BIS-Wasserstoffsymposium präsentiert Zukunftsprojekte für die Wasserstoffwirtschaft

92
2. Wasserstoffsymposium der BIS
Bildquelle: Scheer/BIS

Ein geplantes Elektrolyse-Testfeld, die Umsetzung der LOHC-Technologie und eine Wasserstoffproduktion auf einer Plattform in der Nordsee waren einige der Projekte, die auf dem Wasserstoffsymposium der BIS Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung vorgestellt wurden. „Es gibt bereits viele gute Ansätze sowie konkrete Pläne, um Infrastrukturen für eine Wasserstoffwirtschaft zu schaffen, die Technologie marktreif und bezahlbar zu machen. Diese gilt es nun zu bündeln, auf ihre Machbarkeit hier in Bremerhaven oder in der Region zu prüfen und gegebenenfalls auch umzusetzen“, resümierte Nils Schnorrenberger, Geschäftsführer der BIS.

Torben Jersch vom Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme (IWES) in Bremerhaven stellte ein vom Land Bremen und der EU jeweils mit zehn Mio. € gefördertes Zukunftsprojekt vor: Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Luneort und in direkter Nachbarschaft des neu entstehenden nachhaltigen Gewerbegebiets „Lune Delta“ baut das IWES ein Elektrolyse-Testfeld auf. Geplantes Herzstück ist der Prototyp eines 8-Megawatt-Windrads. Dieser soll ausreichend Strom aus erneuerbaren Energien liefern, um in bis zu zehn Elektrolyseuren Wasserstoff in einer Größenordnung herzustellen, die für Kunden aus der Industrie interessant ist.

Elektrolyse-Testfeld um 8-MW-Windrad geplant

Die Wissenschaftler wollen mit der Anlage eine Tonne Wasserstoff täglich produzieren. Zum Vergleich: Mit dieser Menge lassen sich rund 200 Autos für eine Reichweite von 600 Kilometern betanken. Zudem wird vor Ort die Möglichkeit geschaffen, die elektrischen Eigenschaften von Elektrolyseuren im Zusammenspiel mit der schwankenden Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien ins Netz zu testen. „Das ist weltweit einzigartig und ein wichtiger Schritt auf dem Weg dahin, Wasserstofftechnologie in der Breite einzuführen“, so Jersch. Dabei kooperiert seine Einrichtung mit dem Technologietransferzentrum Bremerhaven (ttz) und der Hochschule Bremerhaven.

Die Referenten machten deutlich, dass die aktuelle Wasserstoffinfrastruktur ein Hemmnis darstelle. So gebe es noch zu wenige Tankstationen und für den Bau eigener müssten Sicherheitsvorkehrungen getroffen und Genehmigungen eingeholt werden. Eine Lösung für die Wasserstoff-Verteilung über die vorhandene Kraftstoff-Infrastruktur stellte Jonas Obermeier von der Hydrogenious Technologies GmbH vor: LOHC-Technologie. Hinter dieser Abkürzung steckt ein Liquid Organic Hydrogen Carrier wie zum Beispiel Dibenzytoluol, eine ölartige organische Substanz, die Wasserstoff chemisch bindet.

Durch LOHC kann vorhandene Infrastruktur für Verteilung von Wasserstoff genutzt werden

„Durch die Speicherung von Wasserstoff im flüssigen LOHC lassen sich große Strommengen umweltfreundlich und völlig ungefährlich zum Beispiel über Frachtschiffe transportieren und am Bestimmungsort freisetzen. Die Trägersubstanz Dibenzytoluol wird nicht verbraucht und kann beliebig oft mit Wasserstoff be- und entladen werden“, erklärte Jonas Obermeier seinen Zuhörern. In den USA hat Hydrogenious bei Unternehmen, in denen Wasserstoff als Nebenprodukt anfällt, entsprechende LOHC-Anlagen aufgebaut. Dort wird das Gas gespeichert und an Firmen geliefert, die diese Energie brauchen können oder es dient zum Antrieb von Brennstoffzellenautos.

Tractebel plant Offshore-Plattform zur Wasserstoff-Produktion

Die LOHC-Wasserstofftechnologie stellt aber auch eine Möglichkeit dar, Strom aus Solar- und Windparks zu speichern und ohne zusätzlichen Netzausbau zu befördern. Damit ist sie für ein weiteres Großprojekt interessant, das auf dem Symposium präsentiert wurde: das Konzept für eine 400 MW Offshore-Anlage von Energieexperten der Tractebel Engineering GmbH und Ingenieuren der Tractebel Overdick GmbH. Zum Entwicklerteam gehört unter anderem Klaas Oltmann, der betonte: „Diese Plattform auf dem Meer für die Herstellung von grünem Wasserstoff in industriellem Maßstab könnte schon heute in der Nordsee realisiert werden.“

Zwei Projekte die Marcel Keiffenheim von Greenpeace Energy befürwortet, denn Forschungsvorhaben wie diese seien notwendig für die Vollendung der Energiewende. „Wenn wir mehr grüne Gase wollen, brauchen wir auch viel mehr erneuerbare Energien.“ Um der Technologie hierzulande auf die Sprünge zu helfen, schlägt er ein zeitlich begrenztes Marktanschubprogramm vor. So sprach sich Keiffenheim dafür aus, dass Elektrolyseure mit hohem Erneuerbaren-Anteil an der Stromerzeugung von Abgaben, Entgelten und Umlagen auf Strombezug befreit werden oder Förderung in entsprechender Höhe erhalten.

Sie wollen mehr über die Produktion von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien erfahren? Unser kostenpflichtiges Power-to-Gas-Dossier bietet weitergehende Informationen:

Power-to-Gas: Potenziale, Grenzen und Geschäftsmodelle

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte Kommentar einfügen!
Bitte geben Sie Ihren Namen hier ein