Bürgerenergie als Schlüssel zur Mobilisierung von Kapital für die weitere Energiewende

1809

Die Energiewende ist im Kern eine Frage der Finanzierung. In Deutschland wurde der Boom der erneuerbaren Energien dadurch ausgelöst, dass dezentrale Entscheidungen von Kleinunternehmen und Haushalten Milliardensummen in die Errichtung neuer Photovoltaik-, Windkraft- oder Biogasanlagen investiert haben – in der Gewissheit, dass sich dieses Invest langfristig rechnet, da die fixe EEG-Vergütung einen sicheren Cashflow über einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren sichert. Inzwischen ist die Vergütung deutlich abgeschmolzen worden, so dass der Boom trotz deutlich gesunkener Kosten abgeebbt ist. Dennoch ist das Interesse der Bevölkerung, sich finanziell an der Energiewende zu beteiligen, hoch.

Der Titelbericht von EUWID Neue Energie 39/2016 widmet sich einer aktuellen Studie der Universität St. Gallen, die genau dieses Thema in den Blick nimmt und die Präferenzen der Bürger hinsichtlich ihrer Bereitschaft zur finanziellen Flankierung der Energiewende analysiert. Der Bericht ist Teil der diesmal 110 Nachrichten, Berichte und Analysen umfassenden Fachpublikation, die am 28. September erschienen ist. Einen Überblick über sämtliche Themen können Sie hier abrufen.

Ein Ergebnis der Studie lautet, dass die Beteiligungsbereitschaft in den Bereichen Wind und Solar besonders hoch ist. Und besonders attraktiv ist es für die Bürger, wenn sie einen lokalen Partner wie die örtlichen Stadtwerke oder Bürgerenergiegesellschaften finden, der entsprechende Projekte realisiert und die finanzielle Beteiligung strukturiert.

Inwieweit sich Bürgerenergiegesellschaften künftig noch im Bereich der Errichtung von Windkraftanlagen einbringen, bleibt indes abzuwarten. Der Umstieg der Fördersystematik von einer garantierten Vergütung hin zu Ausschreibungen im EEG 2017, ist für solche Gesellschaften mit Risiken verbunden, auch wenn der Gesetzgeber Sonderregelungen erlassen hat, die es der Bürgerenergie leichter machen soll, das Wagnis eines Windkraftprojekts ohne Zuschlagsgarantie einzugehen.

Die Windwärts Energie GmbH bietet jetzt Serviceleistungen an, um die Risiken von Windkraftaktivitäten von Bürgerenergiegesellschaften zu senken. Zuvor hatte schon Greenpeace Energy einen ähnlichen Vorstoß unternommen. Im Rahmen von Kooperationen will Windwärts entsprechenden Interessenten aus dem Bürgerenergiebereich anbieten, die Projektentwicklung finanziell abzusichern, Projekte durch die Ausschreibung zu führen und letztendlich erfolgreich zu realisieren.

Dass das Interesse an den erneuerbaren Energien nicht erlahmt ist, zeigt auch eine aktuelle Umfrage der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE). Demnach ist der weitere Ausbau der Erneuerbaren für 93 Prozent der 1.000 Befragten „wichtig“ bis „außerordentlich wichtig“. Die Befragung bestätigt auch ein Akzeptanzphänomen, das schon in früheren Analysen zu Tage getreten ist: Je mehr Erfahrungen die Bürger mit erneuerbaren Energien in ihrer Nachbarschaft gemacht haben, desto höher fällt die Zustimmung zu entsprechenden Projekten aus.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte Kommentar einfügen!
Bitte geben Sie Ihren Namen hier ein