Experten zweifeln nicht daran, dass der Umbau des deutschen Wirtschaftssystems zur vollständigen Klimaneutralität in 30 Jahren glücken kann. „Hierzu bedarf es eines umfassenden Investitionsprogramms, das den Ausbau der erneuerbaren Energien prioritär vorantreibt, die weitgehende Elektrifizierung von Verkehr, Wärme und Industrie umfasst, die energetische Sanierung fast aller Gebäude beinhaltet und den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur anstößt“, heißt es in einer jetzt vorgelegten Studie der Berliner Agora-Denkfabriken.

Die Studie, die von den renommierten Instituten Prognos, Öko-Institut und Wuppertal Institut verfasst wurde, ist das Titelthema der Ausgabe 44.2020 von EUWID Neue Energie. Die Studie sieht im Bereich der Erneuerbaren eine Rolle nicht nur für die Photovoltaik und die Windenergie, sondern auch für die Bioenergie. Die Verwendungsrichtungen werden sich nach Einschätzung der Autoren allerdings ändern, so seien Biokraftstoffe auf lange Sicht nicht die beste Möglichkeit, die Potenziale der Bioenergie zu nutzen.

Das Tempo, das die Bundesregierung in Sachen Erneuerbare anschlägt, ist aus Sicht der Studienautoren nicht ausreichend. Ein deutlich beschleunigter Ausbau der regenerativen Energien sei erforderlich, um die Klimaschutzziele erfolgreich erreichen zu können, insbesondere vor dem Hintergrund der Sektorkopplung.

Die Analyse macht sich mit Blick auf die Dekarbonisierung des Industriesektors für den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur stark. Da in den kommenden Jahren die Hälfte der Hochöfen ersetzt werden müssten, biete sich hier ein „Gelegenheitsfenster“, gleich auf den Energieträger Wasserstoff umzusatteln.

Auch das Land Schleswig-Holstein sieht große Chancen beim Thema Wasserstoff. Die Landesregierung aus CDU, Grünen und FDP hat jetzt eine entsprechende Strategie beschlossen. Damit setze das Land ein klares Signal für mehr Klimaschutz und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung, sagte Umwelt- und Energieminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) in Kiel nach der Kabinettssitzung. (Nachweis für Beitragsbild:Hien Phung – stock.adobe.com)

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