Der Ausbau der Offshore-Windenergie kommt in Deutschland nur schleppend voran

3061

Lediglich neun Offshore-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 45 MW wurden laut einer Statistik von Bundesverband Windenergie (BWE) und VDMA Power Systems im Verlauf des 1. Halbjahrs 2012 auf See errichtet. Damit blieb der Ausbau hinter den Prognosen zurück. Das von der Regierung selbst gesteckte Ziel eines Ausbaus der Offshore-Windenergie auf zehn Gigawatt bis 2020 sieht die Branche „definitiv“ gefährdet und hat die eigene Zielmarke bereits auf sechs bis sieben Gigawatt gesenkt. Der Titelbericht von Ausgabe 32/2012 von EUWID Neue Energien befasst sich mit dem Halbjahresbericht zum Stand und Ausbau der Windenergie in Deutschland. Insgesamt umfasst die am 8. August erschienene Fachpublikation 74 Nachrichten und Berichte zur Energiewende auf 28 Seiten. Im Folgenden findet sich eine Kurzcharakteristik der Ausgabe (zur kompakten Übersicht gelangen Sie hier):

Übergreifende Themen

Die Betreiber von Ökostromanlagen haben im Jahr 2011 eine Förderung von insgesamt 16,4 Mrd. € erhalten. Im Vergleich zum Jahr 2010 (12,8 Mrd. €) bedeuten die Zahlen einen Anstieg des Fördervolumens um 28 Prozent. Das zeigen die nun veröffentlichten Daten der Übertragungsnetzbetreiber. Größter Kostenblock ist die Photovoltaik mit 7,7 Mrd. € bzw. einem Anteil von 46,3 Prozent an den Vergütungszahlungen. Dem steht ein Anteil an der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Höhe von 21,2 Prozent gegenüber. Bei einem annähernd gleichbleibenden Energieverbrauch in Deutschland in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres gegenüber dem ersten Halbjahr 2011 erhöhte sich die Nutzung erneuerbarer Energien insgesamt um über neun Prozent, berichtet die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen. Die Windkraft konnte in den ersten sechs Monaten um 19 Prozent zulegen. Bei der Wasserkraft (ohne Pumpspeicher) gab es einen Zuwachs um 25 Prozent. Die Photovoltaik setzte ihren Aufwärtstrend fort und legte mit 47 Prozent besonders stark zu. Der Verbrauch an Biokraftstoffen verringerte sich dagegen um etwa 9 Prozent. Angesichts des stetigen Ausbaus der Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien hat die Bundesnetzagentur erneut den schleppenden Ausbau der Stromnetze kritisiert. Bei der Mehrzahl der Projekte, die bereits vor der Energiewende angeschoben wurden, sei es zu teils deutlichen Verzögerungen gekommen, teilte die Behörde vergangenen Freitag in Bonn mit. Bisher seien lediglich 214 Kilometer von insgesamt gut 1.800 Kilometer Leitungen aus dem Ausbaugesetz realisiert worden. Von 24 Leitungen seien nur zwei in Betrieb gegangen, bei 15 von 24 Vorhaben komme es zu einem Zeitverzug von voraussichtlich einem bis fünf Jahren. Weitere Berichte von allgemeiner Bedeutung für die Energiewende befassen sich in EUWID Neue Energien mit den Angaben der Bundesregierung zum künftigen Bedarf an Speicherkapazitäten, den Forderungen nach einer besseren Koordinierung der Energiewende und der Forderung nach einer Beteiligung von Banken an der Energiewende. Ergänzt wird die Berichterstattung mit Meldungen zu Siemens und E.ON, der Entwicklung der Wind- und Solarstromeinspeisung sowie Preisen für Rohstoffe und Heizöl.

Bioenergie

Im Bereich der Bioenergie tritt die Bedeutung des Kapazitätsausbaus zunehmend hinter Nachhaltigkeitsüberlegungen zurück. Das gilt insbesondere für die Produktion von Biokraftstoffen, deren Wachstum stark eingebrochen ist. Wie aus dem Biokraftstoff-Barometer von Eurobserver hervorgeht, hat die EU-weite Produktionsmenge 2011 nur noch um drei Prozent auf 13,6 Mio. Tonnen Rohöleinheiten (Mtoe) zugenommen. Dass überhaupt ein Wachstum zu verzeichnen war, lag Eurobserver zufolge an der gestiegenen Bioethanolherstellung. Gleichzeitig sei die Biodieselproduktion gesunken. Insbesondere ab 2015 rechnet Eurobserver aber wieder mit einem steigenden Wachstum, das von der industriellen Produktion von Biokraftstoffen der zweiten Generation getrieben wird. Auch für 2012 zeigt der Anbau nachwachsender Rohstoffe in Deutschland, dass die Biokraftstoffproduktion 2012 voraussichtlich nicht das Wachstum der Vorjahre erreichen wird. Die Fläche für den Anbau von Pflanzen zur Herstellung von Biokraftstoffen ist nach vorläufigen Schätzungen der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) sogar insgesamt leicht rückläufig. Dahingegen werde insbesondere der Anbau von Mais für Biogasanlagen von 800.000 ha im Vorjahr auf 962.000 ha stark zulegen. Die Ernte von Getreide, Mais und Raps dürfte 2012 über Niveau des Vorjahres liegen, allerdings werde der langjährige Durchschnitt verfehlt, heißt es im zweiten Erntebericht des Deutschen Bauernverbands. Die Marktberichterstattung in der aktuellen EUWID-Ausgabe beinhaltet außerdem den Marktbericht über Altholz, die Wochenpreise für Biodiesel, den Inlandsverbrauch an Biokraftstoffen und die Notierungen für Getreide und Ölsaaten an den Großhandels-Warenbörsen. Weitere Themen im Bioenergiebereich der Ausgabe 31/2012 von EUWID Neue Energien sind die Entwicklung des Biogassektors in Großbritannien, der Bau eines 100-MW-Biomassekraftwerks in den USA sowie eine Studie des US-amerikanischen Marktforschungsunternehmens SBI zu Biokraftstoffen aus Algen.

Solarenergie

Viele Unternehmen der deutschen Solarbranche kämpfen weiterhin um ihr Überleben. Die Solarwatt AG hat Ende Juli ihren Restrukturierungsplan beim Amtsgericht Dresden eingereicht und appelliert nunmehr an ihre Gläubiger, den Sanierungsweg mit zu beschreiten. Der Vorstand hat Unternehmensangaben zufolge die „im Rahmen des Restrukturierungsplans notwendigen“ Sanierungs- und Personalmaßnahmen beschlossen. Betroffen ist in erster Linie der Produktionsbereich für Solarmodule. Die Anzahl der Produktions- und Fertigungslinien soll reduziert und die Auslastung erhöht werden. 337 von 435 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben. Bis zum 10. August 2012 soll nun zwischen den Betriebsparteien über den Sozialplan und die Beauftragung einer Transfergesellschaft verhandelt werden. Die Sovello GmbH ist unterdessen an der Gründung einer Transfergesellschaft für die Hälfte ihrer Mitarbeiter gescheitert. Für die zunächst geplante Gründung fehle das Geld, teilte Insolvenzverwalter Lucas Flöther am vergangenen Freitag mit. „Die finanzielle Lage des Unternehmens ist weit schlimmer als befürchtet“, sagte Flöther. „Es steht Spitz auf Knopf.“ Zwar suche er mit Hochdruck nach Investoren und wolle die Produktion zunächst fortführen. Allerdings drohten weitere Entlassungen und Produktionskürzungen, wenn kurzfristig kein Investor gefunden werde. Die Unternehmensberichterstattung im Solarbereich befasst sich in Ausgabe 31/2012 von EUWID Neue Energien zudem mit den jüngsten Entwicklungen bei Solar Millennium, aleo solar, Schüco International, Conergy sowie den Solarzulieferern Robert Bürkle und Roth & Rau. Ergänzt wird die Berichterstattung mit den aktuellen Daten zur Solarstromeinspeisung in den ÜNB-Regelzonen sowie Absatzzahlen von solarthermischen Anlagen.

Windenergie

Die Meldung, dass Joachim Fuhrländer, Gründer des traditionsreichen deutschen Windanlagenbauers Fuhrländer aus dem Westerwald, seine gesamten Anteile an ein Konsortium um den ukrainischen Metallkonzern Energomaschspetsstal verkauft hat, hat die Branche
erschüttert. Laut einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ gehört der Konzern zum russischen Kernkraftwerksbauer Atomenergomasch, der wiederum eine Tochter des Nuklearriesen Rosatom ist. Die russisch-ukrainischen Investoren halten dem Bericht zufolge nun knapp 80 Prozent an Fuhrländer. Für positive Stimmung sorgte hingegen die Ankündigung des Baustarts für den Offshore-Windpark „Gloabl Tech I“ in der Nordsee. Trotz der Verzögerung des Baus der Plattform BorWin 2, die ursprünglich für den Abtransport des Stroms vorgesehen war, werde mit den seeseitigen Bauarbeiten für die Errichtung der Umspannstation und der Fundamente noch in diesem Monat begonnen, teilte die Projektgesellschaft mit. Unternehmensmeldungen zu Siemens, Vestas, ABB, aber auch des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik sind ebenso Teil der weiteren Windenergieberichterstattung in EUWID Neue Energien 32/2012 wie die aktuellen Daten zu Windenergieeinspeisung in den ÜNB-Regelzonen.

Kompakt: Wasserkraft, Geothermie und Elektromobilität

In Mexiko regt sich Widerstand gegen den zunehmenden Bau von Mini-Wasserkraftwerken. Verschiedenen Medienberichten zufolge haben sich betroffene Gemeinden der südlichen Bundesstaaten Puebla, Tabasco, Veracruz, Oaxaca und Chiapas zusammengeschlossen, um gegen verschiedene Vorhaben anzugehen. Im vergangenen Dezember hatte der Senat einer Reform des Gesetzes zur Nutzung von erneuerbaren Energien und zur Finanzierung des energetischen Übergangsprozesses aus dem Jahre 2008 mit dem Ziel zugestimmt, die Stromerzeugung auf der Grundlage kleinerer Wasserkraftwerke zu fördern. Der Spezialist für Bohrdienstleistungen Daldrup & Söhne hat mit dem tschechischen Bohr-Unternehmen MND Group ein 50/50-Joint Venture unter dem Namen MD Drilling in Grünewald gegründet. Beide Parteien bringen 3,5 Mio. € Eigenkapital in die Gesellschaft ein, so eine Mitteilung von Daldrup & Söhne. Mit dem Geld soll zunächst eine hochmoderne Tiefbohranlage (450 AC) des deutschen Herstellers Bentec mit einer Hakenlast von 450 Tonnen erworben werden, wie das Unternehmen mitteilte. Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft – und Raumfahrt (DLR) können Elektrofahrzeuge gerade bei einem hohen Anteil an erneuerbarer Energie, die Effizienz der Stromerzeugung erhöhen, das Stromnetz entlasten und zu deutlichen CO2-Einsparungen führen. In einem Szenario mit einer erfolgreichen Marktentwicklung von rund 27 Mio. Elektrofahrzeugen bis zum Jahr 2050 läge der Stromverbrauch in Deutschland bei 53,5 Terrawattstunden (TWh) pro Jahr, das entspricht etwa zehn Prozent des derzeitigen Gesamtverbrauchs an Strom in Deutschland.


Die Kurzcharakteristik der vergangenen fünf Ausgaben können Sie hier einsehen:

Ausgabe 31/2012 (1. August): Leopoldina-Studie löst kontroverse Debatte über Rolle der Bioenergie in Deutschland aus
Ausgabe 30/2012 (25. Juli): OECD und FAO: Globale Produktion von Biokraftstoffen verdoppelt sich bis 2021 Ausgabe 29/2012 (18. Juli): Energiewende: Bundesregierung fördert 60 Energiespeicher-Forschungsprojekte Ausgabe 28/2012 (11. Juli): Bundesnetzagentur: Leistung der Stromerzeuger im Bereich der Erneuerbaren bei 64.670 MW Ausgabe 27/2012 (4. Juli): Experten zweifeln an Steuerungswirkung der Beschlüsse zur Solarförderung

EUWID Neue Energien – Energiewende kompakt

Das Informationskonzept von EUWID Neue Energien ist darauf abgestimmt, Leser mit knappem Zeitbudget schnell und trotzdem umfassend über die Entwicklungen in Märkten und Politik zu informieren. Die Redaktion sichtet hierzu täglich mehrere hundert Informationsquellen und spricht mit den Experten der Branche. Aus der Vielzahl der Quellen selektiert das Redaktionsteam die zentralen Fakten, recherchiert die Hintergründe und bündelt die Informationen in kompakter Nachrichtenform. Thematische Schwerpunkte von EUWID Neue Energien sind die Erzeugung von erneuerbaren Energien und die intelligente Nutzung von Energie. Neben Wirtschafts- und Politikmeldungen stehen dabei Markt- und Preisinformationen im Fokus. EUWID Neue Energien bietet unter anderem Preise für NawaRo-Holz, Pellets, Altholz, Sägerestholz, Biodiesel, Getreide und Ölsaaten, Solarmodule und Ökostrom. Auch die PV-Zubauzahlen der Bundesnetzagentur sowie Einspeisewerte für Solar- und Windstrom werden regelmäßig ausgewertet.

Der EUWID-Wochenbericht zur Energiewende 31/2012 bei openpr: http://www.openpr.de/news/654271.html

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte Kommentar einfügen!
Bitte geben Sie Ihren Namen hier ein