Auch die laufende Berichtssaison steht im Zeichen der Corona-Krise. Im Folgenden haben wir eine Auswahl von aktuellen Bewertungen der Krise und Reaktionen auf die Krise durch Akteure der Energiewirtschaft zusammengestellt.

1. E.ON

„Den Energieversorgern kommt in dieser Krise eine besondere, systemrelevante Bedeutung und damit eine besondere Verantwortung zu“, sagt der Vorstandsvorsitzende der E.ON SE, Johannes Teyssen. Er bekräftigt, dass das Unternehmen deswegen gemeinsam mit anderen Versorgungsunternehmen die Erklärung der deutschen Energieverbände unterstützt habe, bis auf weiteres die Abschaltungen von Kunden, die in besonderer finanzieller Bedrängnis sind, auszusetzen.

„Insgesamt ist die Energiebranche sicherlich nicht so hart getroffen wie andere Branchen, allerdings erwarten auch wir sichtbare Spuren in der Bilanz.“ Der Energieverbrauch bei Industrie und Gewerbe gehe spürbar zurück. Das wirke sich – zeitlich befristet – auf Netze und Vertrieb aus. Im Bereich der Projekte könne es zu zeitlichen Verzögerungen bei der Abwicklung beauftragter Leistungen im Bereich der Energieinfrastruktur kommen.“

Auch im B2B-Geschäft erwartet E.ON zeitlich begrenzte Nachfragerückgänge. Der Netzausbau und die Errichtung klimafreundlicher Energieinfrastrukturen würden nach der aktuellen Krise jedoch sicherlich von noch größerer Bedeutung sein.

2. EnBW

Im aktuellen Umfeld der Corona-Pandemie habe das Unternehmen frühzeitig umfassende und „bis dato sehr wirksame“ Gegenmaßnahmen eingeleitet, die den gesundheitlichen Schutz der Mitarbeiter einerseits und die sichere Versorgung mit Energie andererseits sicherstellen sollen, sagt Unternehmenschef Frank Mastiaux. „Unsere Mitarbeiter machen unter den erschwerten Bedingungen einen tollen Job. Die EnBW steht stabil.“

„Per heute hat die Corona-Krise noch keine signifikanten Auswirkungen auf unser operatives Geschäft“, ergänzt Finanzvorstand Thomas Kusterer. „Je nach Dauer und Intensität der weiteren Entwicklungen kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass es bei einzelnen Projekten zu Verzögerungen kommen könnte. Für eine genauere Aussage ist es aber noch zu früh.“ (Lesen Sie zur aktuellen Strategie der EnBW: EnBW: Erneuerbare Energien sollen in neuem strategischen Geschäftsbereich dominieren)

3. BayWa

Für das Jahr 2020 ist laut BayWa eine Ergebniseinschätzung zurzeit seriös nicht möglich, auf Grund der nicht abschätzbaren Auswirkungen der Covid-19 Krise. „Mit unserem diversifizierten Geschäftsmodell fühlen wir uns angesichts der schwierigen Situation aber gut aufgestellt und sind fest entschlossen, unsere Grundversorgungsfunktion für die Menschen zu erfüllen“, sagt Vorstandschef Klaus Josef Lutz. (Vgl. auch unseren ausführlichen Bericht zur Geschäftsentwicklung der BayWa im Energiebereich)

4. Nordex

Beim Windkraftanlagenhersteller Nordex dokumentieren breitere Ergebnis- und Umsatzkorridore in der Jahresprognose für 2020 „das deutlich gestiegene Aktivitätsniveau und die damit verbundenen gestiegenen operativen Herausforderungen“. Vor dem Hintergrund von COVID-19 sei die Geschäftsentwicklung 2020 zudem mit großen Unsicherheiten verbunden.

„Diese resultieren vor allem aus den Maßnahmen, die zur Eindämmung der Verbreitung des Virus in vielen Ländern eingeleitet wurden und gegebenenfalls noch kommen werden, sowie der Ausbreitung der Krankheit selbst.“ Die Folgen dieser neuen, komplexen und sich fortlaufend verändernden Situation könnten derzeit noch nicht abschließend beurteilt werden. Sollte es in der Folge der Pandemie zu „wesentlichen Störungen“ kommen, könnte eine Korrektur der Prognosen erforderlich sein, heißt es.

Details zur Geschäftsentwicklung bei Nordex finden Sie hier.

5. CropEnergies

Der Biokraftstoffhersteller CropEnergies hat die Produktion teilweise umgewidmet. Da die Erzeugung von Neutralalkohol europaweit an die Kapazitätsgrenze stoße, erweitere CropEnergies die Erzeugungsmengen, soweit dies technisch möglich ist, „und bittet Kunden außerhalb des Desinfektionsmarktes zudem, in der derzeitigen Lage umzudisponieren“. „Zahlreiche Kunden sind hierzu bereit, damit wir die Pharmaindustrie beliefern können. Dafür sind wir sehr dankbar. Die Gesundheit geht vor“, sagt Joachim Lutz, Sprecher des Vorstands der CropEnergies AG.

Die deutschen Behörden haben inzwischen wie in Frankreich und Österreich unter der Voraussetzung bestimmter Qualitätsanforderungen auch technischen Alkohol für die Nutzung in Desinfektionsmitteln freigegeben. Allein am Standort Zeitz stellt die CropEnergies AG derzeit täglich rund eine Million Liter Alkohol her.

6. SMA Solar Technology

Trotz der aktuellen Coronakrise bestätigt der SMA Vorstand die Anfang Februar 2020 veröffentlichte Umsatz- und Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2020 (vgl. ausführlich hierzu hier). SMA sei gut positioniert, um auch unter den aktuellen Umständen Marktanteile hinzuzugewinnen.

„Das Coronavirus hat bisher nur geringe negative Auswirkungen auf den Geschäftsverlauf von SMA. Auftragseingang und Umsatz entwickeln sich seit Jahresbeginn weiterhin positiv, und wir konnten Lieferengpässe durch aktives Management gering halten“, sagt Vorstandssprecher Jürgen Reinert. SMA habe sich schon frühzeitig auf die Prävention fokussiert und entsprechende Maßnahmen wie Reiseverbote, mobiles Arbeiten wo möglich und Anpassungen in den Produktionsabläufen vorgenommen.

„So gewährleisten wir einen weitestgehend normalen Geschäftsablauf und schützen gleichzeitig die Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Natürlich müssen wir die weiteren Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus genau beobachten und jederzeit schnell und flexibel reagieren.“ (Nachweis für Beitragsbild: Ahmet Aglamaz – stock.adobe.com)

Lesen Sie hier, wie die Corona-Krise sich weltweit auf Energie(wende)märkte auswirkt:

Auswirkungen der Corona-Krise auf die Energiewirtschaft zeichnen sich ab

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