Dena: Hotels und Herbergen haben hohen Beratungsbedarf bei energetischer Sanierung

1748

Da Hotels und Herbergen vielfältig genutzt werden, haben sie hohen Beratungsbedarf bei der Einführung von Energieeffizienzmaßnahmen. Deshalb gilt es, die bisherigen Beratungsangebote auszubauen und Ansätze zur Standardisierung zu entwickeln. Zugleich sollten zusätzlich zur Förderung für Nichtwohngebäude neue Finanzierungsmodelle wie beispielsweise Bürgschaften in der Hotelbranche erprobt werden. Dieses Fazit zieht die Deutsche Energie-Agentur (dena) in ihrem Fortschrittsbericht nach zwei Jahren Laufzeit des Modellvorhabens „Check-in Energieeffizienz“.

„Mit unserem Projekt wollen wir die Energieeffizienz in Hotels und Herbergen steigern und damit die Energiewende in Nichtwohngebäuden voranbringen“, erklärte der Vorsitzende der dena-Geschäftsführung, Andreas Kuhlmann. Der aktuelle Fortschrittsbericht zeige, dass die Teilnehmer auf einem guten Weg seien. Bei der Beratung und der Finanzierung besteht aber noch Verbesserungsbedarf. Künftig werde es aber auch darum gehen, das Thema Energieeffizienz besser an Gäste und Mitarbeiter zu kommunizieren. „Die Kernbotschaft lautet: Energieeffizienz bedeutet nicht Verzicht, sondern mehr Komfort“, so Kuhlmann.

Hotels und Herbergen mit unterschiedlichen Sanierungsansätzen

Die 31 teilnehmenden Hotels und Herbergen planen insgesamt Energieeinsparungen von rund 34 Prozent (Wärme und Strom). Dabei sei die Bandbreite erheblich, sie reiche von Maßnahmen mit einer zehnprozentigen Einsparung bis hin zur Planung eines Plusenergiehotels. Während Hotelbesitzer vor allem in Anlagentechnik wie Heizung oder Beleuchtung und in die Dämmung von Teilen des Gebäudes investierten, planten die Betreiber von Jugendherbergen häufig eine Komplettsanierung. Das leige an den unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten. So könnten die Herbergen eher für den gesamten Sanierungszeitraum schließen, da sie die finanziellen Einbußen besser auffangen könnten.

Mehr Qualität in der Energieberatung erforderlich

Aus der Zwischenbilanz des Modellvorhabens werde deutlich, dass vor allem die Qualität der energetischen Beratung zu Beginn der Sanierungsmaßnahmen sehr unterschiedlich ausfalle. Einige Berater erstellten detaillierte Sanierungsfahrpläne für das gesamte Gebäude, andere wiederum gaben eher vage Angaben zu einzelnen Teilen des Gebäudes. Bei der Erstellung eines Sanierungsfahrplans, d.h. also bei der wirtschaftlichen Bewertung von Effizienzmaßnahmen, stünden die Berater vor der Herausforderung, die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten der Gebäude (Übernachtungs-, Tagungs- und Speisestätte) zu berücksichtigen. Die Qualität der Beratung sollte daher weiter erhöht werden, so die dena. Es gelte, Standards für die Beratung von Nichtwohngebäuden zu entwerfen, weitere Hilfestellungen für die Berater zu entwickeln und Netzwerke für den Austausch unter den Experten zu fördern. Auch eine Anpassung der Förderhöhe für die Energieberatung sei aufgrund der Komplexität der Beratung sinnvoll.

Direktzuschüsse nur bedingt möglich

Für Hoteliers erweist sich die Finanzierung der Sanierungsmaßnahmen als große Herausforderung, heißt es weiter. Denn durch das EU-Beihilferecht seien die Förderhöhen gedeckelt und Direktzuschüsse nur bedingt möglich. Gerade diese Form der Förderung wäre aber für viele Hotelbetreiber von großem Interesse, da die Banken die Zuschüsse häufig als Eigenkapital anrechnen. Eine weitere Option zur verbesserten Finanzierung seien die Einführung von Bürgschaften für das Ausfallrisiko sowie Standards zur besseren Kreditbewertung für Effizienzmaßnahmen durch die Banken. Auf diese Weise könnten sie Investitionen besser beurteilen und entsprechend die Vorteile einer energetischen Sanierung bei den Kreditkonditionen berücksichtigen. Hierzu soll künftig im Modellvorhaben anhand ausgewählter Teilnehmer ein möglicher Standard getestet und auch weiterentwickelt werden.

Dieser wurde im Rahmen des EU-Projekts „Investor Confidence Project (ICP)“ entworfen. Das dena-Modellvorhaben zur Energieoptimierung in Hotels und Herbergen befasst sich seit dem Jahr 2015 mit der Frage, wie ein zukunftsfähiges wirtschaftliches, ökologisches und sozial tragbares Konzept für das Übernachtungsgewerbe aussehen kann. Das Modellvorhaben wird in den kommenden zwei Jahren fortgesetzt. Im Mittelpunkt steht dann die Umsetzung der geplanten Effizienzmaßnahmen. Das Pilotprojekt wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert und durch die KfW und den Industriepartner Viessmann unterstützt.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte Kommentar einfügen!
Bitte geben Sie Ihren Namen hier ein