Bundesverband Wärmerecycling als Netzwerk für mehr Energieeffizienz im Wärmesektor gegründet

Zwölf Institutionen haben jetzt in Osnabrück den Bundesverband Wärmerecycling gegründet, eine neuen Netzwerkplattform für mehr Energieeffizienz im Wärmesektor. Zentraler Anspruch sei, den aktuellen Stand der Technik anhand von bereits realisierten Projekten und valider Daten zu publizieren, teilte der Verband mit. Dadurch entstehe Transparenz in wichtigen Punkten wie zum Beispiel Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit. Für jede Anwendung könne die jeweils optimale Lösung erarbeitet werden.

Erfolgreiche Pilotprojekte der Wärmewende würden hervorgehoben und könnten auf andere Bereiche und energieintensive Branchen übertragen werden. „Kurz gesagt: Als Netzwerk kompetenter Partner möchten wir alle technischen Anlagen und Prozesse im Wärmesektor kontinuierlich verbessern“, erläuterte Wolfgang Jaske von der Jaske & Wolf Verfahrenstechnik GmbH, einem Gründungsmitglied des neuen Verbandes. Wärmerecycling sei der Schlüssel zu Effizienz und Erfolg.

In der öffentlichen Debatte zur Energiewende spiele der Wärmesektor bislang noch keine bedeutende Rolle. Dabei hänge das Gelingen der Energiewende ganz entscheidend vom Umbau der Wärmeversorgung ab, und nicht umsonst würden viele Experten bei der Wärmewende von einem „schlafenden Riesen” sprechen, so Prof. Matthias Reckzügel, der Leiter des Kompetenzzentrums Energie an der Hochschule Osnabrück. Genau hier setze der neue Bundesverband Wärmerecycling an. Wenn es gelinge, nur ein Prozent der Wärmeenergie in Deutschland zu recyceln, könnten dadurch 2,5 Mio. Tonnen CO2 oder eine Mio. Tonnen Erdgas pro Jahr eingespart werden. Das entspreche dem jährlichen Verbrauch von ca. 750.000 Einfamilienhäusern. „Das ist eine unvorstellbar große Menge”, so Peter Wolf von der Jaske & Wolf Verfahrenstechnik GmbH fest.

“Schlafender Riese” Wärmewende

Ein erstes Referenzprojekt des Verbandes ist das Moskaubad in Osnabrück. „Bäderbetriebe sind bekanntermaßen sehr energieintensiv”, erklärte Jürgen August, der Leiter Bädertechnik bei den Stadtwerken Osnabrück. Hier gebe es insbesondere in der Wärmerückgewinnung noch sehr viel Effizienzpotential. Das Moskaubad gehöre bereits mit einer hocheffizienten und preisgekrönten Wärmerückgewinnungstechnologie sowie einer innovativen Lüftungstechnik bundesweit zu den -Energievorreitern im Bädersektor. „Wir haben hier in Osnabrück Effizienzprojekte und -partnerschaften, die eine Pionierstellung einnehmen”, so August. Auch berichtet der Verband in seiner Mitteilung über ein Projekt, bei dem Industrieabwärme im großen Stil für Hamburgs östliche Hafencity genutzt wird. Die Beteiligung der Stadtwerke Hannover AG, enercity Contracting Nord GmbH aus Hamburg, unterzeichnete bereits Mitte Februar einen Vertrag mit der Aurubis AG über die Nutzung von industrieller Abwärme zur Versorgung der Hafencity Ost. Es handelt sich um Wärme, die während der Umwandlung von Schwefeldioxid – ein Nebenprodukt, das bei der Kupferschmelze anfällt – zu Schwefelsäure entsteht. Diese industrielle Abwärme sei nahezu frei von CO2 und allein in der Hafencity Ost würden im Endausbau (Ziel: 2029) rund 4.500 t CO2 pro Jahr eingespart.

Branchenübergreifendes Handeln

Die Gründungsmitglieder des Bundesverbandes Wärmerecycling setzen sich aus den unterschiedlichsten Branchen und Institutionen zusammen. Zu ihnen zählen neben Vertretern der Jaske & Wolf Verfahrenstechnik, der Stadtwerke Hannover und Osnabrück sowie der Hochschule Osnabrück. Weitere Mitglieder sind Vertreter der Energiedienst AG, der HTP Ingenieur GmbH & Co. KG, der innotec Industrievertretung, der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen GmbH (KEAN) sowie von LEO Lokale – Energie – Optimierungen, vom Steinbeis Transferzentrum und von Viessmann Deutschland. Ein weiteres Gründungsmitglied des Verbandes ist MdL Axel Miesner. o

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