Elektromobilität: Wie wirkt sich individueller Fahrstromtarif auf Ausbau der Erneuerbaren aus?

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Ladesäule-in-Ettlingen
Bildquelle: EUWID

Die Auswahl der Stromprodukte zur Fahrstromversorgung durch die Fahrzeugnutzer trägt heute nur zu geringen Teilen zum Zuwachs der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bei. Darauf macht das Öko-Institut in einer aktuellen Analyse deutlich.

Mit steigender Zahl von Elektroautos in Deutschland etabliere sich zwar ein spezieller Endkundenmarkt für Fahrstromangebote zum Laden von Elektrofahrzeugen. In der individuellen Perspektive könnten Nutzer der Elektromobilität durch entsprechende Öko-Fahrstromangebote auch eine vollständige bilanzielle Versorgung auf Basis von EE-Strom kostengünstig erreichen. „In der für die politische Bewertung der Elektromobilität entscheidenden Systemperspektive wirkt sich dagegen aus, dass wenig anspruchsvolle Ökostrom-Angebote zu keinem Zuwachs an EE-Erzeugung führen“, heißt es in der Analyse.

Um in dieser Perspektive einen Beitrag zur Steigerung des Klimavorteils der Elektromobilität zu leisten, sei entscheidend, ob mit dem Fahrstrombezug eine zusätzliche EE-Erzeugung bewirkt wird, wie es bei hochwertigen und nach Qualitätsstandards zertifizierten Ökostromprodukten zumindest anteilig sichergestellt ist. „Eine umfangreiche Marktanalyse der derzeitigen Fahrstromversorgungsangebote für Elektrofahrzeuge hat gezeigt, dass nur in wenigen Fällen ein relevanter zusätzlicher Ausbau von EE-Kapazitäten angereizt wird“, so das Öko-Institut weiter.

„Akteure der Elektromobilität tragen nur geringfügig zu Ausbau
der Erneuerbaren bei“

Die Möglichkeit einer direkten Investition in EE-Erzeugungsanlagen durch Akteure der Elektromobilität sei in der Vergangenheit einmalig genutzt worden und dieses Beispiel finde derzeit keine Fortsetzung. Auch spielten derzeit intelligente Ladestrategien in der Praxis kaum eine Rolle, daher erfolge bisher keine systemdienliche Einbindung der Fahrzeuge. „Gegenwärtig tragen die Akteure der Elektromobilität demnach nur zu geringen Teilen zu einem über die Wirkung des EEG hinausgehenden Zuwachs an EE-Stromerzeugung bei.“

Insbesondere Ökostromversorger und Verbraucherorganisationen wiesen der individuellen Handlungsmöglichkeit und somit der Auswahl der Stromprodukte einen hohen Stellenwert für die ökologische Bewertung von Elektrofahrzeugen zu. Demgegenüber messen Fahrzeughersteller und traditionelle Energieversorger diesem Aspekt laut Öko-Institut vor allem eine Bedeutung auf kommunikativer Ebene bei und halten für die ökologische Bewertung der Elektromobilität Instrumente für entscheidend, die positive Effekte auf Systemebene bewirken (z.B. EEG, EU-ETS).

“Auch ambitionierte Öko-Fahrstromprodukte können nicht erreichen, dass der politisch gesetzte Zielkorridor übertroffen wird”

Die Stakeholder gaben im Rahmen des Projekts aber auch zu bedenken, dass es aufgrund der derzeit gesetzten Rahmenbedingungen für solche  Produkte keine konkrete Möglichkeit für Akteure der Elektromobilität gibt, in der Systemperspektive ein emissionsfreies, klimaneutrales Fahren zu erreichen. Dies ergibt sich aus der Definition des  politisch gesetzten EE-Ausbauziels, wonach der gesamte  in Deutschland produzierte  EE-Strom unabhängig von der Finanzierung der EE-Anlagen dem relativen Ausbauziel zugerechnet wird. Aus diesem Grund können auch ambitionierte Öko-Fahrstromprodukte nicht erreichen, dass der politisch gesetzte Zielkorridor übertroffen wird.

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