Fragen und Antworten zu den geplanten gemeinsamen Wind- und Solarausschreibungen

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Gemeinsam mit dem Verordnungsentwurf für KWK-Ausschreibungen hat das Bundeskabinett im Rahmen einer Mantelverordnung auch den Weg für gemeinsame Ausschreibungen für Wind- und Solaranlagen frei gemacht. Fragen und Antworten zu den gemeinsamen Ausschreibungen sind hier zu finden:

Wann sollen gemeinsame Ausschreibungen stattfinden?

Der Verordnung zufolge werden von der Bundesnetzagentur in den Jahren 2018 bis 2020 gemeinsame Ausschreibungen durchgeführt.

Welchen Umfang sollen die gemeinsamen Ausschreibungen haben?

Die Verordnung sieht vor, dass die Bundesnetzagentur in den Jahren 2018 bis 2020 jährlich gemeinsame Ausschreibungen von Windenergieanlagen an Land und Solaranlagen im Umfang von 400 MW durchführt. Dazu gibt es jährlich zwei Gebotstermine mit einem Ausschreibungsvolumen von jeweils 200 MW. Die gemeinsamen Ausschreibungen gelten nur für Anlagen, die größer als 750 kW sind. Die in den gemeinsamen Ausschreibungen bezuschlagte installierte Leistung von Windenergieanlagen an Land und Solaranlagen wird im Folgejahr jeweils bei den Ausschreibungsvolumina der energieträgerspezifischen Ausschreibungen abgezogen.

Wie wird ermittelt, wer bei den Ausschreibungen den Zuschlag erhält?

Zu den Gebotsterminen können die Betreiber von Windenergieanlagen an Land und Solaranlagen für ihre Anlagen Gebote abgeben. Die Gebote werden dann energieträgerübergreifend gereiht und in aufsteigender Reihenfolge beginnend mit dem günstigsten Gebot bezuschlagt.

Welche Ausschreibungsbedingungen gelten im Zuge der gemeinsamen Ausschreibungen?

In den gemeinsamen Ausschreibungen gelten grundsätzlich für die Anlagen beider Energieträger jeweils die Ausschreibungsbedingungen der energieträgerspezifischen Ausschreibungen für die Anlagen des jeweiligen Energieträgers. So ist der Zubau von Windenergieanlagen an Land im Netzausbaugebiet auf rund 130 Megawatt pro Jahr beschränkt (§ 36c EEG 2017). Nicht anwendbar sind dagegen das Referenzertragsmodell nach § 36h EEG 2017 für Windenergieanlagen an Land und die besonderen Ausschreibungsbestimmungen für Bürgerenergiegesellschaften nach § 36g EEG 2017.

Wird im Zuge der Ausschreibungen der Status des Netzausbaus berücksichtigt?

Im Zuge der Ausschreibungen wird ein neues Instrument, die sogenannte Verteilernetzkomponente, eingeführt. Sie soll – ebenso wie das Netzausbaugebiet – dazu beitragen, dass die Netz- und Systemintegrationskosten in den gemeinsamen Ausschreibungen berücksichtigt werden. Dazu werden zunächst die Gebiete ermittelt, in denen zusätzliche Erneuerbare-Energien-Anlagen einen Verteilernetzausbaubedarf auslösen (Verteilernetzausbaugebiete). Gebote für Windenergieanlagen an Land oder Solaranlagen in diesen Gebieten werden bei der Gebotsreihung mit einem Aufschlag belegt, der Verteilernetzkomponente. Dadurch verringern sich die Zuschlagschancen für diese Gebote und damit die Zubaugeschwindigkeit in den Verteilernetzausbaugebieten. Die Verteilernetzkomponente hat aber keine Auswirkung auf die anlagenspezifische Vergütung, da sich die Vergütung nach dem angegebenen Gebotswert richtet.

Welche Besonderheiten gibt es noch?

In den Jahren 2019 und 2020 werden für Strom aus Windenergieanlagen an Land regional differenzierte Höchstwerte eingeführt. Diese sollen sicherstellen, dass bei den Ausschreibungen ohne Referenzertragsmodell keine überhöhten Renditen erwirtschaftet werden.

Was soll mit den gemeinsamen Ausschreibungen erreicht werden?

Ziel von gemeinsamen Ausschreibungen ist es, für eine bestimmte Stromerzeugungsleistung eine möglichst geringe Förderung zu gewähren. Damit sollen die Wirtschaftlichkeitspotenziale nicht zuletzt mit Blick auf die Stromkostenbelastung der Endverbraucher gehoben werden. Dadurch, dass sich Wind- und Solaranlagenbetreiber gegenseitig zu unterbieten versuchen, steigt der Wettbewerb um die vergebene Kapazität und die Zuschlagspreise sinken.

Warum sind die gemeinsamen Ausschreibungen dann umstritten?

Kritiker der gemeinsamen Ausschreibungen befürchten, dass sich eine Technologie komplett durchsetzen könnte. Zwar wären dann die Förderkosten minimiert, aber in einer Gesamtbetrachtung könnten suboptimale Ergebnisse entstehen, etwa, wenn nur Windkraftanlagen in Norddeutschland errichtet werden und der Netzausbaubedarf höher ausfällt als er es wäre, wenn der Zubau regional verteilt erfolgt. Das Bundeswirtschaftsministerium selbst hält im Übrigen technologiespezifische Ausschreibungen für den besseren Weg. Das Testen der gemeinsamen Ausschreibungen ist eine Vorgabe der EU-Kommission.

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