Mit dem Verbundprojekt „Banula“ erforscht das Fraunhofer IAO gemeinsam mit neun Partnern, wie mithilfe der Blockchain-Technologie einfaches, transparentes und barrierefreies Laden von Elektroautos ermöglicht werden kann. Von der Universität Stuttgart sind das Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT) sowie das Institut für Energieübertragung und Hochspannungstechnik (IEH) am Projekt beteiligt. (Quelle für Beitragsbild: Sashkin – stock.adobe.com)

Wer elektromobil unterwegs ist, sehe sich deutschlandweit mit einer „unübersichtlichen Vielfalt von Anbietern und Vertragsmodellen konfrontiert“, heißt es von Seiten der Universität Stuttgart. Für die Nutzer sei oft ungewiss, ob eine Roaming-Verbindung besteht oder zu welchem Preis ein Ladevorgang abgerechnet wird. Darüber hinaus können die Stromlieferanten an der Ladesäule nicht frei gewählt werden. „Daher ist eine Anpassung der bisherigen energiewirtschaftlichen Systematik der Bilanzierung von Ladevorgängen sowie der entsprechenden Verantwortlichkeiten und Prozesse notwendig.“ Um das Kundenerlebnis und Akzeptanz zu steigern, sollte nicht nur das Laden der Fahrzeuge und die zugehörige Abrechnung der unterschiedlichen Kosten beim Ladevorgang vereinfacht werden, sondern auch die Zuverlässigkeit und Funktionalität einfach und transparent gestaltet werden.

Blockchain hebt Interaktion der beteiligten Rollen auf übergeordnetes Niveau

„Banula – Barrierefreie und nutzerfreundliche Lademöglichkeiten schaffen“ setzt hier an. Ziel des Projekts sei es, an jeder Ladesäule ein kundenorientiertes, reibungsloses und netzverträgliches Laden von Elektrofahrzeugen zu gewährleisten. Mithilfe der Blockchain-Technologie soll dabei ein dezentrales Medium entstehen, das einen sicheren Datenaustausch zwischen allen Beteiligten im Ökosystem Elektromobilität ermöglicht. „Der Einsatz der Blockchain-Technologie hebt dabei die Interaktion zwischen den beteiligten Rollen auf ein übergeordnetes Niveau und kann über alle Marktrollen die eichrechtskonforme und manipulationssichere Abrechnung von Ladeprozessen sichern“, so die Stuttgarter Wissenschaftler.

Zusätzlich sollen KI-basierte Steuerungsmöglichkeiten für einen diskriminierungsfreien Zugang zu Ladeinfrastruktur, Transparenz über Ladevorgänge in Echtzeit für die Netzbetreibenden sowie für eine deutliche Verbesserung der energiewirtschaftlichen Prozesse sorgen. Hierbei werden jene Akteure adressiert, die beim Laden eines Elektrofahrzeugs vor und hinter den Kulissen involviert sind.

Intelligenter Messsysteme (Smart Meter Gateways) ebenfalls Teil des Projekts

Das Projekt „Banula“ vereint ein umfangreiches Konsortium bestehend aus neun Partnern unter Federführung des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und wird zudem durch assoziierte Partnerschaften unterstützt. Das Konsortium bilde sämtliche involvierten energiewirtschaftlichen Rollen ab, einschließlich der notwendigen Kompetenzen in Forschung und Recht. Im Rahmen der Projektarbeiten baut das Konsortium auf bestehenden energiewirtschaftlichen Prozessen auf, um eine hohe Anschluss- und Integrationsfähigkeit gewährleisten zu können.

Durch die „sachgerechte bilanzielle Zuordnung“ der Ladevorgänge und Abrechnungsinformation in Echtzeit bringe das Projekt für alle Marktrollen Mehrwerte hervor – insbesondere für Ladestationsbetreibende, E-Mobility-Provider, Verteil- und Übertragungsbetreibende und die Endkunden. Dies bildet auch die Grundlage für die netzknotenscharfe Lastflussbestimmung auf Basis von Ladevorgängen. „Dies ist elementar für die Nutzung der Informationen für den Netzbetrieb sowie die quantitative Analyse zur gezielten Ausweitung von Ladeinfrastruktur“, betonen die Forscher. Die Integration intelligenter Messsysteme (Smart Meter Gateways) ist ebenfalls Bestandteil des Projekts wie auch die Erprobung des Gesamtsystems mit einer signifikanten Testflotte an Elektrofahrzeugen.

Die geplante Laufzeit des Projekts beträgt drei Jahre. Aufgrund des hohen Innovationsgrads der Projektinhalte sei die Identifikation von neuen Geschäfts- und Betreibermodellen ebenfalls Kernbestandteil der Projektarbeiten, heißt es weiter. Zudem strebt das Konsortium explizit an, die Ergebnisse in den operativen Betrieb und Markt zu überführen. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert das Projekt, das ein Gesamtvolumen von 9,2 Mio. € aufweist.

Worum geht es in der aktuellen Ausgabe von EUWID Neue Energie?:

EEG-Umlage, Ampel-Sondierungen und Bioenergie-Perspektiven: Die Themen von EUWID NE 42.2021 im Überblick

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte Kommentar einfügen!
Bitte geben Sie Ihren Namen hier ein