Daimler und enercity nehmen Speicher aus Fahrzeugakkus in Betrieb

126
Batteriespeicher Herrenhausen-Südhalle
Quelle: Enercity/Bilderraum Fotostudio Hannover

Die Kooperationspartner Daimler AG mit ihrer hundertprozentigen Tochter Mercedes-Benz Energy GmbH und die Stadtwerke Hannover AG (enercity) haben nach circa einjähriger Bauphase einen Stromspeicher in Betrieb genommen. Nach Angaben der Unternehmen handelt es sich dabei um den größten Akkuspeicher Europas. Der innovative Speicher erfüllt einen besonderen Zweck: Er ist ein „lebendes Ersatzteillager“ für elektromobile Akkusysteme.

1.800 von insgesamt 3.240 der für die dritte Generation smart electric drive Fahrzeugflotte vorgehaltenen Akkumodule wurden am enercity-Standort Herrenhausen zu einem Stationärspeicher gebündelt, und durch den zuständigen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) TenneT für die Erbringung von Primärregelleistung (PRL) präqualifiziert.

Fertigstellung ist für das erste Quartal 2018 geplant

Rund die Hälfte der geplanten Systemstränge ist mit einer Leistung von fünf Megawatt bereits mit dem Netz gekoppelt. Die Fertigstellung der Gesamtanlage mit einer Speicherkapazität von insgesamt 17,4 MWh ist für das erste Quartal 2018 geplant.

Durch die „Lebende Lagerung“ der Ersatzakkus schaffen die Partner einen attraktiven Business Case, zu dem die sie mit ihren jeweiligen Kompetenzen beitragen. Die Produktion der automobilen Lithium-Ionen-Akkusysteme erfolgte durch die hundertprozentige Daimler Tochter Accumotive. Die Entwicklung und Produktion des Speichersystems erfolgte durch die ebenso hundertprozentige Daimler Tochter Mercedes-Benz Energy. Beide Unternehmen sind am Standort Kamenz ansässig. Für die Vermarktung der Speicherleistung auf dem Regelleistungsmarkt ist enercity verantwortlich.

Durch die Vermarktung der lagernden Speicherleistung auf dem deutschen Markt für PRL leistet das Geschäftsmodell einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Stromnetzes und gleichzeitig zur Wirtschaftlichkeit von Elektromobilität. Bei zunehmenden Schwankungen der Stromeinspeisung aus fluktuierenden erneuerbaren Energien dienen solche Speicher zur optimalen Ausregelung einer konstant zu stabilisierenden Netzfrequenz. Sie gleichen mit ihrer Speicherkapazität die Energieschwankungen nahezu verlustfrei aus – eine Aufgabe, die derzeit überwiegend schnell drehende Turbinen, also rotierende Massen in Großkraftwerken, übernehmen.

Fahrzeugakkus werden als Ersatzteile vorgehalten

Da die Akkus als Ersatzteile für eine E-Smart-Generation, die nicht mehr produziert wird, vorgehalten werden, hat der Speicher noch einen weiteren Vorteil (EUWID 06/2016). Um im Fall eines Tausches einsatzfähig zu sein, verlangt ein Akku während der Dauer der Bevorratung ein regelmäßiges Zyklisieren – das gezielte, schonende Be- und Entladen. Andernfalls käme es zu einer Tiefenentladung, die zu einem Defekt des Akkus führen kann. Neben den Lagerkosten würde die klassische und potenziell langjährige Ersatzakkulagerung also einen recht hohen Betriebsaufwand bedeuten.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte Kommentar einfügen!
Bitte geben Sie Ihren Namen hier ein