Energieeffizienz von Nichtwohngebäuden: Büroimmobilien mit besonders viel Luft nach oben

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Quelle: Thorben Wengert / pixelio.de

Die Energieeffizienz kommerziell genutzter Gebäude wird zu wenig differenziert betrachtet. Zu diesem Schluss kommt die Deutsche Energie-Agentur (dena) auf Basis von vier Analysen zu Basis von vier Analysen zu Handels-, Büro-, und Hotelimmobilien sowie kommunalen Gebäuden. „So verschieden die Ausgangssituationen und Hemmnisse der untersuchten Branchen sind, so unterschiedlich agieren sie in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz“, sagte dena-Chef Andreas Kuhlmann.

In Deutschland gibt es rund drei Mio. Nichtwohngebäude. Ihr Verbrauch macht der dena zufolge ein Drittel am Endenergieverbrauch aller Gebäude aus. Dementsprechend stecke in der energetischen Modernisierung dieser Gebäude großes Potenzial, um Energie und CO2-Emissionen einzusparen. Auch wenn Nichtwohngebäude deutlich weniger im Fokus der öffentlichen und politischen Wahrnehmung stehen, seien sie unverzichtbar für das Erreichen der Klimaschutzziele.

Hemmnisse resultierten vor allem daraus, dass KMU grundsätzlich wenige Ressourcen haben, um sich mit Themen außerhalb ihres Kerngeschäfts zu befassen. Fördermittel werden hauptsächlich im Neubau genutzt – auch weil der Förderaufwand für Einzelmaßnahmen im Bestand oft als zu aufwendig bewertet wird. Das Investor-Nutzer-Dilemma ist zentrales Thema überall dort, wo viele Gebäude vermietet sind.

Zurzeit werde in den verschiedenen Branchen insbesondere in Technikmaßnahmen wie etwa die Beleuchtung oder Kältetechnik investiert, auch weil sich diese Investitionen schnell rechneten. Weitere Ansätze zur Verringerung des Energiebedarfs von Nichtwohngebäuden finden laut dena nur vereinzelt statt. Hier sieht die Energie-Agentur Nachholbedarf, um einen klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen.

Politik und Branchenvertreter müssen nach Einschätzung der dena in einen engeren Dialog treten, um die Hemmnisse abzubauen und marktfähige Lösungen zu entwickeln, die sich gezielt an die einzelnen Branchen und deren unterschiedliche Segmente wie KMU, Mieter, Vermieter usw. richten. Denn auch wenn sich die branchenspezifischen Hemmnisse ähneln, ergibt sich bei genauerer Betrachtung ein differenzierteres Bild:

Einzelhandel

Im Einzelhandel herrscht hoher Konkurrenzdruck. Die Mehrheit der Händler haben ihre Räume nur gemietet. Außerdem besteht der weitaus größere Teil aus kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU). Hemmnisse für Energieeffizienz sind vor allem die mangelnden Ressourcen bei den KMU-Händlern sowie das Nutzer-Investor-Dilemma. Denn häufig muss der Eigentümer in Effizienz investieren, wovon vor allem der Nutzer profitiert.

Hotelbranche

Die Hotelbranche ist geprägt von kleinen, eigentümergeführten Hotels, die eine Vielzahl existentieller Aufgaben bewältigen müssen. Fehlendes Know-how und fehlende Zeit in Kombination mit schwierigen Finanzierungsbedingungen prägen die Rahmenbedingungen für Energieeffizienz in dieser Branche.

Bürosegment

Im Bürosegment bestimmt die Lage den Markt. Büroimmobilien in begehrten Lagen sind knapp. Energieeffizienz ist dort weder beim Verkauf noch bei der Vermietung von größerer Bedeutung. Außerdem fehlt es der Branche an Bewertungskriterien, um Energieeffizienz positiv einschätzen zu können. Das Nutzer-Investor-Dilemma ist ein weiterer Grund für den geringen Stellenwert von Energieeffizienz.

Öffentliche Hand

Die öffentliche Hand und insbesondere die Kommunen stehen vor der Herausforderung, ihrer Vorbildrolle für Energieeffizienz und Klimaschutz gerecht zu werden. Dafür fehlen vor allem personelle Ressourcen, zum Teil mangelt es auch an Finanzmitteln.

Die Ergebnisse der Analysen zeigen somit, dass es das typische Nichtwohngebäude nicht gibt, so Kuhlmann. Beim Handel passiere schon recht viel, auch Hotels und Kommunen sähen immer mehr die Notwendigkeit, in Energieeffizienz zu investieren. Bei Büroimmobilien hingegen sei noch sehr viel Luft nach oben.

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