Fachverband Biogas: BMWi fokussiert sich stark einseitig auf die Wasserstofftechnologie

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Symbolbild Biogasanlage
Quelle: Fachverband Biogas

In seinem Entwurf des Papiers „Erste Bilanz zum Dialogprozesses Gas 2030“ hat das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) das Potenzial des bestehenden Biogasanlagenparks für die Erzeugung von Biomethan, aber auch von synthetischem Methan, zu wenig beachtet. Das kritisiert der Fachverband Biogas in einer offiziellen Stellungnahme zum BMWi-Entwurf. Eine politische Gas-Strategie sollte folglich nicht stark einseitig auf die Wasserstofftechnologie fokussiert werden, wie es im BMWi-Papier geschehe.

Um das Potenzial zu heben, müssten Bestandsanlagen auf die Gaseinspeisung umgerüstet, kleinere Vor-Ort-Verstromungsanlagen mittels Sammelnetzen zusammengeschlossen sowie Biomethananlagen um Elektrolyseure ergänzt werden. Die Elektrolyseure sollen dazu dienen, das bei der Gasaufbereitung abgetrennte CO2 zur Erzeugung von synthetischem Methan zu nutzen.

169 TWh klimaneutrales Methan bei Bestandanlagen mobilisierbar

Ausgehend von Berechnungen des DVGW können durch diese Maßnahmen 88 Tera-wattstunden (TWh) Biomethan und 81 TWh synthetisches Methan – also insgesamt 169 TWh klimaneutrales Methan – mobilisiert werden, ohne dass neue Biogaserzeugungsanlagen errichtet oder im Vergleich zu heute mehr Substrate eingesetzt werden müssten. Allerdings gibt es nach Ansicht des FvB auch noch ein ungenutztes Potenzial an Anbaubiomasse. Zudem existierten  auch Potenziale bei anderen Substraten wie Rest- und Abfallstoffe und Nebenprodukte sowie Aufwuchs von Dauergrünland, Zwischenfrüchten und Stroh.

Weiterhin sollten nach Ansicht des Fachverbands die Kostenvorteile der Methanerzeugung in Biogasanlagen erwähnt werden. Die Erzeugungskosten von Biomethan beziffert der Fachverband beim aktuellen Anlagenpark auf 6,7 bis 8,6 Cent je Kilowattstunde. Selbst bei einer ambitionierten Kostensenkung anderer Technologien lägen diese damit unter den Gestehungskosten von synthetischem Methan, gleichgültig ob national erzeugt oder importiert.

Erschließung des Methanpotenzials in Biogasanlagen bietet Kostenvorteile

Je nach Anlagenkonstellation können bis 2030 auch die Gestehungskosten des synthetischen Methans aus Biogasanlagen in die Größenordnung von synthetischem Methan aus sehr großskaligen Elektrolyseuren und CO2-Quellen kommen. Zwar liegen die Gestehungskosten von synthetischem Methan bei kleinen Biogasanlagen mit entsprechend kleinen Elektrolyseuren deutlich über den Gestehungskosten von synthetischem Methan aus großen Industriebetrieben mit sehr großen Elektrolysekapazitäten. Doch bei großen Biogasanlagen oder einem Anlagenzusammenschluss mehrerer Biogasanlagen können entsprechend größere Elektrolyseure (hier: 5 MW) installiert werden, was die spezifischen Kosten deutlich reduzieren würde.

Davon abgesehen muss ein korrekter Vergleich zwischen den Produktionsformen berücksichtigen, dass die Biogasanlagen mit Elektrolyseur neben vergleichsweise teurem synthetischen Methan das deutlich günstigere Biomethan erzeugen. Stellt man eine entsprechende Mischkalkulation an, dann erreicht der Zusammenschluss von Biogasanlagen und einem 5 MW Elektrolyseur niedrigere Methan-Gestehungskosten als ein Industriebetrieb mit einem 100 MW Elektrolyseur.

Bei einem Vergleich der Methanerzeugung in Biogasanlagen mit anderen Produktionsformen für klimaneutrale Gase sollte zudem berücksichtigt werden, dass bei Erzeugung von Biomethan viele Koppelprodukte wie klimaneutraler Dünger anfallen oder weitere Vorteile für den Klimaschutz wie die Vermeidung von Methanemissionen in der Viehhaltung und die Artenvielfalt entstehen.

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