Photovoltaikanlagen auf dem Eigenheim bleiben wirtschaftlich: Wer sich im Jahr 2021 eine neue Solarstromanlage auf das Dach installieren lässt, erhält auch künftig eine „gute Rendite“. Darauf weist das Solar Cluster Baden-Württemberg hin. Zwar liegt die staatliche Einspeisevergütung für den erzeugten Solarstrom nur noch bei rund acht Cent pro Kilowattstunde. „Rechnet man den Gewinn für den Anteil des selbst verbrauchten Solarstroms hinzu, kann man trotzdem auf eine jährliche Rendite von rund fünf Prozent kommen“, berichtet das Solar Cluster. Je höher der Anteil des selbst verbrauchten Stroms ist, desto höher fällt der Gesamtvorteil aus. Ihn mit Batterien zu erhöhen, lohne sich auch heute noch nicht.

Die Kosten für PV-Anlagen seien in den letzten zehn Jahren um rund die Hälfte gesunken. Bei Anlagen bis zehn Kilowatt installierter Leistung haben sich die Nettopreise für Komplettanlagen auf durchschnittlich 1.200 €/kW Leistung reduziert. „Die Investition ist nach rund 15 Jahren über die Einspeisevergütung und den geringeren Bezug von Strom aus dem Netz abbezahlt“, sagt Franz Pöter, der Geschäftsführer des Solar Clusters. „Danach liefert sie mindestens für zehn bis 15 Jahre günstigen Strom.“

EEG-Novelle: Umlagebefreiung bis 30 Kilowatt Leistung – größere Anlagen werden attraktiver

PV-Anlagen erhalten 20 Jahre lang eine gleich hohe Einspeisevergütung für jede eingespeiste Kilowattstunde Solarstrom, je nachdem, in welchem Monat die Anlage angemeldet wurde. Der Vergütungssatz sinkt monatlich. In den ersten Monaten des Jahres 2021 liegt die Einspeisevergütung bei nur noch rund acht Cent pro Kilowattstunde für kleinere Anlagen bis zehn Kilowatt installierter Leistung. Größere Anlagen bis 40 Kilowatt installierter Leistung erhalten 0,2 Cent weniger. „Damit ist ein kostendeckender Betrieb mit Volleinspeisung nur schwer möglich, da eine Kilowattstunde aus Neuanlagen rund 9 bis 11 Cent kostet.“

Hinzu kommen jedoch weitere Einnahmen in Form von geringeren Stromkosten. Je nach Anlagengröße kann man ohne Aufwand durchschnittlich rund 25 Prozent des Solarstroms vom Dach über Beleuchtung und elektrische Geräte im Haushalt selbst verbrauchen. Wer einen Teil des günstigen Solarstroms selbst verbraucht, spart den Kauf von deutlich teurerem Strom aus dem Netz. „Die Kosteneinsparung beträgt aktuell rund 16 ct/kWh netto“, rechnet das Solar-Cluster vor. Der Eigenverbrauch sei damit aktuell der „Renditetreiber bei einer Photovoltaikanlage“. So könne eine Rendite von rund fünf Prozent pro Jahr erzielt werden.

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Bislang mussten die Eigentümer ab zehn Kilowatt installierter Leistung 40 Prozent der EEG-Umlage zahlen, wenn sie ihren Strom selbst verbrauchten. 2020 waren 2,7 ct/kWh für den Eigenverbrauch fällig. Seit diesem Jahr und dem Inkrafttreten der EEG-Novelle liegt die Grenze erst bei 30 kW, darunter entfällt die Umlage. Anlagen zwischen zehn und 30 Kilowatt sind mithin in diesem Jahr attraktiver geworden.

Je mehr Kilowatt man sich zulegt, desto günstiger werde zudem der Einkauf. „Wer ein geeignetes Dach hat, für den lohnt sich daher eine größere Anlage“, betont das Solar Cluster. Ein weiterer Vorteil liege in steigender Unabhängigkeit, da weniger Strom vom Netz bezogen werden muss.

Batteriekosten sinken weiter – wirtschaftlich sind Speicher aber noch nicht

Wichtig für die Wirtschaftlichkeit ist vor allem der Eigenverbrauch. „Wer seinen Eigenverbrauch steigern will, sollte elektronische Geräte mit Zeitschaltuhr wie Waschmaschinen oder Geschirrspüler deshalb möglichst in der Mittagszeit laufen lassen“, führt Pöter aus. „Das steigert je nach Größe der Anlage und Stromverbrauch den Eigenverbrauch von 25 auf 30 Prozent.“ Mit einem Batteriespeicher lasse sich der Wert sogar von rund 30 auf bis zu 60 Prozent erhöhen.

Eine zunehmende Zahl an EVU, Stadtwerken und Energiedienstleistern bietet inzwischen für Ü20-Anlagenbetreiber eigene Tarif an. Mehr dazu in der Übersicht: Post-EEG-Tarife und -Angebote von Energieversorgern

Jede zweite Photovoltaikanlage wird inzwischen mit einem Speicher gekauft. Für den Kauf gebe es gute Argumente wie Absicherung gegen steigende Strompreise, Beitrag zum Klimaschutz und Technologieaffinität. Die Anschaffungskosten waren bislang jedoch deutlich höher als die Kosteneinsparung durch die Speicherung. „Neue Zahlen zeigen, dass die Preise weiterhin sinken, sie aber noch zu hoch für einen wirtschaftlichen Betrieb sind.“ Von 2018 auf 2019 seien die durchschnittlichen Kosten um knapp zehn Prozent gesunken. Eine kWh Speicherkapazität koste damit nicht mehr rund 1.200 €, sondern nur noch 1.100 €. Das haben Jan Figgener vom Institut für Stromrichtertechnik und Elektrische Antriebe an der RWTH Aachen und weitere Wissenschaftler jüngst ermittelt. Die Ergebnisse sind im Dezember 2020 im Wissenschaftsmagazin Journal of energy storage erstmals erschienen. Zahlen für 2020 gibt es noch nicht.

Bundesländer unterstützen Anschaffung von Energiespeichern

Inzwischen gibt es allerdings bereits Systeme, die inklusive Leistungselektronik und Mehrwertsteuer unter 800 €/kWh kosten. „Unterhalb dieser Schallgrenze sind die Powerpakete wirtschaftlich – vorausgesetzt, die Lebensdauer der Speicher beträgt 20 Jahre.“ Halten die Geräte, wie garantiert, nur zehn Jahre, rechnen sich die Speicher nicht. „Anders aussehen kann es bei Solarstromspeichern, die noch zusätzliche Aufgaben für den Betrieb des öffentlichen Stromnetzes übernehmen.“

Einen Teil der Kosten für Käufer in Baden-Württemberg übernimmt ab 1. März 2021 das neu aufgelegte Förderprogramm „Netzdienliche Photovoltaik-Batteriespeicher“. Insgesamt zehn Millionen Euro stehen zur Verfügung. Detaillierte Informationen zur Förderung sowie zur Antragstellung werden Ende Februar 2021 veröffentlicht. Auch andere Bundesländer bieten Speicherprogramme an, die dazu beitragen, die Anschaffungskosten der Speicher zu verringern. (Nachweis für Beitragsbild: Elenathewise – stock.adobe.com)

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