Brennstoffzelle konkurriert mit Oberleitungs-Technik auf B462

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Bildquelle: Iveco

Die Oberleitungs-Lastwagen auf der geplanten Teststrecke im Murgtal bekommen direkte Konkurrenz. Im Verlauf des Pilotprojekts „eWayBW“, das voraussichtlich im Sommer startet, sollen parallel auch Lkw mit anderen neuen Antriebstechnologien erprobt werden, wie Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) am vergangenen Freitag ankündigte.

Neben den ursprünglich vorgesehenen fünf Oberleitungs-Hybrid-Lkw (mit Diesel- und Elektroantrieb) werden im Projekt nunmehr ein reiner Elektro-Lkw der Daimler Truck AG, der Wasserstoff-/Brennstoffzellen-Lkw vom Typ „Nikola TRE“ von der Iveco Magirus AG sowie ein vom Land Baden-Württemberg aufgebauter Oberleitungs-Elektro-Lkw eingesetzt. Mit der Nutzung von synthetischen Kraftstoffen (reFuels) in den Oberleitungs-Hybrid-Lkw kämen damit „alle möglichen Optionen für einen klimafreundlichen Straßengüterverkehr zum Einsatz“, heißt es seitens des Ministeriums. „Dadurch können alle erfolgsversprechenden Ansätze zur dringend notwendigen Dekarbonisierung erstmals unter realen Bedingungen in der Praxis erprobt und unmittelbar miteinander verglichen werden.“

Iveco-Chef Gerrit Marx sagte, der Brennstoffzellen-Lastwagen werde Anfang oder Mitte 2023 so weit sein, um an dem Projekt teilnehmen zu können. Iveco und Nikola bauen derzeit in Ulm eine Fertigung für vollelektrische Lkw auf, die laut Marx im vierten Quartal dieses Jahres in Betrieb gehen soll.

Täglich 128 Lkw-Fahrten in der Testphase geplant

Die Teststrecke verläuft auf der B462 zwischen Kuppenheim und Gernsbach-Obertsrot (Landkreis Rastatt). Auf einem Streckenabschnitt von 18 Kilometern werden zwei Abschnitte mit einer Länge von insgesamt etwa 4 Kilometern elektrifiziert. Die Strecke wurde wegen des dort herrschenden regen Schwerlastverkehrs zwischen mehreren Papierfabriken und einem Logistikzentrum ausgewählt – 510.000 Tonnen Papier werden pro Jahr von drei Papierherstellern in Obertsrot in das Logistikzentrum nach Kuppenheim gebracht. Während der Testphase sollen täglich 128 Lkw-Fahrten durchgeführt werden, was laut Ministerium rund 10 Prozent der aktuellen gemittelten Lkw-Belastung über die Teststrecke hinweg darstellt. Die Testphase ist für Frühjahr 2021 bis Frühjahr 2024 vorgesehen.

Hermann sprach von einem in dieser Breite weltweit einzigartigen Projekt und trat damit auch Kritik entgegen, man setze mit den Oberleitungs-Hybrid-Lastwagen einseitig auf eine veraltete Technologie. „Das zeigt, dass wir eben nicht nur eine Technologie ausprobieren“, betonte er. (dpa/EUWID)

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