Der Windgutachterbeitrat im Bundesverband WindEnergie (BWE) hat sich mit einer Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) über den Einfluss des Klimawandels auf die Windstromerzeugung in Europa auseinandergesetzt. Sie widersprechen der Interpretation der Studie zur Entwicklung von Windgeschwindigkeiten, wonach einzelne Länder (darunter auch Deutschland) mit größeren Änderungen aufgrund des Klimawandels zu rechnen haben.

Die Windgutachter kommen zu dem Ergebnis, dass das langfristige Änderungssignal der mittleren Windgeschwindigkeit als sehr gering eingeschätzt werden muss und für Deutschland eine klimabedingte Veränderung der Windpotenziale – wenn überhaupt – erst zum Ende des Jahrhunderts angenommen werden kann. Die Veränderungen liegen zudem eher im Rahmen der üblichen Schwankungen.

Zwar könne es dabei möglicherweise durch Wetterextreme und -schwankungen zu einem volatileren Windangebot kommen. Diese Veränderung sei allerdings in keiner Weise als signifikant zu bezeichnen, so die BWE-Gutachter. Sie lasse sich auch vor dem Hintergrund der zeitlichen Eintrittswahrscheinlichkeit durch technologische Entwicklungen unproblematisch ausgleichen.

Demnach nehmen die Anlagenhersteller bereits heute die erzielbaren Betriebsstunden in den Fokus, so dass deutsche Windenergieanlagen bei immer geringeren Windgeschwindigkeiten mit der Stromproduktion beginnen können und bei hohen Windgeschwindigkeiten und Stürmen zu einem immer späteren Zeitpunkt aus dem Wind genommen werden müssen.

KIT: Klimawandel stellt Windkraft in Europa vor große Herausforderungen
Wie sich die Windgeschwindigkeiten und damit das Potenzial der Windkraft in Europa bis Ende dieses Jahrhunderts entwickeln werden, haben Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) zusammen mit Wissenschaftlern der Universität zu Köln untersucht. Für die Studie kamen räumlich und zeitlich hochaufgelöste Klimamodelle zum Einsatz. Die Auswertung zeigt:

Wie der Klimawandel die Windkraft beeinflußt
Änderungen der mittleren jährlichen Windstromproduktion (Eout, in Prozent) in Europa 2071 bis 2100 im Vergleich zu 1971 bis 2000. (Abb. aus Moemken et al. (2018), bearbeitet von J. Mömken, KIT)

►Die mittlere Windstromerzeugung für den gesamten europäischen Kontinent wird sich bis Ende des 21. Jahrhunderts nur geringfügig ändern – Änderungen liegen im Bereich bis plus/minus fünf Prozent.

►Für einzelne Länder ist allerdings mit deutlich größeren Änderungen im Bereich bis plus/minus 20 Prozent zu rechnen.

►Im Allgemeinen sind größere jahreszeitliche Schwankungen zu erwarten.

 

►Sowie eine Häufung von Schwachwindphasen mit Windgeschwindigkeiten unter drei Metern pro Sekunde.

►Im Baltikum und der Ägäis könnte die Windstromerzeugung von den Klimaänderungen profitieren.

►Für Deutschland, Frankreich und die iberische Halbinsel dagegen sind eher nachteilige Auswirkungen zu befürchten

Fazit: Die Windenergienutzung in Europa steht vor großen Herausforderungen. Aber geeignete Gegenmaßnahmen wie der dezentrale Ausbau der Windenergie sowie der Ausbau des europäischen Stromverteilnetzes, könnten den Einfluss des Klimawandels abschwächen.

Der Windgutachterbeirat befasst sich dem BWE zufolge regelmäßig mit den Ergebnissen sowohl der erzielten Erträge von Windenergieanlagen als auch der Ergebnisse von Windmessungen sowie mit Einschätzungen zur künftigen Entwicklung des Windangebotes. Dabei werden nicht nur jahresscharfe Auswertungen vorgenommen, sondern auch Langzeittrends analysiert, um beides für künftige Ertragseinschätzungen berücksichtigen zu können. Dies sei vor allem wichtig, um angesichts der Betriebszeiten von über 20 Jahren solide Ertragsprognose geben zu können. Bereits im Februar haben die Experten in diesem Zusammenhang auch darüber diskutiert, ob der Klimawandel sich auf die Windenergieerzeugung auswirken kann.

“KIT-Studie nicht verallgemeinern”

Das Climate Service Center (GERICS), das seit 2014 als selbstständige wissenschaftliche Organisationseinheit des Helmholtz-Zentrums Geesthacht arbeitet, gab dazu einen Überblick über bisher veröffentlichte Studien. Diese machten vor allem eine große Heterogenität sichtbar, so der BWE. Die aktuell in den Medien diskutierte Veröffentlichung des KIT stelle in diesem Zusammenhang innerhalb des wissenschaftlichen Diskursprozesses eine Sichtweise dar und könne schon deshalb nicht verallgemeinert werden, erklärte der BWE.

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