Tennet und sonnen haben jetzt ihr gemeinsames Blockchain-Projekt zum Abschluss gebracht. Das Projekt habe gezeigt, dass über eine Blockchain vernetzte und in das Energieversorgungssystem eingebundene dezentrale Heimbatteriespeicher das Stromnetz stabilisieren können. Tennet wertet das Vorhaben als vollen Erfolg und will die Potenziale der Blockchain für dezentrale Netzdienstleistungen nun weiter voranbringen.

In dem Pilotprojekt nutzte Tennet ein virtuelles Kraftwerk aus Heimspeichern, das sonnen dafür bereitstellte. Die damit vernetzte Blockchain-Lösung wurde von IBM entwickelt. Getestet wurde, inwieweit sich damit bei Engpässen im Stromnetz Notmaßnahmen wie die Abregelung von Windparks reduzieren lassen. Das intelligente Lademanagement der Batteriespeicher passte sich dabei individuell der jeweiligen Situation im Tennet-Netz an und die Batteriespeicher nahmen je nach Bedarf überschüssigen Strom sekundenschnell auf oder gaben ihn ab.

Sonnen teilte im Rahmen des Projekts dem Übertragungsnetzbetreiber fortlaufend mit, wie viel Kapazität die Heimspeicher zusammen für den Redispatch gerade bereitstellen können. Nahm Tennet eines dieser automatisch erstellen Angebote an, wurden die sonnenBatterien mit überschüssiger Energie in einer Region geladen, in der beispielsweise „zu viel“ Windstrom war. Um das Gleichgewicht zu halten, entluden gleichzeitig andere sonnenBatterien die gleiche Menge Energie in einer Region, in der es einen Bedarf gab.

„Schwarmspeicher“-Pool stellt Flexibilität für das Netz zur Verfügung

Der Prozess wurde in Echtzeit in einer Blockchain dokumentiert. Dazu wurden die Messwerte aller teilnehmenden sonnenBatterien in die Hyperledger-Blockchain von IBM übertragen. So war jede bereitgestellte Kilowattstunde, ob gespeichert oder entladen, eindeutig hinterlegt. Dafür erhielt jede Kilowattstunde eine kryptografische Signatur, die eindeutig und transparent ist und für die Abrechnung genutzt werden kann.

„Die Ergebnisse unseres Pilotprojekts sind so vielversprechend, dass wir dies nun in weiteren Blockchain-Projekten tiefer untersuchen wollen“, sagte Manon van Beek, CEO von Tennet. Sie sehe großes Potenzial in der Nutzung von Batteriespeichern für die Flexibilisierung des Stromsystems. Bereits 2030 könnte es in Deutschland dezentrale PV-Batteriespeicher mit einer Gesamtleistung von bis zu 10 GW geben, zitiert das Unternehmen aus dem Netzentwicklungsplan. Das sei mehr als die gesamte heute installierte Leistung aller Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland zusammen.

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Voraussetzung dafür, dass entsprechende kleine dezentrale Flexibilitäten das Stromsystem stabilisieren können sei allerdings, dass sich der Regulierungsrahmen weiterentwickele und die richtigen Anreize für diese Flexibilitäten schaffe, so van Beek weiter.

„Bewiesen, dass sonnenCommunity auch Redispatch beherrscht“

„Mit dem Projekt haben wir bewiesen, dass die vernetzten Speicher unserer sonnenCommunity nicht nur Primärregelleistung sondern auch Redispatch beherrschen“, so Jean-Baptiste Cornefert, Geschäftsführer sonnen eServices. Da sich so eine virtuelle Batterie an nahezu jedem beliebigen Punkt im Stromnetz bilden könne und somit ortsunabhängig ist, sei die Technologie ein „Schlüssel für ein neues Energiesystem, das höchste Flexibilität benötigt“. Im Stromnetz der Zukunft mit einem immer höheren Anteil von erneuerbaren Energie könnten Netzwerke aus Heimspeichern noch viel mehr Netzdienstleistungen übernehmen, für die heute hauptsächlich konventionelle Kraftwerken eingesetzt werden.

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Das jetzt beendete Pilotprojekt habe gezeigt, dass die Blockchain-Technologie das Potenzial besitzt, eine Schlüsseltechnologie zu werden, wenn es um die effiziente Bereitstellung von netzstabilisierenden Maßnahmen aus Batteriespeichern und anderen dezentralen Speichern wie etwa E-Auto-Batterien geht.

Blockchain erlaubt Koordination des Flexibilitätseinsatzes mit Verteilnetzbetreibern

Vorteile liegen unter anderem darin, dass die Blockchain-Technologie den Aufbau einer manipulationssicheren Umgebung (private blockchain) ermöglicht, in der Transaktionen von Millionen einzelner Anlagen automatisiert und mit geringen Transaktionskosten durchgeführt werden können. „Die innovative Technologie ermöglicht also einen ebenso schnellen wie sicheren dezentralen Datenaustausch sowie auch eine Koordination des Flexibilitätseinsatzes mit den Verteilnetzbetreibern“, berichten Tennet und sonnen. Da gerade eine Netzbetreiber-übergreifende Koordination die Nutzung einer Vielzahl von kleinen dezentralen Speichern zur Stabilisierung des Stromsystems erst möglich machen werde, will Tennet bei der Weiterentwicklung seiner Blockchain-Pilotvorhaben eng mit den Verteilnetzbetreibern zusammenarbeiten.

Die von IBM entwickelte Blockchain-Lösung basiert auf Hyperledger Fabric, einer Blockchain Framework Anwendung, und eines der Hyperledger Projekte, die von The Linux Foundation gehostet werden. Die Lösung sichere in besonderem Maße die Transparenz und Überprüfbarkeit von Transaktionen zwischen den Marktteilnehmern, heißt es. Dadurch solle zukünftig die Beteiligung von Anbietern dezentral verteilter Flexibilitäten an Dienstleistungen für den Übertragungsnetzbetreiber deutlich vereinfacht werden. Die Blockchain ermögliche eine schlanke Abwicklung, die Tennets Anforderungen an Sicherheit und Genauigkeit der Daten und zusätzlich durch Zugriffsrechte die Anforderungen an Diskretion erfüllen.

Tennet sucht nach weiteren Flexibilitätsmöglichkeiten

Das Pilotprojekt zählt zu einer Reihe von innovativen Projekten, in denen Tennet die Erschließung neuer Flexibilitätsmöglichkeiten und die verstärkte Nutzung von Daten untersucht. Ziel der Projekte sei es, das Stromnetz fit für die Herausforderungen der Energiewende zu machen. Neben dem gesetzlich festgelegten Netzausbau als Grundlage für die energiepolitischen Ausbauziele der Energiewende bis 2030 seien für die Integration eines Anteils von 65 oder 80 Prozent erneuerbarer Energien auch neue Technologien, um das Stromnetz höher auszulasten, sowie Speicher und Digitalisierung notwendig. (Beitragsbild: Sashkin – stock.adobe.com)

Mehr zu den Potenzialen der Blockchain im Dossier:

Welche Potenziale hat die Blockchain in der Energiewirtschaft?

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