BNetzA berücksichtigt dena-Vorschläge zur höheren Auslastung des Strombestandsnetzes

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Die Bundesnetzagentur hat auf die hohen netzengpassbedingten Kosten reagiert und im aktuell bestätigten Entwurf des Netzentwicklungsplans (NEP) 2017-2030 insgesamt neun Maßnahmen beschlossen, mit deren Hilfe die Kosten erheblich reduziert werden können.

Den volkswirtschaftlichen Gewinn dieser Ad-hoc-Maßnahmen beziffert die Bundesnetzagentur auf etwa zwei Milliarden Euro in den Jahren 2023 bis 2025. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) und das Büro für Energiewirtschaft und technische Planung (BET) hatten die von den Übertragungsnetzbetreibern vorgeschlagenen Maßnahmen zur höheren Auslastung des Strombestandsnetzes zuvor in einem Ergebnispapier vorgestellt und ihre Aufnahme in den laufenden NEP-Prozess angeregt. Bei den jetzt bestätigten neun Maßnahmen handelt es sich überwiegend um die Verwendung von Phasenschiebertransformatoren zur gezielten Steuerung von Lastflüssen.

Das Ergebnispapier „Höhere Auslastung des Stromnetzes“ entstand in einem vom Bundeswirtschaftsministerium angestoßenen Stakeholderprozess mit Übertragungsnetzbetreibern, Verteilnetzbetreibern, Herstellern von Netzbetriebsmitteln, Bundesnetzagentur und Verbänden. Der Fokus lag auf der Identifikation von kurzfristig, das heißt bis zum Jahr 2023 realisierbaren Maßnahmen, die die Kosten für die Netzengpassbewirtschaftung auf der Höchstspannungsebene im Zeitraum spürbar senken, bis die Ausbauziele des aktuellen Netzentwicklungsplanes erreicht sind.

Industrie und Netzbetreiber legen im Rahmen der
dena-Taskforce Netzentgelte gemeinsame Vorschläge vor

Die Deutsche Energie Agentur hat auch im Rahmen der Taskforce Netzentgelte Änderungs- und Ergänzungsvorschläge der Stromnetzentgeltverordnung erarbeitet. Ein Vorschlag der Taskforce Netzentgelte ist, dass netzdienliches Verbrauchsverhalten grundsätzlich nicht zu höheren Netzentgelten führen sollte. Dieser Fall kann zum Beispiel eintreten, wenn ein Netznutzer Regelleistung zur Verfügung stellt, also seinen Verbrauch je nach Lage im Netz kurzfristig steigert oder verringert. Wenn es dabei durch eine besonders hohe Stromaufnahme zu einer abrechnungsrelevanten Lastspitze kommt, wird nach den aktuellen Regelungen ein erhöhtes Netzentgelt fällig. Das Risiko, dass diese Zusatzkosten die Erträge für die erbrachte Regelleistung übersteigen, wollen viele Netznutzer nicht eingehen. Ihre Flexibilitätspotenziale werden aus diesem Grund nicht genutzt.

In der Frage, wie ein sehr großes, temporäres Angebot an erneuerbarer Energie besser genutzt werden kann, sieht die Taskforce Netzentgelte ebenfalls Handlungsbedarf. In solchen Situationen, zum Beispiel während eines Sturmtiefs, müssen Netzbetreiber derzeit oft Erneuerbare-Energien-Anlagen in ihrem Netzgebiet abregeln, um die Netzstabilität gewährleisten zu können. Um diese Abregelungen zu vermeiden und einen Anreiz für einen höheren Verbrauch in diesen Situationen zu setzen, sollen betroffene Netzbetreiber lokal sogenannte „Erneuerbare-Energien-Zeitfenster“ ausgeben können. Während dieser Zeitfenster könnten Netznutzer im jeweiligen Netzgebiet mehr Energie verbrauchen, ohne dass dies für sie zu höheren Netzentgelten führt.

Taskforce berücksichtigt auch Klimaaspekte

Auch neue Betrachtungsansätze wie die Berücksichtigung der Netzanschlusskapazität in den Netzentgelten oder die Nutzung von Flexibilisierungsmöglichkeiten bei diskontinuierlichen Verbrauchern wurden von den Partnern diskutiert.

Das Ergebnispapier thematisiert auch die Frage, wie klima- und industriepolitische Aspekte bei der Ausgestaltung der Netzentgelte berücksichtigt werden können. Dies ist vor allem wichtig für Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen, denn die Energiekosten und damit auch die Netzentgelte sind in diesem Kontext von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung. Stark steigende Netzentgelte können das Risiko der Abwanderung energieintensiver Produktion in Regionen mit geringeren Klima- und Umweltschutzauflagen, erhöhen.

Stromversorgungssicherheit bleibt „auf sehr hohem Niveau“ gewährleistet

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