Corona-Virus: „Kurzfristige Preissteigerungen bei Solarmodulen bis zu 20 Prozent möglich“

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Die Ausbreitung des Corona-Virus in China wirkt sich zunehmend auf den Photovoltaikmarkt aus. In China wurden im Zuge der Quarantäne-Maßnahmen der Regierung und der Industrie Produktionsmitarbeiter in Zwangsurlaub geschickt. „Außerdem ist die Lieferkette für dringend benötigte Rohstoffe nahezu zusammen gebrochen, so dass Zell- und Modulproduktionen seit Anfang Februar nach Chinesisch Neujahr gar nicht erst anlaufen können“, fasst pvXchange-Geschäftsführer Martin Schachinger die gegenwärtige Situation zusammen. Die Lage bezeichnet Schachinger als chaotisch, „kurzfristige Modulpreissteigerungen von bis zu 20 Prozent in den kommenden Monaten sind möglich“.

Selbst bereits produzierte Ware, die sich in China in den Fabriken befindet oder schon am Hafen lagert, dürfe nicht oder nur sehr verzögert auf die Reise geschickt werden. Erst seit wenigen Tagen würden vereinzelt Fertigungslinien wieder hochgefahren. „Bis die existierende Produktionskapazität jedoch wieder voll ausgeschöpft werden kann, der immense Auftragsstau abgebaut ist und die Zell- und Modulfertigung wieder in geordneten Bahnen verläuft, wird es noch sehr lange dauern“, meint Schachinger. Wann der Peak der Corona-Epidemie überschritten ist, könne momentan noch niemand sagen. Experten rechneten damit, dass der Wendepunkt vielleicht erst im April, wenn nicht sogar noch später erreicht wird.

Starke Abhängigkeit von China auch bei Vorprodukten

Durch die starke Abhängigkeit der europäischen Solarindustrie von chinesischen Vorprodukten seien lokale Hersteller für Module, Wechselrichter und Speicher gleichermaßen betroffen: „Solarglas, Folien, Zellen, elektronische Bauteile – alles wird in hohem Maße aus Asien, speziell aus dem Reich der Mitte bezogen.“

Alle Hersteller, einschließlich der letzten verbliebenen deutschen Produzenten, jonglierten momentan mit der wenigen zuverlässig verfügbaren Ware, die sich noch in ihren Lagern, am Hafen oder auf dem Seeweg befindet, so Schachinger weiter. Freie Ware sei kaum noch verfügbar und schnell ausverkauft. „Da ein zuverlässiger Termin für Nachschub aktuell noch nicht absehbar ist, ziehen Großkunden ihre bereits bestätigten Kontingente teilweise vor und werden bevorzugt bedient.“ Das Nachsehen hätten kleinere Firmen oder Kunden mit neuen Bestellungen.

Versorgungslage bei bekannten Marken „desolat“

„Die Versorgungslage bei den bekannten Marken kann man getrost als desolat bezeichnen“, so der PV-Experte weiter. Ein Ausweichen auf weniger bekannte Marken sei nur eingeschränkt möglich, weil viele der „Non-Tier“-Hersteller bisher gar keine ausreichend großen Mengen in den europäischen Markt geliefert hätten.

Auch bei den Anbietern von Wechselrichtern und Speichern mache sich mittlerweile die schlechte Versorgungslage mit Nachschub bemerkbar. Besonders begehrte Wechselrichtertypen, speziell die für den gewerblichen Bereich, seien auf absehbare Zeit nicht mehr lieferbar. Aber auch die Verfügbarkeit von einzelnen Heimspeichertypen, etwa des chinesischen Herstellers BYD, habe einen Tiefpunkt erreicht.

Preise für Solarmodule am Spotmarkt bereits spürbar angestiegen

Wer für Projekte, die in den kommenden 3 bis 4 Monaten realisiert werden sollen, noch keine Ware fest eingekauft hat, dem bleibe meist nur noch die Beschaffung über den Spotmarkt. „Da sich dieser aber in hohem Maße nach Angebot und Nachfrage richtet, werden die Konditionen für besonders gesuchte Produkte nicht immer kundenfreundlich sein“, sagt der pvXchange-Geschäftsführer.

Bereits im Februar ist ein Anziehen der Preise beinahe ausnahmslos über alle Technologien erkennbar. Lediglich bei bifacialen Modulen weist das pvXchange-Preisbarometer einen stabilen Preis von 0,39 €/Wp Leistung aus. Alle anderen Modulklassen zeigen am europäischen Spotmarkt für verzollte Ware bereits anziehende Preise mit einem Anstieg von 3 bis 6 Prozent. Steigen die Preise um weitere 20 Prozent in den kommenden Monaten, dürfte die Wirtschaftlichkeit mancher Projekte in Mitleidenschaft gezogen und eine Realisierung in Frage gestellt werden. „Ob das zu einem generellen Markteinbruch führen wird, das bleibt abzuwarten.“

52-GW-Deckel wird möglicherweise erst später erreicht

Ein Verschieben der kurzfristig geplanten Projekte ins zweite Halbjahr oder noch weiter nach hinten sei aber zumindest in Deutschland nur schwer realisierbar. „Wir haben hier die monatliche Degression der Einspeisevergütung, sowie den noch immer existierenden 52-Gigawatt-Deckel für Photovoltaikanlagen.“ Die desolate Versorgungssituation betreffe allerdings fast alle Marktteilnehmer, so dass ein das Erreichen der gesetzlich festgelegten Förderobergrenze weiter nach hinten rücke. „Dennoch sollte man laut über eine kurzfristige Anpassung des Degressionsmechanismus nachdenken, um weiteren wirtschaftlichen Schaden von den Betreibern und Investoren neu zu errichtender Photovoltaikanlagen abzuwenden“, fordert Schachinger.

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