„Förderung Erneuerbarer nicht die Hauptursache für aktuell niedrige CO2-Preise“

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Europäische Wissenschaftler haben sich in der Debatte um die Förderung erneuerbarer Energien mit einer überraschenden Erkenntnis zu Wort gemeldet: Die Energiewende wird billiger, wenn die Förderung nicht zu früh gestoppt wird.

Zu diesem Ergebnis kommt der Forschungsbericht “Do almost mature renewable energy technologies still need dedicated support towards 2030?” von Experten des Fraunhofer ISI und weiterer europäischer Forschungseinrichtungen. EUWID hat mit Projektleiterin Dr. Anne Held vom Fraunhofer ISI gesprochen.

Sehr geehrte Frau Dr. Held, der jetzt vorgelegte Bericht im Rahmen des „Towards2030-dialogue“ spricht sich klar für eine Fortsetzung der Förderung für Erneuerbaren-Technologien mit hoher Marktreife aus. Wie kann es sein, dass eine Förderung der Erneuerbaren zu geringeren Kosten für die Energiewende führt?

Der Grund für die Kostensenkungen bei dezidierter Förderung liegt in der Senkung der Kapitalkosten bei der Gewährung von (auktionierten) Langfristverträgen. Solche festen Vergütungen begrenzen künftige Erlösrisiken, weil hiermit die Unsicherheiten bzgl. künftiger Preisentwicklungen fossiler Energieträger, von CO2 oder bzgl. der Stromnachfrage nicht durch die Investoren in erneuerbare Energien getragen werden müssen.

Geringere Erlösrisiken führen zu geringeren Renditeerwartungen von Investoren und somit zu einer Reduktion der Kosten der Systemtransformation. Aufgrund der Kostenstruktur erneuerbarer Energien mit höherem Investitionsbedarf und vernachlässigbaren variablen Kostenbestandteilen haben Finanzierungskosten einen höheren Einfluss auf die Stromerzeugungskosten Erneuerbarer Technologien als bei konventionellen Energietechnologien.

Kritiker halten Fördersysteme wie das EEG für redundant, da eine Unterstützung der Erneuerbaren hierzulande über sinkende Zertifikatepreise die Anreize zum Ausbau der Erneuerbaren in anderen EU-Ländern senkt. In dem Bericht heißt es dagegen, dass es keinen Konflikt gibt zwischen Erneuerbaren-Förderung und Emissionshandel gebe. Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Erneuerbare Energien müssen europaweit ausgebaut werden auch um die langfristigen Ziele (z.B. bis 2050) der Emissionsminderung zu erreichen. Emissionshandel und Förderung erneuerbarer Energien sind durch das Energie- und Klimapaket für 2020 und nun durch das sogenannte Winterpaket bis 2030 konkretisiert und auch koordiniert. Dies bedeutet, dass die Preiswirkung erneuerbarer Energien auf die ETS-Preise bereits für die Definition der Emissionsreduktionsziele und für das Design des Instruments berücksichtigt sind.

Wesentliche Interaktionen zwischen Erneuerbaren-Förderung und ETS im Design der Instrumente eingeplant

Bis 2020 gibt es Nationale Erneuerbare Energien Pläne, bzgl. derer sich z.B. für Deutschland keine deutliche Übererfüllung der Ziele abzeichnet. Wenn alle Länder die nationalen Ziele entsprechend der Richtlinie für 2020 erreichen und weiterhin eine kollektive Zielerreichung bis 2030 realisieren, ergibt sich kein Konflikt zwischen Förderung der Erneuerbaren und dem Emissionshandel, weil die wesentlichen Interaktionen beim Design der Instrumente eingeplant waren. Bei einer deutlichen Übererfüllung der Ziele erneuerbarer Energien hingegen wäre eine stärker preisdämpfende Wirkung des Ausbaus erneuerbarer Technologien auf ETS-Preise als ursprünglich angenommen, zu erwarten.

Entgegen der Meinung vieler Kritiker ist die Förderung von erneuerbaren Energien somit nicht die Hauptursache für aktuell niedrige C02-Preise. Stattdessen sind für niedrige Strommarktpreise andere Faktoren wie eine geringere Stromnachfrage als Konsequenz der Wirtschafts- und Finanzkrise verantwortlich.

In Deutschland haben jüngst die Ergebnisse der ersten Ausschreibungsrunde für Offshore-Windkraft mit einem gewichteten Fördersatz von 0,44 ct/kWh für eine Überraschung gesorgt. Sie schreiben, dass Auktionsergebnisse bei einer Förderhöhe von null ct/kWh ein Indiz dafür sein könnten, dass keine finanzielle Unterstützung mehr nötig ist. Sind wir bei der Offshore-Windkraft bald so weit, dass sie schon ganz ohne Förderung auskommt?

Grundsätzlich ist es sicherlich richtig, dass die niedrigen Preise ein Indiz für eine hohe Marktreife der Technologie sind. Allerdings spiegeln die Gebote nicht heutige Technologiekosten wider, sondern Erwartungen über zukünftige Kostensenkungen, da die Offshore-Windparks erst bis 2025 ans Netz angeschlossen werden müssen. Zudem ist es wahrscheinlich, dass bei der spezifischen Situation der jüngsten Offshore-Ausschreibung, die ein Übergangssystem für bereits vorentwickelte Offshore-Windparks darstellt, erhebliche versunkene Kosten für die Vorentwicklung zu geringeren Gebotspreisen geführt haben.

Weitere mögliche Gründe für die niedrigen Preise könnten der starke Wettbewerb um einzelne Netzanschlüsse sowie Markteintrittsstrategien bzw. ein starker Verdrängungswettbewerb zu Beginn der Offshore-Entwicklung sein. Um in dieser zentralen Phase der Offshore Entwicklung beteiligt zu sein, könnten Bieter eine geringere Rendite in Kauf genommen haben. Ferner haben erfolgreiche Bieter die Möglichkeit, unter Einbehalt einer finanziellen Pönale die geplanten Windparks nicht zu realisieren. Somit sollten zunächst das Ergebnis künftiger Ausschreibungsrunden und die tatsächliche Realisierung der Projekte abgewartet werden.

Ausschreibungen sind ein geeignetes Werkzeug um den nötigen Förderbedarf zu testen

Ausschreibungen sind ein geeignetes Werkzeug um den nötigen Förderbedarf zu testen. Wenn der Fördersatz auch über mehrere Ausschreibungen hinweg Null ergibt, ist dies aus Konsumentensicht ein optimales Ergebnis. Einerseits bleibt die langfristige Planungssicherheit beim Ausbau der EE gewahrt, andererseits werden Förderkosten minimiert. Letztendlich beurteilen lassen sich die Ergebnisse der Ausschreibung jedoch erst, wenn klar wird, ob die Windparks auch wirklich gebaut werden.

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