Deutsche Energieversorger laufen Gefahr, das Internet der Energie zu verschlafen

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Unter den Akteuren bei der Energiewende könnten ausgerechnet die Energieversorger die Chance verpassen, sich auf dem Energiemarkt der Zukunft zu positionieren. Traditionelle Versorgungsunternehmen müssten sich zunehmend vor Konkurrenz aus energienahen Branchen fürchten, heißt es in einer Stadtwerkestudie der Unternehmensberatung Ernst & Young. Dafür sei die steigende Zahl der dezentralen Erzeugungsanlagen und die zunehmende Informatisierung des Energiesektors verantwortlich. Ein großes Zukunftsfeld, so die Autoren der Studie, liegt im „Internet der Energie“. Bislang liefen vor allem Stadtwerke und Regionalversorger Gefahr, zu langsam auf diese Veränderungen zu reagieren, so Helmut Edelmann von Ernst & Young. Nur 42 Prozent der 100 Unternehmen, die an der Studie teilgenommen haben, sehen den Ausbau einer umfassenden Informationsinfrastruktur als unabdingbar für das Gelingen der Energiewende. Mit der Stadtwerkestudie beschäftigt sich der Titelbericht von Ausgabe Nr. 12 von EUWID Energieeffizienz. Die aktuelle Ausgabe erscheint heute mit 70 Nachrichten und Berichten auf 24 Seiten. Sie beinhaltet unter anderem Firmenmeldungen über axanta, ECO Energie, UDF Consulting, NUS Consulting, Trianel, E.ON Energy from Waste (EEW) und das Überlandwerk Fulda (ÜWAG). Weitere Berichte befassen sich unter anderem mit dem Technologiekonzern Siemens, der ein erhebliches Einsparpotenzial bei der Gestaltung der Energiewende in Deutschland ausgemacht hat. Im Rahmen des Berliner „Energiewende-Dialogs“ erklärte das Unternehmen: „Mit Korrekturen am Konzept der Energiewende könnte Deutschland nach Berechnungen von Siemens bis zum Jahr 2030 über 150 Mrd. € sparen und den weiteren Strompreisanstieg begrenzen, ohne dass es zu Einbußen bei den Klimazielen kommt.“ Siemens plädiert für tiefgreifende Korrekturen am deutschen Energiewende-Konzept. Der Konzern schlägt vor, auf ein festes Ausbauziel der erneuerbaren Energien zu verzichten und stattdessen die CO2-Reduzierung in den Mittelpunkt zu stellen. Diesen Gedanken greift die Novelle des Erneuerbare-Wärme-Gesetzes in Baden-Württemberg auf, das die Landesregierung verabschiedet hat. Nach einem Heizungsaustausch müssen künftig 15 Prozent der Wärme aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Zudem soll sich das Gesetz nicht mehr nur auf private Wohngebäude beziehen. „Um unsere ehrgeizigen Klimaschutzziele zu erreichen, müssen wir unseren Energieverbrauch im Wärmebereich bis zum Jahr 2050 um rund zwei Drittel gegenüber dem Jahr 2010 reduzieren“, sagten Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Umweltminister Franz Untersteller (beide Grüne). Um hier voranzukommen, müsse das Erneuerbare-Wärme-Gesetz des Landes „mit Augenmaß“ weiter entwickelt werden. Im Bereich Contracting berichtet die aktuelle Ausgabe unter anderem über Energie-Checks der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der grünen Bundestagsfraktion wurden von Januar bis Mitte Mai 2013 knapp 7.900 Energie-Checks beim vzbw beantragt und über 5.800 bereits abgeschlossen. Das Programm startete bundesweit am 25. September 2012, im Vorfeld gab es lediglich Pilotprojekte. Derzeit könnten noch keine Angaben zu den durch die Energie-Checks bewirkten Einsparungen an Energie und CO2 gemacht werden, erklärte die Regierung. Eine Evaluation des Projekts sei aber geplant. Allgemein statten immer mehr Hauseigentümer ihre Gebäude mit Sonnenkollektoren, Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen aus. Zwischen 2006 und 2012 hat sich ihr Anteil deutlich erhöht, liegt aber immer noch jeweils im einstelligen Prozentbereich. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Erhebung des Energieverbrauchs der privaten Haushalte für die Jahre 2009-2010“, die das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) und forsa im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) durchgeführt haben. Den größten Beitrag zur Energieversorgung liefern nach wie vor die konventionellen Energieträger Erdgas und Heizöl. Für das CO2-Gebäudesanierungsprogramm hat der Bund seit dem Jahr 2006 bereits elf Mrd. € bereitgestellt. Die Förderbank KfW bewilligte rund 1,6 Mio. Kredite und Zuschüsse. Damit konnten Investitionen in Höhe von 117,6 Mrd. € angestoßen werden. Fast drei Mio. Wohnungen wurden in diesem Zeitraum saniert oder energieeffizient errichtet, zusätzlich über 1.400 kommunale Einrichtungen. Das teilte die Bundesregierung mit. Demgegenüber gibt es in der deutschen Nahrungsmittelbranche große Potenziale für die Kraft-Wärme-Kopplung. An 27 Prozent der Produktionsstätten der Branche wird bereits ein Teil des Stroms vor Ort in einer eigenen KWK-Anlage generiert, heißt es in einer Studie der ecoprog GmbH. Die Installation von Anlagen, die in Kraft-Wärme-Kopplung Strom erzeugen, sei einer der wenigen Bereiche des Energiemarktes, der aktuell Zuwächse erzielt. Das Energieunternehmen E.ON will dagegen verstärkt auf Lösungen in den Bereichen dezentrale und „smarte“ Energien setzen und investiert vor diesem Hintergrund in Start-up-Unternehmen. So ist das Unternehmen bei der Orcan Energy GmbH, München, einem der Technologieführer für Abwärme-Recycling, als Investor eingestiegen. Abwärme aus industriellen und gewerblichen Prozessen habe erhebliches, bislang weitgehend ungenutztes Potenzial zur Effizienzsteigerung bei dezentralen Energielösungen, erklärte E.ON. Der Marktteil konzentriert sich in der neuen Ausgabe unter anderem auf den Heizölpreis-Vergleich, Stromtarife und den VIK-Strompreisindex. Ausgabe 12 von EUWID Energieeffizienz bietet darüber hinaus neben Praxismeldungen über aktuelle Projekte, Forschungsnachrichten, Software auch Berichte aus den Kommunen, Personenmeldungen, einen Terminkalender mit Veranstaltungen sowie Literaturhinweise rund um die Themen Energieeffizienz, Contracting und Energiedienstleistungen, Kraft-Wärme-Kopplung, Gebäudetechnik, Energiemanagement, Smart Metering und energetische Gebäudesanierung.

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