Dena-Studie im Auftrag von RWE: Fossilenergien müssen 2050 noch Großteil der gesicherten Leistung stellen

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Nach Auffassung der Deutschen Energie-Agentur (dena) werden effiziente Gas- und Kohlekraftwerke auch im Jahr 2050 noch rund 60 Prozent der gesicherten Leistung stellen müssen, also der Leistung, die zu jeder Zeit sicher zur Deckung der Nachfrage verfügbar ist. Das geht aus einer heute veröffentlichten Studie hervor, die die dena im Auftrag der RWE AG und in Zusammenarbeit mit dem Institut für elektrische Anlagen und Energiewirtschaft der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen erstellt hat. Darin betont die Agentur ihre kritische Haltung zum Ausbau der regenerativen Energien in der jetzigen Form. Bei „weiter ungesteuertem Ausbau der erneuerbaren Energien“ könne ein zunehmender Anteil ihrer Erzeugung nicht genutzt werden, lautet ein Ergebnis der dena. Auch glaubt man bei der Agentur, dass Deutschland bis 2050 zum Netto-Stromimporteur, „wobei dafür die grenzüberschreitenden Netze erheblich ausgebaut werden müssen“. „Der Atomausstieg und der Ausbau der erneuerbaren Energien sind erst der Anfang“, sagte Stephan Kohler, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung, bei der Präsentation der Studienergebnisse in Berlin. „Energiewende heißt auch: neue effiziente fossile Kraftwerke, mehr Netze, mehr Speicher, mehr Flexibilisierung bei Erzeugung und Nachfrage – und Energiesparen wo immer wirtschaftlich möglich“. Die Rahmenbedingungen dafür müssten jetzt geschaffen werden. Untersucht wurde die Entwicklung des Stromsystems bis 2050 bei einem Ausbau des Anteils der erneuerbaren Energien auf über 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs gemäß Leitszenario 2009 des Bundesumweltministeriums unter Fortführung der heutigen Rahmenbedingungen. Um eine sichere Versorgung zu gewährleisten, könne die installierte Leistung der konventionellen Kraftwerke bis 2030 nur um rund 14 Prozent auf 83 Gigawatt und bis 2050 nur um 37 Prozent auf 61 Gigawatt im Vergleich zu 2010 zurückgehen, heißt es. Die erneuerbaren Energien würden zwar 2050 über 80 Prozent des Stroms liefern, aber nur knapp 24 Prozent der gesicherten Leistung stellen. Speichertechnologien stellen nach den dena-Kalkulationen im Zieljahr rund 9 Prozent der gesicherten Leistung. 7 Prozent des Bedarfs an gesicherter Leistung müssten nach dem berechneten Szenario durch weitere Kraftwerke, die Modernisierung älterer Anlagen oder auf Basis von verbindlichen Verträgen aus dem Ausland bereitgestellt werden. Die erforderlichen neuen fossilen Kraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 49 GW müssten gemäß Modellergebnis zum größten Teil bis 2020, spätestens bis 2030 gebaut werden, berichtet die dena. Hinzu kämen 12 GW konventionell befeuerte Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK). „Ob diese Kapazitäten tatsächlich gebaut werden, ist fraglich, weil die Kraftwerke, mit Ausnahme der KWK-Anlagen, aufgrund des Vorrangs der erneuerbaren Energien immer weniger Betriebsstunden haben und sich unter den derzeitigen Rahmenbedingungen kaum noch wirtschaftlich rechnen“, heißt es weiter. Ab 2020 werde es zunehmend zu Situationen kommen, in denen die Stromerzeugung die Nachfrage übersteigt, zum Beispiel bei gleichzeitig starkem Wind, starker Sonneneinstrahlung und niedrigem Verbrauch. Bis 2050 könnten rund 66 TWh beziehungsweise 15 Prozent des im Inland produzierten Stroms aus erneuerbaren Quellen weder im Inland noch im Ausland genutzt werden, so die Agentur. Gleichzeitig geht die dena davon aus, dass sich Deutschland langfristig vom Netto-Stromexporteur zum Netto-Stromimporteur wandeln wird. 2050 werde Deutschland im Jahressaldo rund 134 TWh oder 22 Prozent des inländischen Stromverbrauchs aus dem Ausland importieren müssen, „wenn nicht zusätzliche Kraftwerke im Inland gebaut werden“. Nach dena-Berechnungen wird die Stromversorgung 2050 „deutlich mehr kosten als heute“. Ursache hierfür seien hohe Kosten für die deutlich höheren Stromerzeugungskapazitäten, den Aus- und Umbau der Netzinfrastruktur, für Reserve- und Regelenergie, Anbindung der Offshore-Windparks und Flexibilisierungsmaßnahmen wie Stromspeicher. „Die erneuerbaren Energien würden unter dem heutigen Marktdesign auch im Jahr 2050 nicht marktfähig sein“, heißt es weiter. Das bedeute, dass die Stromgestehungskosten erneuerbarer Energien nicht komplett über den Verkaufspreis an der Strombörse gedeckt werden und daher die Differenzkosten auch weiterhin auf den Endverbraucher umgelegt werden müssten.


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