BDEW: Stromimporte können keine Versorgungssicherheit gewährleisten

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Kohlekraftwerk
Quelle: EUWID

Deutschland kann sich nicht auf Stromimporte aus dem europäischen Ausland verlassen. Diese Ansicht vertritt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und verweist auf Daten der europäischen Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) und des Joint Research Centers (JRC). Es wäre zu riskant, wenn sich Deutschland zum Beispiel in einer Winter-Dunkelflaute auf Stromimporte verlassen würde, so der BDEW. Denn auch in unseren Nachbarländern sei voraussichtlich im kommenden Jahrzehnt nicht genug gesicherte Leistung in Form von konventionellen Kraftwerken vorhanden.

Zwar hält der Verband den Ausbau der erneuerbaren Energien in der EU für richtig, allerdings müsse sich Deutschland zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit richtig aufstellen. Folglich brauche Deutschland neue Erzeugungskapazitäten auf Basis von Gas, fordert der Verband. Die Bedingungen für Energiespeicher und Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) müssten sich verbessern sowie alle Optionen zur Nachfrageflexibilisierung ergriffen werden. Zudem müsste der Netzausbau nach Ansicht des BDEW deutlich beschleunigt werden.

Leistung von Kohlekraftwerken sinkt in der EU bis 2030 um 63 Prozent

Nach Prognosen des JRC wird die installierte Leistung von Kohlekraftwerken in der EU von 2016 bis 2025 voraussichtlich von 150 Gigawatt (GW) auf 105 GW sinken. Bis 2030 sei ein Rückgang auf 55 GW zu erwarten, so der wissenschaftliche Dienst der EU weiter. Das entspricht einer Abnahme von 63 Prozent. Auch der Anteil der Kernenergie gehe in vielen Ländern zurück, während die erneuerbaren Energien zulegen.

Der BDEW warnt, dass sich Deutschland nicht auf Stromimporte aus dem europäischen Ausland verlassen dürfe, wenn hierzulande gesicherte Kraftwerksleistung in Form von Kohlekraftwerken vom Netz genommen wird. Die Zeiten, in denen sehr viel Strom nachgefragt wird, seien in Mitteleuropa nahezu deckungsgleich: „Ist die Stromnachfrage in Deutschland hoch, ist dies in der Regel auch in den angrenzenden Staaten der Fall. Ein besonders kalter Winter mache nicht an einer deutschen Grenze halt. Auch die stromintensiven Werktage seien in Europa identisch.

BDEW sieht kaum Ausgleichsmöglichkeiten innerhalb der EU

Leider funktioniere auch die Idee nicht, die Versorgungssicherheit in Deutschland mit dem Import von mehr Erneuerbaren-Strom aus dem EU-Ausland abzusichern. „Die für Wind und Photovoltaik entscheidenden Großwetterlagen führen in Zentraleuropa zu einer mehr oder weniger deutlichen Gleichzeitigkeit von Erzeugungsmangel oder Überflusssituationen“, sagte Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Eine andere Ansicht zur Großwetterlage finden Sie hier:

Europäischer Stromverbund reduziert Ertragsrisiken bei erneuerbaren Energien

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