfang März teilten der Energieversorger EWS Elektrizitätswerke Schönau eG und die Energiegenossenschaft InnSalzach eG (EGIS) mit, dass sie die direkte Lieferung von Solarstrom über ein Power Purchase Agreement vereinbart haben. Produziert wird der Strom im neu errichteten EGIS-Solarpark im niederbayerischen Unterdietfurt. Die Gesamtleistung der Anlage beträgt knapp 4,3 MWp.

Wie der Markt für subventionsfreien Strom aus erneuerbaren Energien in Deutschland und Europa derzeit aussieht und welche Akteure bislang in Erscheinung getreten sind, zeigt eine Projektübersicht von EUWID (Stand: August 2019).

Das Beratungsunternehmen enervis hat in einer Referenzstudie die PV-Finanzierung aus Strommarkterlösen analysiert. Enervis prognostiziert deutliche Zuwächse von großen Freiflächen-PV-Anlagen, die allein durch Strommarkterlöse finanziert werden und keine Förderung aus dem EEG mehr erhalten. Energiekontor geht sogar davon aus, dass sich der Energieerzeugungsmarkt durch PPAs „dramatisch verändern“ wird.

Mit der ersten breit angelegten Marktbefragung zu Corporate Green PPAs ist es der dena gelungen, ein umfassendes Meinungsbild für Deutschland zu bekommen. Ergebnis des dena-Marktmonitors 2030: PPAs sind mehr als ein Hype – nahezu alle Marktakteure sehen PPAs als wichtiges zukünftiges Marktmodell für erneuerbare Energien. Die Umfrage hat aber auch Hindernisse identifiziert, die aus Branchensicht die Entwicklung eines PPA-Marktes erschweren. In ihrer jüngsten Analyse zu Corporate Green PPAs arbeitet die dena etwa heraus, dass die Strompreiskompensation aus Sicht der energieintensiven Industrie der entscheidende Faktor ist, wenn der Bezug von grünem Strom über PPAs wirtschaftlich sein soll.

Perspektiven für die Post-EEG-Phase

Bildnachweis: PNE AG

Gerade hierzulande bieten sich attraktive Perspektiven für PPA im Bereich von Post-EEG-Lösungen. Aktiv treten hier auch Unternehmen wie die MVV Energie an den Markt, die Power Purchase Agreements im Rahmen von Post-EEG-Services als Geschäftsmodell etablieren möchten. In diesem Kontext hat die PNE AG ihren ersten PPA-Abschluss für den deutschen Windpark „Papenrode“ bekannt gegeben. Der hier erzeugte Strom geht ab dem 1. Januar 2021 an die in Hamburg ansässige Lichtblick SE.

Im Vorfeld der Windbranchenmesse Husum Wind im September 2019 ist der wachsende Wettbewerb der Branche um Post-EEG-Kunden deutlich erkennbar gewesen. Auch und besonders PPA-Lösungen werden dabei an den Markt gebracht. Konkrete Projekte meldeten die Ökoenergieversorger Naturstrom und Greenpeace Energy. Greenpeace Energy sucht dabei die langfristige Kooperation mit der Enercon-Tochter Quadra Energy in Sachen Green PPA.

Eine nächste Stufe für die Verbindung von PPA und Post-EEG-Ansätzen zeigt ein umfassender Versorgungsvertrag für deutsche Standorte des Automobilkonzerns Daimler. Das von Statkraft entwickelte Konzept sichert die Gleichzeitigkeit von (Grün-)Stromangebot und industriellem Stromverbrauch. In das Vorhaben will Statkraft Post-EEG-Windenergieanlagen und förderfreie PV-Parks einbinden – das Unternehmen befindet sich hier in Verhandlungen mit Betreibern von Post-EEG-Anlagen im Gigawatt-Leistungsbereich.

Grenzen von PPA im Anwendungsbereich Post-EEG

Dass langfristige Stromverträge Perspektiven für Post-EEG-Anlagen bieten, meinen auch Analysten vom DIW Berlin. Dem Papier zufolge können PPAs öffentliche Vergütungsmechanismen für Neuanlagen aber keineswegs ersetzen, da sie zu erheblichen Mehrkosten führten.

Zwar komme mit dem Auslaufen der EEG-Förderung für ältere Anlagen Bewegung in den deutschen PPA-Markt, meinen Energiemarktanalysten von Aurora Energy Research in einer neuen Studie. Das in Deutschland vorhandene Potenzial sei aber noch weitgehend ungenutzt. Dabei könnte hierzulande ein gewerblicher Strombedarf mit einem Marktvolumen von 2 Mrd. € über PPAs gedeckt werden.  Ein interessantes Tool für die Bewertung von Post-EEG-Windkraftanlagen könnte der PPA-Atlas sein, den das Beratungsunternehmen enervis auf der Husum Wind vorstellen wird.

Im Rahmen einer Prüfung, ob PPA als mögliche Post-EEG-Alternative in Betracht kommt, lohnt sich auch der Blick auf die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Post-EEG-Strategien. Mehr dazu im Artikel „Sieben Post-EEG-Strategien im Überblick: Pro und Contra von PPA, Regionalstrom, Eigenverbrauch & Co.

Die Themen PPA, Post-EEG und Herkunftsnachweise (HKN) sind in Teilen eng miteinander verwoben. In unserem Dossier „Was mache ich mit meiner EEG-Anlage nach dem Ende der Förderung?“ findet sich eine spannende Analyse des Umweltbundesamtes (UBA), die zeigt, warum PPAs eine entscheidende Rolle im HKN-Markt spielen und warum eine Weiterentwicklung des HKN-Systems auch mit Blick auf die Post-EEG-Phase sinnvoll sein könnte. Interessant ist dabei auch die Frage, wie sich die Preise für Herkunftsnachweise in Zukunft entwickeln.

Diskussion um Rahmenbedingungen für PPA in Deutschland

Im Interview mit EUWID hat Sascha Schröder, Head of Origination Central Europe bei Statkraft, unsere Fragen zu aktuellen Trends an den PPA-Märkten beantwortet. Das Auslaufen von Fördersystemen und „Grid Parity“ wertet er als Markttreiber: „Wenn Projekte in einem Markt unabhängig von Förderungen gebaut werden können, werden diese gebaut werden“, so Schröder.

Die Think Tanks Agora Energiewende und Agora Verkehrswende haben im Mai 2019 ein Eckpunktepapier für das Klimaschutzgesetz vorgelegt, in dem sie auch eine Beziehung zwischen einem „zukunftssicheren EEG“ und Power Purchase Agreements aufzeigen. Diese geht unter anderem aus dem für 2030 erklärten Ziel hervor, Erneuerbaren-Projekte marktbasiert zu refinanzieren. Auch auf der Euroforum-Tagung „Post-EEG Vermarktung 2.0“ im November 2019 in Hamburg ging es unter anderem um die Beziehung von PPA und EEG. Tenor: Eine Modifikation des Marktprämiensystems im EEG ist erforderlich, um Power Purchase Agreements für Neuanlagen attraktiver zu machen.

Inwiefern die Umstellung von der gleitenden Marktprämie auf eine wettbewerbliche Investitionsförderung zur Stärkung von PPAs in Deutschland beitragen könnte, zeigt auch die vom Ökoenergie-Anbieter LichtBlick in Auftrag gegebene Studie „Ökostrom 2025“. Sie beleuchtet wie mit Hilfe von PPAs ein Markt für einen nachfragebasierten Ausbau erneuerbarer Energien entstehen kann.

Weitere Meldungen zum deutschen PPA-Markt lesen Sie hier:

Mehr zum internationalen PPA-Markt:

Mit „PPA Kompakt“ informiert EUWID Neue Energie kurz und prägnant über weitere aktuelle nationale und internationale PPA-Abschlüsse. Letzte Beiträge: innogy-Solarkraftwerk versorgt West Fraser / European Energy liefert 3 TWh an RWE

Beitragsbild: ©nirutft – stock.adobe.com

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