DBFZ sieht Änderungsbedarf am Ausschreibungsdesign für Bioenergieanlagen

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Das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) schlägt der Bundesregierung sechs konkrete Änderungen für das Ausschreibungsdesign von Bioenergieanlagen im EEG 2018 vor. „Das Ziel des Ausschreibungsverfahrens muss es sein, den Wettbewerb innerhalb der Ausschreibungen für Biomasseanlagen zu erhöhen und Perspektiven für die Entwicklung des Anlagenbestands aufzuzeigen“, sagte Mattes Scheftelowitz, einer der Autoren einer Stellungnahme, die das DBFZ in der vergangenen Woche vorgelegt hat.

Die erste Ausschreibungsrunde für Bioenergieanlagen wurde im September 2017 im Rahmen des novellierten EEG durchgeführt. Unter anderem aufgrund der langen durchschnittlichen Vergütungs-Restlaufzeit der meisten Bioenergieanlagen zeigte sich, dass das Interesse der Anlagenbetreiber an einer Ausschreibungs-Teilnahme noch verhalten ist. Das Ausschreibungsvolumen betrug ca. 122 MWel installierte Leistung. Von 33 Geboten mit einem Volumen von rund 41 MWel erhielten 24 Gebote mit einem Volumen von rund 28 MWel einen Zuschlag.

Obwohl das Volumen in der ersten Ausschreibungsrunde folglich nicht ausgeschöpft wurde, lassen sich dem DBFZ zufolge aus den ersten Erfahrungen bereits konkrete Änderungsvorschläge zur Verbesserung des Ausschreibungsdesigns ableiten:

1. Vorschlag: Abbruch der Flexibilisierung von Bestandsanlagen verhindern

Seit Inkrafttreten des EEG 2014 besteht für die im Zuge der Flexibilisierung errichtete zusätzliche Leistung eine Obergrenze von 1.350 MWel. Da der monatliche Zubau von flexibler zusätzlicher Leistung in den letzten Jahren stetig zugenommen hat, sind bereits 612 MWel der Obergrenze ausgeschöpft. Bleibt die Geschwindigkeit der Leistungserhöhung der letzten 12 Monate konstant, würde der Deckel schon Anfang des 4. Quartals 2019 erreicht. Deshalb fordert das DBFZ eine Erhöhung der Obergrenze.

Quelle: BNetzA 2018

2. Vorschlag: Erhöhung des Wettbewerbs im Ausschreibungsverfahren

Um den Wettbewerb im Ausschreibungsverfahren zu erhöhen, setzt sich das DBFZ zudem für eine Verlängerung des zweiten Vergütungszeitraums bei vorzeitigem Wechsel, die Streichung der 12-monatigen Wartefrist für Bestandsanlagen sowie eine Umstellung auf zwei Ausschreibungen pro Jahr ein.

Auch in Bezug auf den Substrateinsatz fordert das DBFZ eine Verbesserung der Wettbewerbsbedingungen. Der Gesetzgeber sollte entweder die Sektoren Abfall und Landwirtschaft klar trennen oder gleiche Voraussetzungen schaffen. Denn mit dem EEG 2017 gibt es, bis auf den sinkenden Maisdeckel, keine Vorgaben zum Substrateinsatz für Biogasanlagen. NawaRo-Anlagen könnten jedoch höhere Preise für Abfälle bezahlen, da in das EEG 2017 wechselnde Bestandsanlagen durch ihre individuelle Gebotsobergrenze in der Vergütung begrenzt sind. In der Folge könnte es nach Ansicht des DBFZ zu einer Umlenkung von Stoffströmen kommen, woraus sich ein wirtschaftliches Risiko für bestehende Abfallanlagen ergeben könnte.

Anlagenbestand zur Biogasproduktion im Jahr 2017:

Anlagenbestand zur Biogasproduktion im Jahr 2017
Quelle: Daniel-Gromke et al. 2018

3. Vorschlag: Güllevergärung außerhalb des Ausschreibungsverfahrens fördern

In Bezug auf die Güllevergärung fordert das DBFZ einen ausreichenden Förderanreiz für kleinere Betriebe. Aus Sicht der Wissenschaft könne daher der Forderung nach einer pauschalen Ausweitung der Güllekleinanlagenklasse mit 75 kW auf 150 kW mit Absenkung der Förderhöhe nicht gefolgt werden. Für die bestehende Güllekleinanlagenklasse sollte die Begrenzung jedoch von 75 kW installierter Leistung auf Bemessungsleistung geändert werden, um auch in diesem Bereich eine gewisse Flexibilität zu ermöglichen.

4. Vorschlag: Verlängerung des Ausbaukorridors

Der Bruttoausbaukorridor für Biomasse ist im EEG gegenwärtig auf 150 MWel für die Jahre 2017 bis 2019 und auf 200 MWel für die Jahre 2020 bis 2022 festgelegt. Wird kein weiterer Ausbaupfad ab 2023 festgelegt, kommt es dem DBFZ zufolge bis 2035 zu einem kompletten Auslaufen der EEG-Anlagen aus der ersten und ggf. zweiten Förderperiode.

5. Vorschlag: Förderung für Kleinanlagen

Nach Empfehlung des DBFZ sollte zudem geprüft werden, ob für kleine Holzvergaseranlagen bis max. 150 kWel eine eigene Vergütungskategorie, vergleichbar mit der Kategorie der Güllekleinanlagen, geschaffen werden kann. Die Flexibilitätsanforderungen sollten sich dabei an denen für Biogasanlagen orientieren (50 Prozent der max. Bemessungsleistung).

6. Vorschlag: Sektorkopplung anreizen

An dem aktuellen EEG kritisiert das DBFZ zudem, dass es die Biomassenutzung langfristig zur Stromerzeugung binde und die Nutzung von Biogas in urbanen KWK-Anwendungen sowie in den Sektoren Industriewärme und Mobilität ausschließe. Da die Aufbereitung von Biogas zu Biomethan vor allem perspektivisch sehr viel flexiblere Nutzungsoptionen biete, sollte die Umrüstung von geeigneten Standorten zur Biomethanerzeugung und Einspeisung nach Ansicht des DBFZ angereizt werden.

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